Aussichtsturmfest in Bieber

Stein vom Herzen gefallen

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Ein Prost auf den Aussichtsturm und das neue Vereinsheim: Ilse Hammann (rechts), Vorsitzende der Offenbacher 03, und ihre Vereinsfreunde feierten fröhlich.

Bieber - Zum 31. Mal feierten die Offenbacher 03 und der Musikverein Eintracht gemeinsam das Aussichtsturmfest. Die Stimmung war bestens, haben die 03er doch endlich nach mühsamer Suche ein neues Heim gefunden. Von David Heisig 

Wollte man in Offenbach Rapunzel verfilmen, ein Drehort wäre schnell gefunden: Biebers Aussichtsturm. Hinter Bäumen versteckt, ist er nicht einfach zu finden. Zudem erfordert das Türschloss einen kniffligen Dreh. Wie prädestiniert wäre der Turm, die märchenhafte Geschichte des eingesperrten Mädchens zu erzählen.

Für diese Aufgabe noch nicht entdeckt, erfüllt er derweil andere: Er ist ein Ausflugsziel über Bieber hinaus, findet sich in Tourenbeschreibungen, vor allem für Radfahrer. „Wie durch Zufall sind wir auf ihn gestoßen“, erzählt Frederick Leister, ein in Offenbach Zugezogener. „Den vermutet man da gar nicht.“ Nur hinaufsteigen konnte er nicht – damals war der Turm nicht geöffnet. Das können er und seine Freundin dieser Tage nachholen, beim 31. Aussichtsturmfest der Offenbacher 03 und des Musikvereins Eintracht.

Vor allem die Bieberer treffen sich dort gern, erzählt Ilse Hammann, Vorsitzende der 03er. Das Aussichtsturmfest ist ein gut besuchter Termin im Kalender. Markiert es doch den Höhepunkt der Öffnungssaison, das Bergfest, bevor sich die Saison wieder dem Ende neigt.

300 Gäste werden bis Samstagabend gezählt. Auch der Blick auf den Sonntag bereitet Hammann kaum Sorgen, trotz schlechter Wetterprognosen. „Sonntags kommen viele wegen der Verlosung“, sagt sie. Hauptpreis ist ein neues City-Fahrrad. Gästebindung erreiche sie dadurch, dass sie samstags schon möglichst viele Lose verkaufe, sagt sie lächelnd.

Geteilte Pflege

03er und Eintracht teilen sich seit 1984 die Tradition der Turmpflege. Hauptaufgabe ist es, den Turm an Sonn- und Feiertagen für die Öffentlichkeit zu öffnen. Aber auch, ein Auge auf den Platz drumherum zu werfen, gehört auf die Liste. Aufgaben, die die beiden Vereine ehrenamtlich übernehmen.

Die Aufteilung des Turmdienstes habe man derweil für die kommenden Jahre überdacht, so Hammann. Bis dato haben die 03 die ersten vier Monate übernommen, der Musikverein den September und Oktober. Nach gemeinsamem Beschluss wurde dies umgedreht.

Bei der Eintracht seien die Jüngeren, schmunzelt Hammann. Das entspanne die Situation bei den 03ern ungemein. Die Suche nach einem neuen Vereinsheim habe geschlaucht. Auch der bevorstehende Umzug in die neue Wirkungsstätte in Waldhof, ins ehemalige Mano-Gebäude, sei noch ein Brocken. Dennoch ist Hammann anzumerken, dass ihr mit der neuen Ortslösung ein Stein vom Vereinsherzen gefallen ist. Der Verein breche zu neuen Ufern auf.

So ist das Fest stets ein kleines Dankeschön an die Vereins-Aktiven. Mit Gegrilltem, Bier und Livemusik. Auch Gäste anderer Vereine fehlen nicht. Man müsse die Arbeit der Ehrenamtlichen unterstützen, sagt ein Herr von der Concordia. Auch wenn sich das in diesem Fall auf Essen und Trinken beschränke. Spricht’s, hebt das Glas und prostet in die Runde.

128 Stufen bis zur tollen Aussicht

Musikalisch hat das Fest einiges zu bieten. Traditionell spielen die Orchester der Eintracht. Am Samstag geht es mit der Jazzband des Leibnizgymnasiums los – alles ehemalige Schüler. „Das kam über den Musikverein Eintracht, über Schüler“, erklärt Hammann die Verbindung.

Auch im vergangenen Jahr sei der Jazz der Band sehr gut angekommen. Daher habe man die Musiker „ohne Bedenken“ wieder engagiert. „Ich finde es schön, wenn junge Leute da sind, denen man ein Publikum bieten kann“, sagt sie. Die Acapulco Twins aus Steinau spielen danach Oldies und Schlager. „Ich bau dir ein Schloss“ singt das Duo, vielleicht auch als Werbung um Rapunzel.

Der Hauptdarsteller des Wochenendes, der Turm, sieht dieser baulichen Konkurrenz gelassen entgegen. Er hat in den 132 Jahren seines Bestehens ganz andere Dinge erlebt. Wer die 128 Stufen erklimmt, findet sich mit tollen Aussichten über die Region belohnt.

Geöffnet ist sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr – bis Ende Oktober, wenn die Bieber-Fahne über den Zinnen weht.

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