Nicht nur geschaut, auch gekauft

Aussteller auf Offenbacher Künstlermarkt freuen sich über gute Geschäfte

Bei strahlendem Sonnenschein herrschte regelrechtes Gedränge auf dem Wilhelmsplatz (links). Zu den mehr als 60 Ausstellern gehörte auch Jutta Häfner mit ihrer Keramik-Kunst.
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Bei strahlendem Sonnenschein herrschte regelrechtes Gedränge auf dem Wilhelmsplatz. Zu den mehr als 60 Ausstellern gehörte auch Jutta Häfner mit ihrer Keramik-Kunst.

Kaiserwetter zum Künstlermarkt. Kein Wölkchen trübte den strahlendblauen Himmel, als am vergangenen Sonntag um 11 Uhr nach einjähriger Corona-Zwangspause die 17. Ausgabe dieser überaus beliebten Veranstaltung begann.

Offenbach – Mehr als 60 Aussteller bieten auf Offenbachs Vorzeigestätte, dem Wilhemsplatz, ihre ausgesuchten Waren feil. Eine gut gelaunte City-Managerin Birgitt Möbus verteilt kostenlos Hände-Desinfektionsmittel und freut sich über ein Alleinstellungsmerkmal: Standmieten wie anderswo gibt es hier nicht, was das finanzielle Risiko der ohnehin schon gebeutelten Branche ganz wesentlich minimiert.

Entsprechend bunt und vielseitig ist dann auch das Angebot von etablierten wie neuen Beschickern. Vom kleinen Geldbeutel bis hin zum mittleren dreistelligen Preissegment ist alles dabei. Vahap und Barbara Coskun aus Wiesbaden zum Beispiel sind mit ihrem „Treibholzspektakel“ das erste Mal mit von der Partie. Sie sammeln Treibholz vom Rheinufer und verarbeiten es zu Kunstwerken wie exklusiven Fensterlampen, ansprechenden Wandbildern oder indirekt beleuchteten Weinregalen.

Nachhaltigkeit liegt ganz offensichtlich im Trend. Am Stand von „Bunt-Kariert“ aus Schwanheim, ebenfalls ein Neuling, setzt man auf die Weiterverwertung von Stoffresten der Textilindustrie und fertigt daraus umweltschonend individuelle Einkaufsbeutel und- taschen. Ja, man war schon etwas skeptisch wegen Offenbach, „das in Frankfurt ja nicht unbedingt einen guten Ruf hat“, doch nun sind die beiden Upcycling-Spezialisten richtig begeistert vom Flair hier. „Der Platz lädt einfach zum Verweilen ein“.

Stimmt, denn bereits eine Stunde nach Öffnung können so ziemlich alle Anbieter mit den Besucherzahlen und ihren Umsätzen überaus zufrieden sein. Keramik-Künstlerin Ursula Dequis ist seit 2003 dabei, also von Anfang an. In diesem Jahr erscheint ihr die Atmosphäre besonders entspannt und unbeschwert, die Menschen genießen den Sonnenschein nach all den Schlechtwettertagen. Und das Geld sitzt wohl auch lockerer als in den Vorjahren - das interessierte Publikum schaut nicht nur, es kauft auch.

Und auch in den umliegenden Gaststätten herrscht Hochbetrieb. Eric Münch vom „Markthaus“ hat sonntags regulär geschlossen, doch heute macht er eine Ausnahme und erfreulicherweise brummt es geradezu auf seiner und den umliegenden Terrassen.

Ein junges Pärchen mit Schutzmasken schaut sich derweil interessiert um. Katharina und David sind vor einem Jahr von Baden-Württemberg ins Mathildenviertel gezogen, doch viel von Offenbach haben sie ob der Pandemie bisher noch nicht kennenlernen können. Heute bietet sich also die Gelegenheit, dies zu ändern, und die beiden nutzen sie dankbar.

Bei Jutta Häfner, langjährige Dozentin an der Jugendkunstschule, gibt es optisch attraktive Eistüten aus Keramik zu erstehen. 120 davon hatte sie zu den dann abgesagten Kunstansichten produziert, heute nun offeriert sie ihre Restbestände. Die Masse davon hat sie zwischenzeitlich vor dem Bürgeler Eiscafé TriAngolo verkauft und fünf Euro pro Stück gespendet, damit sowohl Bewohner als auch Mitarbeitende der Caritas-Seniorenheime St. Ludwig und St. Elisabeth ein italienisches Eis genießen können.

Die Rumpenheimerin Birgit Palt macht bereits seit acht Jahren mit auf dem hiesigen Künstlermarkt. In normalen Zeiten wäre dies wahrscheinlich schon ihr 25. Markt in einem Geschäftsjahr, heute ist es lediglich der sechste. Zuviele Veranstaltungen werden aufgrund von Covid immer noch abgesagt. Immerhin: Ihre Geschäfte laufen blendend, was sicherlich auch an einigen Lokalprodukten wie dem kunterbunten „Offenbecher“ ihrer bekannten Dotty-Serie liegt.

Gleichermaßen Lokalkolorit gibts bei der Schabernack-Post: Die Künstlerinnen Ilona Metscher und Annette Scholz haben sich bei den Kunstansichten kennengelernt und vor gut drei Jahren entschlossen, gemeinsam alte und neue Offenbach-Motive zu Postkarten, Platzsets und Bilderbüchern zu verarbeiten. Sie bestätigen ebenfalls: Es wird nicht nur geschaut, es wird auch gekauft; was bei einem Einstiegspreis von 1,50 Euro natürlich keine finanzielle Kraftanstrengung erfordert. Gegen 15 Uhr lässt der Besucheransturm dann nach, das gute Wetter lädt offenkundig auch zu anderen Freizeitbeschäftigungen ein. Fazit: Der Künstlermarkt ist ein schönes Stück Offenbach, auf das man ruhig ein wenig stolz sein darf. (Von Axel Künkel)

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