Plädoyer für die Lehrberufe

75 Aussteller auf Ausbildungsmesse „gOFfit“

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Auf der Ausbildungsmesse „gOFfit“ in der Offenbacher Stadthalle informierten sich Jugendliche über Berufe.

Offenbach - Hunderte Jugendliche zieht es zur Ausbildungsmesse „gOFfit“ nach Offenbach. Firmen werben dort nicht zuletzt für eine Lehre, weil immer mehr junge Leute studieren wollen. Von Marc Kuhn 

Für Laura Bhashani und ihre Freundinnen Pinar Kaca und Ksenia Tupich war die Ausbildungsmesse „gOFfit“ in der Stadthalle Offenbach ein Erfolg. Sie interessieren sich für eine Lehre beim Lebensmittelkonzern REWE. Am Stand des Unternehmens habe sie Einblicke in den Beruf bekommen, sagt Bhashani. „Es waren Sachen, die wusste ich nicht.“ Insgesamt drängten sich gestern mehr als 700 jugendliche Besucher auf der Messe, die zum dritten Mal stattfand. 75 Firmen nehmen an der „gOFfit“ statt, erklärt Thomas Süsser von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, die die Messe mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und der Agentur für Arbeit Offenbach veranstaltet. Sie ist auch am Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Die Messe bietet auch ein Rahmenprogramm mit Workshops und Vorträgen.

Auch der Druckmaschinenhersteller Manroland Sheedfed wirbt auf der „gOFfit“ um Lehrlinge. Es gelinge immer wieder, offene Stellen zu besetzen, berichtet Philipp Kessler, selbst Auszubildender. Für das Autohaus Max steht eher die Information von Jugendlichen über die Voraussetzungen für eine Lehre im Vordergrund, wie Ausbildungsleiterin Silvia Wotke erläutert. Nach ihrer Einschätzung müssen die jungen Leute früher für eine Ausbildung im Betrieb sensibilisiert werden.

Plattform für Jugendliche und Betriebe

Die „gOFfit“ ist nach den Worten von IHK-Präsident Alfred Clouth eine Plattform für Jugendliche und Betriebe, um miteinander in Kontakt zukommen, sich kennenzulernen und Fragen zu stellen. Ähnlich äußert sich Thomas Iser, Chef der Agentur für Arbeit Offenbach. Die Betriebe könnten für sich selbst und die Attraktivität einer Ausbildung werden. Die Messe biete eine Gelegenheit, „sich umfassend über die duale Berufsausbildung und das duale Studium zu informieren“, sagt Clouth. Bei den Planungen für die Veranstaltung seien die Schulen und das staatliche Schulamt einbezogen worden.

„Ausbildung ist ein wichtiges Instrument, um den Fachkräftebedarf für das eigene Unternehmen zu sichern“, berichtet Clouth weiter. „Das ist heute wichtiger denn je.“ Etwa jedes fünfte Unternehmen im IHK-Bezirk habe vergangenen Herbst offene Stellen nicht besetzen können. „Und wir fürchten, dass sich das Problem in diesem Jahr weiter verschärfen wird“, sagt Clouth. So sei die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent gesunken, während die Betriebe erneut die gleiche Zahl an Plätzen wie im Vorjahr anböten. 2020 würden in Stadt und Kreis Offenbach rund 8000 Fachkräfte fehlen. Rein rechnerisch gebe es noch genügend Bewerber für Lehrstellen, sagt Iser. „Doch die Lücke wird immer enger.“ Es müsse gelingen, jeden Bewerber in Ausbildung zu bringen. Den Jugendlichen müsse das ganze Spektrum an Berufen aufgezeigt werden.

Allerdings interessieren sich nach Einschätzung von Clouth nur 15 Prozent der Offenbacher Schulabgänger für eine Ausbildung. Rund 4000 junge Leute verlassen in diesem Jahr Offenbacher Schulen, wie Iser sagt. Aber lediglich 35 Prozent seien bei der Arbeitsagentur als Bewerber für Lehrstellen gemeldet. „Es ist ein schwieriges Unterfangen, Schüler direkt in eine Ausbildung zu bekommen“, erklärt auch Bernd Sieber, Geschäftsbereichsleiter berufliche Bildung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Etwa 100.000 Beschäftigte würden in den nächsten Jahren im Rhein-Main-Gebiet fehlen, rund 90.000 von ihnen müssten eine duale Ausbildung haben. Die Experten klagen über den Hang zum Studium und den Trend bei Jugendlichen, die Schulkarriere fortzusetzen.

IHK-Bildungsfachmann Friedrich Rixecker berichtet von Gesprächen zwischen den Kammern und der Landesregierung mit dem Ziel, das hessische Hochschulgesetz zu überarbeiten. Junge Leute, die eine dreijährige Ausbildung mindestens mit der Note drei abschließen, sollten die fachgebundene Hochschulreife erhalten und studieren können. So werde die Ausbildung auch in der Wahrnehmung der Eltern attraktiver.

Um das Interesse an Lehrberufen zu steigern, müsse das System der dualen Ausbildung - auch die Berufsschulen - gestärkt werden, forderte Clouth. Er plädierte zudem für mehr Durchlässigkeit zwischen betrieblicher Ausbildung und den Hochschulen.

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