Nicht nachlassender Zulauf

Verfassungsschutz-Ausstellung soll über Islamisten aufklären

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Die August-Bebel-Schule, an der knapp 2000 junge Menschen unterrichtet werden, zeigt noch bis 2. Oktober die Ausstellung „Die missbrauchte Religion – Islamisten in Deutschland“. 

Offenbach -  Organisationen wie Al Qaida, „Islamischer Staat“ (IS) und Boko Haram verbreiten weltweit Angst und Schrecken. Von Harald H. Richter 

Mit seiner Schau „Die missbrauchte Religion – Islamisten in Deutschland“ will das Bundesamt für Verfassungsschutz jetzt auch an der August-Bebel-Schule in Offenbach über das Thema aufklären. Gestern wurde die Ausstellung in der Aula der beruflichen Schule des Kreises eröffnet. Wie notwendig verstärkte Aufklärungsarbeit ist, rief Oberstudiendirektor Raimund Kirschner in Erinnerung. „An unserer Schule wurde ein Fall bekannt, dass ein junger Mensch nach Syrien gegangen ist und sich dem IS angeschlossen hat.“ Kein Einzelfall, wie Catrin Rieband, Ständige Vertreterin des Vizepräsidenten beim Bundesamt für Verfassungsschutz, hervorhob.

„Derzeit gehen wir von 730 Personen aus, die sich nach Syrien und Irak aufgemacht haben, um dort für den IS zu kämpfen oder dschihadistische Gruppen vor Ort zu unterstützen. 110 von ihnen sind dabei ums Leben gekommen.“ Etwa 20 Prozent der Terrorkämpfer seien Mädchen beziehungsweise junge Frauen. „Mittlerweile müssen wir von einer neuen Dimension des islamistischen Terrors ausgehen“, so Rieband. Denn ein Teil der Ausgereisten komme früher oder später wieder nach Deutschland zurück. „Aktuell wissen wir von 70 Personen, die sich aktiv am Widerstand beteiligt haben und im Umgang mit Waffen sowie im Bau von Sprengsätzen geschult sind.“

Der für die Bekämpfung islamistisch-terroristischer Organisationen zuständige Leiter im Landesamt für Verfassungsschutz, Roland Johne, sprach von einem nicht nachlassenden Zulauf vor allem junger Menschen. „Uns sind allein in Hessen etwa 6300 Islamisten bekannt, darunter 1600 Salafisten.“ Insbesondere aus dieser Gruppe träten Personen in Erscheinung, die bereits vor Flüchtlingsunterkünften Anwerbeversuche für ihre politisch-ideologischen Zwecke starteten.

Die neugestaltete Ausstellung zielt darauf ab, sachlich, differenziert und anschaulich über das Thema Islamismus aufzuklären. „Dafür kann es keinen besseren Ort geben als die Schule“, unterstrich Landrat Oliver Quilling (CDU). „Wir als Kreis sind nah am Thema und entwickeln Strategien und Frühwarnsysteme, damit junge Menschen sich erst gar nicht radikalisieren.“ Das geschehe auf zwei Ebenen: durch den Kreispräventionsrat, dem auch das Landesamt für Verfassungsschutz angehöre, und durch das Staatliche Schulamt. Die Ausstellung schaffe einen Ort der Reflexion darüber, welchen Bedrohungen die Gesellschaft ausgesetzt sei, unterstrich Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Sie nimmt Islamisten und Dschihadgruppen in den Fokus sowie die Wege ihrer Radikalisierung durch Propaganda im Internet bis hin zu Terroranschlägen.

Nach Anschlag im Irak: Solidarität im Kampf gegen IS

Die Schau gibt es seit 2006. Sie war bisher in rund 60 Städten zu sehen und wird inhaltlich stetig überarbeitet. Ein Exponat ist besonders anschaulich: In einer Ecke steht eine Kofferbombe im Glaskasten. Der Sprengstoff ist mit einer Menge Klebeband verpackt, seitlich ragen Kabel heraus. Es ist der Nachbau jener Bombe, die während der Fußball-WM in Deutschland explodieren sollte und in einem Zug im Rheinland gefunden wurde. 2008 musste sich ein Islamist dafür wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Die nachgebaute Bombe ist das plakative Beispiel, wozu Dschihadisten am Ende einer Radikalisierungsbiografie fähig sind –auch in Deutschland.

Bis 2. Oktober ist die Ausstellung in der Aula der August-Bebel-Schule montags bis mittwochs von 8 bis 15 Uhr, donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 12.45 Uhr für die Allgemeinheit zugänglich.

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