Engel bei Ausstellungen zu sehen

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Gleich zwei Ausstellungen in Offenbach widmen sich dem Thema Engel

Offenbach - Muranoglas mit Goldeinlage, Bakelit, Papier, Keramik, Glas, Stroh, Stoff oder Staniolfolie. Ihr Äußeres scheint ebenso unterschiedlich zu sein, wie die Materialien, aus denen sie bestehen: Von Simone Weil

Es sind Engel in allen Größen, Formen, Stilen und Farben, die zusammengetragen wurden. Gleich zwei Ausstellungen haben die Himmelswesen zum Thema: Unter dem Titel „Engel breiten ihre Flügel aus“ hat Anita Kremer eine große Vielfalt im Haus der Stadtgeschichte (Herrnstraße 61) zusammengetragen, die bis zum 9. Januar zu sehen ist. „Mein Engel bringt in Dunkelheit mir Licht“ heißt die Präsentation in der Stadtkirche (Herrnstraße 44), die bis 5. Januar gezeigt wird.

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Ausstellungen zum Thema Engel

Mit Hilfe von Offenbacher Bürgern hat Anita Kremer zum wiederholten Mal ehrenamtlich eine Ausstellung konzipiert, die den Winter und die Feiertage verschönern soll. Wieder einmal hat die Gästeführerin um Leihgaben für die Schau gebeten und die Engel-Besitzer ließen sich nicht lumpen. Es mag sein, dass nun manch lieb gewonnenes Figürchen am Tannenbaum fehlt, dafür kommen nun mal andere Betrachter in den Genuss, sich an der Dekoration zu erfreuen.

Um die 80 Exemplare haben eine vorübergehende Heimat im Museum im Bernardbau gefunden. Die Ausstellungsmacherin freut sich über die große Unterschiedlichkeit der Exponate. Schön sind beispielsweise die handgearbeiteten Glasfiguren aus Mexiko oder die bereits in die Jahre gekommenen Staniolfiguren vom Weihnachtsbaum des Malers Adolf Bode.

Es ist die Mischung, die die Faszination ausmacht: Ein modernes, in der Form sehr reduziertes himmlisches Wesen aus einem Stück Wurzelholz wetteifert in dieser Schau eben nicht mit der eher konventionellen Figur um die Gunst des Betrachters. Hier dürfen alle Exponate ungeachtetet persönlicher Vorlieben gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Himmlische Wesen aus Offenbach und anderswo

Zu den außergewöhnlichen Objekten zählt eine Messingfigur, die in einem Stück in der Goldschmiede-/Metallklasse 1949/50 der früheren Werkkunstschule geschaffen wurde. Ein ganz kesses Engelchen hat Jutta Häfner aus Keramik gestaltet. In einem neckisch-kurzen fliederfarbenen Kleidchen sitzt die mit klitzekleinen Flügeln bestückte Figur neben einem Teufelchen. Anita Kremer: „Die Form ist gleichgültig, Engel symbolisieren himmlische Wesen, deren Bild wir nicht kennen: Engel appellieren an das Gute im Menschen und spenden Hoffnung.“

In der Stadtkirche werden ebenfalls himmlische Wesen aus Offenbach und anderswo gezeigt - wie im Haus der Stadtgeschichte sind es Leihgaben: „Wir wussten nichts von der anderen Ausstellung“, erklärt Dekanin Eva Reiß das Zustandekommen der beiden Präsentationen.

Und tatsächlich können Besucher gut und gerne beide Häuser besuchen, zumal sie nicht weit voneinander entfernt sind. Auch in der Stadtkirche gibt es besondere Engeldarstellungen, die das Anschauen lohnen. Etwa die gehäkelten oder wächsernen, der blaue Schlumpfengel, die Flügelbackformen, die abstrakten Figuren aus Stein oder der rosafarbene Weihwasserbehälter. Die Schau wartet übrigens auch mit einem Klassiker auf: Das romantisch-kitschige Schutzengelbild mit grünlichem Hintergrund und güldenem Rahmen, das früher bei den Großeltern über den Ehebetten hing.

„Heile Welt und brutale Wirklichkeit“

Ein Knüller ist das Figürchen aus Afrika. Nach dem Motto „Ich war eine Dose“ entsteht auf dem armen Kontinent viel Blechspielzeug aus gebrauchtem Material. In diesem Fall aber wurde der Behälter eines Giftes verwendet: „Mobil Insecticide“ ist noch auf der Figur zu lesen. Das verleiht dem Engel mit schwarzem Gesicht eine bizarre Anmutung.

Dieses Exponat hat es auch der Dekanin angetan, weil sich in ihm „heile Welt und brutale Wirklichkeit“ verbinden. Grundsätzlich ist der Engel als religionsübergreifender Gesandter von Gott für die Theologin spannend. „Er ist eine greifbare Form der Botschaft Gottes, der geschickt wurde, um dessen Wirken in der Welt darzustellen“, sagt sie. Mit den Worten ,Fürchte dich nicht“ mache er Mut in einem bedrohten Sein. Für die Schau haben außerdem Teilnehmerinnen des Aquarellmalkurs der evangelischen Familienbildungsstätte unter der Leitung von Hannelore Andree Engelsbilder gemalt. Unterschiedliche Vorstellungen und Ideen über die göttlichen Boten sind dabei zum Ausdruck gekommen.

Öffnungszeiten der Stadtkirche:

montags bis freitags, jeweils von 12 bis 18 Uhr sowie samstags zwischen 11 und 13 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das Haus der Stadtgeschichte ist dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 14 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 2,50 Euro, Familien kostet der Eintritt 5 Euro. Freitags ist der Besuch im Museum kostenlos.

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