Der Ausverkauf des Sommers

+
Der Sommer und sein Schlussverkauf haben dieses Jahr eines gemeinsam: Sie sind durchwachsen. Das Gros der Händler ist trotzdem zufrieden.

Offenbach - Die Farbe des Sommers wechselt. Die Farbe des Sommerschlussverkaufs (SSV) bleibt immer die gleiche: rot. Rote Klebestreifen auf Schaufenstern, rote Plakate dahinter, rote Zahlen auf den Preisschildern. Von Katharina Hempel

Auch die Schriftzüge „SSV“ oder „sale“ sollen die Kunden zum Kauf verführen. Aber locken die satten Prozente die Käufer noch in die Läden?

Die Offenbacherin Lissy, 72 Jahre alt, nutzt den Sommerschlussverkauf grundsätzlich nicht. „Ich lasse mir nicht diktieren, wann und was ich kaufe. Außerdem habe ich auch schon genug in meinem Schrank. Wenn ich etwas schönes sehe, kaufe ich es mir. Aber bewusst. Ich frage mich: Gefällt es mir? Passt es mir? Aber wenn der Preis zu hoch ist, hänge ich das Kleidungsstück wieder zurück.“ Nur billig kommt Lissy noch lange nicht in die Tüte.

Anders die 18-jährige Beriwan: „Wenn ich und meine Freundin ,sale’-Schilder sehen, gehen wir sofort in den Laden rein. Diesen Sommer hab’ ich schon vieles reduziert gekauft – egal ob Jacken, Röcke, Hosen, T-Shirts. Aber zum normalen Preis hätte ich die Sachen auch gekauft.“

Preisnachlässe winken überall

Schnäppchenjäger, die es nur wegen des Sommerschlussverkaufs in die Geschäfte zieht, sind rar. Seit das Rabattgesetz vor zehn Jahren außer Kraft getreten ist, winken Preisnachlässe schließlich überall und immer. So gehen die meisten nur zum Shoppen, wenn sie etwas Bestimmtes suchen - Räumungsverkauf hin oder her.

Wer dann ein Schnäppchen macht, freut sich natürlich trotzdem. So wie Reingard aus Rödermark, die mit ihrem Mann über die Frankfurter Straße schlendert. „Eigentlich gehen wir nur einkaufen, wenn wir etwas brauchen, aber heute habe ich diese tolle, schöne Jacke gesehen – da konnte ich nicht widerstehen. Und statt 129 Euro kostete sie nur noch 39 Euro, ich habe hier viel Geld eingespart“, freut sich die 64-Jährige.

Die Offenbacher Händler sind ebenfalls zufrieden. In ihren Regalen konnten sie Platz für die neue Herbstware schaffen. „Vor allem im Textilbereich haben wir gute Umsätze gemacht“, resümiert Marion Winnefeld von Galeria Kaufhof. „Da konnte man die Freude über Schnäppchen in den Kundenaugen blitzen sehen.“ Auch Ulrike Schmittinger, Geschäftsführerin bei Schuh-Pauthner, kann nicht klagen. Die Sandalen seien früh weg gewesen und nun deckten sich die Kunden bereits mit Winterstiefeln ein, da diese letztes Jahr aufgrund der Witterung so schnell ausverkauft gewesen seien.

Schlussverkauf ist nicht mehr der Käufermagnet

Trotz nun leerer Regale zeigt sich: Der Schlussverkauf ist nicht mehr der Käufermagnet, der er einmal war. Das geht auch an den Händlern nicht spurlos vorüber. „Der SSV hat nicht mehr die gleiche Wirkung wie in der Vergangenheit. Früher war das Interesse der Kunden viel größer“, sagt die Inhaberin des Kaufhauses M. Schneider, Anita Ebeling. Höhepunkt des Schlussverkaufs sei das klassische Datum, der 25. Juli. „Wir halten noch daran fest. Aber andernorts liest man ,sale’ schon Anfang Juni.“

Deutlicher wird Maria da Palma Weigand vom Jeans Depot im Odenwaldring: „Der SSV sollte wieder ordentlich eingeführt werden. Mit einem festen Zeitraum für Rabatte und ohne andere Preisnachlässe davor oder danach. So machen die Großkonzerne den kleinen Handel kaputt, weil sie schon vorher reduzieren und wir dann versuchen müssen mitzuhalten.“

Die Konkurrenz ständig unterbieten, das kann sich eben nicht jeder Laden erlauben. So sehen beim Sommerschlussverkauf auch einige Händler rot - aber dann wohl eher aus Wut.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare