Auswirkungen von Fluglärm

Wasser auf die Mühlen der Gegner

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Studien über Auswirkungen von Fluglärm auf die Gesundheit stellte der Mainzer Professor Thomas Münzel beim Infoabend von Bürgerinitiative Luftverkehr und Stadt Offenbach vor. Argumentationshilfen an die Hand gab Mediziner Thomas Münzel den Fluglärmgegnern im Rathaus, begrüßt von Bürgermeister Peter Schneider und BIL-Sprecherin Ingrid Wagner.  

Offenbach - Professor Thomas Münzel von der Mainzer Uniklinik vermag zwar keine geeignete Medikation gegen nächtliche Ruhestörung zu geben. Dafür gießt er aber reichlich Wasser auf die Mühlen der örtlichen Fluglärmgegner. Von Harald H. Richter 

Mehr als 150 von ihnen haben sich auf Einladung der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) um Sprecherin Ingrid Wagner und der Stadt Offenbach am Montagabend im Rathaus eingefunden. Einige sind rechtzeitig von der Montagsdemo am Frankfurter Flughafen zurück und neugierig, welche Erkenntnisse der Vortragende ihnen zu vermitteln hat. Münzel gilt als Kapazität auf seinem Gebiet. Er ist Direktor der zweiten Medizinischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, zugleich Initiator der Stiftung Mainzer Herz und selbst Aktivist. Er und weitere Forscher sind sicher, den Zusammenhang zwischen akustischer Belastung durch Überflüge und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein weiteres Mal nachgewiesen zu haben. „Zusammen mit den Ergebnissen von großen epidemiologischen Studien muss Fluglärm sowie Lärm allgemein als Herz-Kreislauf-Risikofaktor anerkannt werden“, ist Münzel überzeugt. Die Studie sei ein Beleg dafür, warum – unabhängig von subjektiver Wahrnehmung – Fluglärm zu vermehrtem Auftreten von Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall führe.

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Das Forscherteam hat Probanden, die entweder an einer Herzerkrankung leiden oder ein erhöhtes Risiko dafür besitzen, in ihren Wohnungen unterschiedlich starkem beziehungsweise gar keinem Fluglärm ausgesetzt. Der mittlere Schallpegel der Simulation lag bei etwa 46 Dezibel. Die Versuchspersonen, alle etwa um die 60 Jahre alt, wurden medizinisch überwacht, anschließend verglich man die Erweiterungsfunktion der Gefäße sowie die entsprechenden Blutwerte. „Wir konnten nachweisen, dass die Effekte bei Patienten mit Herzerkrankungen deutlich stärker ausgeprägt sind.“ Die statistischen Werte waren dabei sogar so eindeutig, dass die Wissenschaftler die Studie vorzeitig beendeten. Eigentlich waren sie davon ausgegangen, für verlässliche Daten 100 Menschen untersuchen zu müssen. Das „hochsignifikante Ergebnis“ reichte jedoch bereits mit 60 Probanden aus. Die Studie der Uniklinik ist die Fortsetzung einer anderen aus dem vergangenen Jahr. Damals konnte gezeigt werden, dass nächtlicher Fluglärm bei jungen, gesunden Menschen eine Verschlechterung für die Funktion der Herzkranzgefäße bedeutet.

Umfrage zum Terminal 3

Vor diesem Hintergrund hält Münzel den genehmigten Bau des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen für „absolut inakzeptabel“. Es gehe bei der Frage der Belastung der Region nicht mehr um Beeinträchtigung der Lebensqualität, sondern um die Gesundheit der Bevölkerung. „Wir brauchen endlich Gesetze, die die Anwohner und nicht die Betreiber von Flughäfen schützen“, verlangt Münzel und bekommt dafür viel Beifall. Es könne nicht angehen, dass in der Region durch 250.000 zusätzliche Flugbewegungen und etwa 25 Millionen Passagiere ein deutliches Mehr an Herzkreislauferkrankungen verursacht werde. Münzel macht auf ein weiteres wichtiges Forschungsprojekt mit neuem Untersuchungsschwerpunkt Lärm aufmerksam – die Gutenberg-Gesundheitsstudie. Daran nehmen 15.000 Menschen zwischen 35 und 75 Jahren teil. Die Resultate sollen der Schlüssel sein, um das individuelle Risiko einer Person für Volkserkrankungen besser vorhersagen zu können.

100. Montags-Demo im Flughafen

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Seine Offenbacher Zuhörer nutzen die Gelegenheit zu Fragen und werden von Ingrid Wagner bereits auf die nächste Veranstaltung zum Thema eingestimmt: Am Freitag, 14. November, 18 Uhr, gibt es an gleicher Stelle einen Workshop für Fluglärmgegner mit dem Ziel einer besseren Vernetzung und Bündelung der Kräfte. Gastgeber ist das Bündnis Menschenkette.

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