Autobahn Bettinastraße

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In der Bettinastraße hat es der verbotene Durchgangsverkehr ziemlich eilig, die Tempo-30-Zone hinter sich zu lassen.

Offenbach - Nikolaj Lubnow ist nun wirklich nicht der Typ, der im Internet eine dieser in Querulanten-Kreisen begehrten Radarpistolen für den Hausgebrauch ersteigern würde. Von Marcus Reinsch

Er hat sich in der Bettinastraße, wo er wohnt, auch nicht mit Stift und Zettel auf die Lauer gelegt, um Raser-Kennzeichen an die Polizei und, wenn’s ein Linienbusfahrer war, an die Verkehrsbetriebe zu verpetzen.

Lubnow hat einfach nur ein paar Mails an Rainer Buck von der Offenbacher Straßenverkehrsbehörde geschrieben und geschildert, was eigentlich jedem auffallen muss, der nicht gerade bewusst wegguckt: Die Bettinastraße - seit Ende November 2010 wie das ganze Nordend Tempo-30-Zone und seit vergangenem Jahr neuen Wechselwirkungen mit dem umgebauten Knotenpunkt vor der Carl-Ulrich-Brücke unterworfen - ist zur Autobahn mutiert. Und - weil sich die schnurgerade Achse ohne Rechts-vor-Links-Regeln zwischen Kaiserstraße und Goethering geradezu als Abkürzung zum Kaiserleikreisel anbiete - zum Schleichweg, auf dem alles andere als geschlichen werde. Dass hier „Anlieger frei“ und damit ein Durchfahrtsverbot gelte, werde von vielen, die sich den Schlenker über den Nordring sparen wollen, ignoriert.

Verkehrsunfälle nehmen zu

Die jüngere Mail an Rainer Buck stammt vom letzten Sonntag. Nikolaj Lubnow nimmt darin zwei Verkehrsunfälle an der Kreuzung Bettinastraße/Taunusstraße innerhalb weniger Tage und „zahlreiche Vollbremsungen an gleicher Stelle“ zum Anlass, „nochmals auf die weiterhin unzumutbare Verkehrssituation in der Bettinastraße aufmerksam zu machen“. Nach dem Umbau der Kreuzung Kaiserstraße/ Mainstraße habe sich das Verkehrsaufkommen in der Bettinastraße zumindest nicht verringert, sondern erhöht.

Einen Grund dafür vermutet Lubnow hinter der nun mutmaßlich längeren Geradeaus-Grünphase für aus der Mainstraße kommende Autofahrer. Von denen hätten es früher drei oder vier statt heute bis zu acht geradeaus in die Bettinastraße geschafft. Und dass auf der zum Nordring führenden Rechtsabiegerspur oft Rückstau herrsche, verleite Motorisierte ohne Ziel im Nordend zusätzlich dazu, „Anlieger“ zu spielen.

„Langsamfahrer“ werden angehupt

Und das ziemlich flott. Lubnow und auch seine Nachbarn haben es mehr als einmal erlebt, dass sie beherzt angehupt und überholt wurden, weil sie in der Bettinstraße nur die erlaubten 30 Sachen fuhren - oder am Zebrastreifen anhielten, um Fußgänger über die Straße zu lassen. Besonders im Bereich der Schillerschule entstünden so immer wieder gefährliche Situationen.

Rainer Buck wird Nikolaj Lubnow nicht grundsätzlich widersprechen, wenn er ihm in einigen Tagen antwortet. Zwar werde gerade noch überprüft, ob die Grünphase tatsächlich verlängert wurde, was ja „eine mögliche Stellschraube“ wäre. Und auch die Ergebnisse von Tempokontrollen durchs Ordnungsamt seien noch abzufragen. Doch „im Großen und Ganzen treffen diese Feststellungen zu“, sagt Buck.

Wobei man nicht nur die eine Straße sehen dürfe, sondern das Nordend quasi ganzheitlich betrachten müsse. Und da gibt es eine Nachricht, die nicht als der Weisheit letzter Schluss, aber als Anfang gelten kann: Sobald die Witterung stabil genug ist, damit Straßen Farbe annehmen, seien an den drei Kreuzungen Bettinastraße/ Ludwigstraße, Goethestraße/ Ludwigstraße und Bernardstraße/ Lilistraße Änderungen fällig. Bedeutet erstmal: Die Ampelanlagen dort - verkehrsrechtlich mit einer Tempo-30-Zone unvereinbar, worauf Aufsichtsbehörden schon mehr oder weniger freundlich hingewiesen haben - werden verschwinden und mit Fußgängerüberwegen, also Zebrastreifen ersetzt.

Zebrastreifen sollen helfen

Wobei die Bettinastraße, die zuerst an die Reihe kommt, zusätzlich mit Fahrbahnteilern in Gestalt zunächst aufgemalter, später erhabener Verkehrsinseln ausgestattet werde. Das verenge die Fahrbahn und verschaffe Fußgängern Gelegenheit, die Fahrbahn nicht in einem Rutsch überqueren zu müssen. „Die Aufträge sind bereits erteilt“, sagt Buck; alle drei auch anders auszuleuchtenden Kreuzungen schlagen mit knapp 50.000 Euro zu Buche.

Diese Verengung könne zumindest ein erster, ein finanzierbarer Schritt sein, die Bettinastraße unattraktiver für die zweifellos existenten, aber kaum zu kontrollieren Durchgangsraser zu machen. Weiteres, was auch Nikolaj Lubnow in seinen Mails vorgeschlagen hat, werde noch diskutiert. Beispielsweise eine für das Endstück der Bettinastraße geltende Einbahnregelung, die dem Durchgangsverkehr den Nordring wieder sehr schmackhaft machen würde.

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