Autobahn oder Holperpiste

Daten werden nicht überall schnell übertragen

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Unternehmen sind teilweise auf den raschen Transport von Daten angewiesen. Doch nicht immer kommen die Informationen in den Rechnern und Servern mit der gewünschten Geschwindigkeit an. Die Netze sind häufig zu langsam.

OFFENBACH - Flotte Internetverbindungen haben Privatkunden und Unternehmer zu schätzen gelernt - sofern sie über welche verfügen. Die Politik lobt sich beim Thema Ausbau selbst - die Realität sieht in Stadt und Kreis Offenbach oft anders aus. Von unseren Redaktionen

Bei der Erschließung des Landes mit schnellen Internetverbindungen ist Hessen nach den Worten von Wirtschaftsminister Florian Rentsch im Bundesvergleich in der Spitzengruppe. „Der Odenwaldkreis hat seit Ende 2012 ein Hochgeschwindigkeitsnetz, in vier weiteren Kreisen sind Netze mit einer Bandbreite von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Aufbau, und auch in den übrigen Landkreisen greift unsere Breitbandstrategie“, sagte der Minister kürzlich im Hessischen Landtag.

„Wir sind auf einem guten Weg zu unserem Ziel, bis zum Jahr 2014 für 75 Prozent der hessischen Haushalte die Möglichkeit zu einem ultraschnellen Internetanschluss zu ermöglichen.“ Es werde keine digitale Spaltung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten geben. „Schnelle Datenverbindungen sind zu einer unverzichtbaren sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur für Bürger und Unternehmen geworden, darüber hinaus sind sie ein wichtiger Standortfaktor für Kommunen“, erläuterte der Minister. „Deshalb legen wir mit dem Auf- und Ausbau von Breitbandnetzen die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum in ganz Hessen.“

OFFENBACH

Dennoch sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach Handlungsbedarf. „Immer mehr Firmen nutzen Cloud-Computing, lagern Daten auf externe Sever aus oder nutzen Videokonferenzen, um mit von der Zentrale entfernt agierenden Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben“, sagte IHK-Präsident Alfred Clouth unserer Zeitung. Der Bedarf an hohen Übertragungsraten steige ständig, damit alles reibungslos funktionieren könne. „Für die Zukunft benötigen wir deutlich mehr als 50 Mbit/s, um mit anderen Standorten konkurrenzfähig zu bleiben. Der Glasfaserausbau ist somit auch für Offenbach zwingend notwendig“, forderte Clouth.

MÜHLHEIM

Die Stadt hat von Firmen bisher „keine großen Meldungen, dass die Internetleitung nicht ausreicht“, sagt Till Böttcher, Leiter der Liegenschaftsverwaltung mit besonderem Fokus auf Wirtschaftsförderung. Beispielsweise in Gesprächen mit den Stadtwerken arbeite man natürlich „immer darauf hin, dass wir mit allen Beteiligten eine Lösung finden, wenn es Anfragen gibt.“ Ein Beitrag zur Vorbereitung, betont Bürgermeister Daniel Tybussek, sei beispielsweise die Verlegung von Leerrohren, wenn ohnehin Erdarbeiten anstehen. Das könne später hohe Kosten sparen, weil nicht alles nochmal aufgerissen werden muss. Im Gewerbegebiet gibt es bisher ausschließlich Kupferleitungen, wobei der Verteilerpunkt der Telekom an der Lämmerspieler Straße sei, sodass „die Versorgung nicht schlecht ist“.

Für Privatbürger, die sich auf schnelles Internet durch das Fernsehkabel einlassen, gibt es fast im gesamten Mühlheimer Stadtgebiet den Kabelbetreiber Unitymedia. In den Randgebieten gebe es aber auch noch langsame Internetverbindungen. Vor allem im Stadtteil Lämmerspiel. Dort ist Unitymedia bisher nicht aktiv, was zu vergleichsweise bescheidenen Datenraten für jene Kupferkabel-Nutzer führe, die in einiger Entfernung von den Verteilerpunkten wohnen. Grob gesagt: Je größer die Entfernung, desto weniger hat die tatsächliche Rate mit der theoretisch möglichen zu tun.

„Grundsätzlich“, sagt Tybussek, „ist unsere Kommune daran interessiert, das zu optimieren.“ Mühlheim ist an der Breidband-Studie des Kreises Offenbach (siehe Artikel rechts) beteiligt; der Bürgermeister will aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen ableiten und setzt auf eine flächendeckende Lösung durch interkommunale Zusammenarbeit.

HEUSENSTAMM

Heusenstamms bisherige Zwischenerkenntnis aus der Arbeit an der Kreis-Studie ist, dass die Telekom in den Wohngebieten mindestens die Grundversorgung bis DSL 16 000 anbietet und Unitymedia flächendeckend auch größere Raten über Kabel. Ein Kunde könne also je nach Bedarf eine Entscheidung für einen passenden Anbieter finden. Für Unternehmen sei das nicht so einfach. In den Gewerbegebieten im Süden und Osten der Kernstadt, in Rembrücken und auf dem Campus-Gelände im Norden sei der Datenturbo zwar wohl machbar, aber eben eine echte Investition.

OBERTSHAUSEN

In Obertshausen liegt noch kein Glasfaserkabel. Die Telekom bietet Internet über Kupferkabel, Unitymedia übers Kabelfernsehen an. Im Stadtteil Obertshausen gibt es bereits ein LTE-Netz für mobiles Internet, in Hausen noch nicht.

LANGEN

Die Stadt Langen hat in ihrem Wirtschaftszentrum Neurott schon frühzeitig die Voraussetzungen für High-Speed-Datenübertragung geschaffen. Schon vor 15 Jahren haben die Stadtwerke gemeinsam mit anderen kommunalen Versorgern aus der Region die 3T Telekommunikationsgesellschaft gegründet und einen Ring für Hochgeschwindigkeitsübertragungen aufgebaut. Er verläuft quer durchs Kreisgebiet und ermöglicht auch zahlreichen Langener Unternehmen extrem schnelle Übertragungswege. Die Stadtwerke sind Eigentümer von sechs Kilometern Langener Breitbandkabel.

Weiße Flecken im Versorgungsnetz wurden vergangenes Jahr mit einem Pilotprojekt der Stadtwerke gemeinsam mit der 3T-Nachfolgegesellschaft HEAG MediaNet beseitigt, bei dem neue technische Möglichkeiten zum Einsatz kamen. Insgesamt wurden so 20 Firmen ans Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Zudem verlegen die Stadtwerke intensiv Leerrohre, um später eventuell benötigte Kabel schnell einziehen zu können.

„Langen hat eine sehr gute Versorgung“, sagte der städtische Wirtschaftsförderer Helmut Simon. „Aber natürlich ist es immer auch eine Frage des Geldes. Wie viel ist eine Firma bereit zu zahlen?“ Denn schnelle Datenwege für Unternehmen seien nicht wie ein privater High-Speed-Internetanschluss für 30 Euro zu haben. Klar sei aber: „Wenn es Nachfragen bei uns gibt, können wir sehr schnell klären, mit welcher technischen Variante wir die gewünschte Versorgung ermöglichen können.“

NEU-ISENBURG

Mit bis zu 200 Megabit können die Neu-Isenburger seit vergangenem Jahr durch das Internet surfen, in 95 Prozent aller Haushalte liegen die Übertragungsraten bei über 50 Megabit. Denn die Deutsche Telekom hat die Hugenottenstadt im Zuge eines Pilotprojekts zu „Hessens erster Glasfaser-Stadt“ gemacht. 450 Kilometer Glasfaserkabel hat das Unternehmen dafür in fünf Monaten verlegt - das entspricht etwa der Strecke Neu-Isenburg-Amsterdam. Dagegen ist die konventionelle Telefonleitung eine Schnecke, was erklärt, dass sich mehr als 3 000 Gebäude mit rund 14 000 Haushalten haben anschließen lassen.

Auch deshalb mögen Unternehmen die Hugenottenstadt. Beispiel: De’Longhi. Der Elektroriese ist 2012 von Seligenstadt-Froschhausen hergezogen - und zwar ausdrücklich mit dem Hinweis, dass sich das Interesse an unternehmerischen Bedürfnissen in Sachen Breitbandversorgung am alten Standort eher in Grenzen gehalten habe.

RÖDERMARK

Die Datenautobahn ist in etlichen Ecken Rödermarks bestenfalls eine Holperpiste. Etliche Haushalte, Dienstleister und Firmen surfen noch mit einer Übertragungsrate von 1,5 Mbit/s durchs Internet, anderswo sind 16 Mbit/s längst Standard. Einen ersten Ausbau-Antrag hatte die damalige CDU/FDP-Koalition am 2. Dezember 2009 gestellt. Doch erst am 26. Juni 2012 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Gründung der „Breitband Rödermark GmbH“, die Bürgern und Wirtschaft flächendeckend zu einem schnellen Internet verhelfen soll. Wunschpartner war die Brenergo, die als öffentliches Unternehmen langfristigere Renditeziele als Telekom, Vodafone & Co. verfolgt.

Die aktuellen Koalitionäre CDU und Andere Liste (AL) melden jetzt Zweifel an, ob die Stadt den richtigen Weg eingeschlagen hat: Im Odenwaldkreis, der Heimat von Brenergo, hinke der Netzausbau hinter dem Zeitplan her.

DIETZENBACH

In Dietzenbach ist es fast allen Privathaushalten möglich, ein Breitbandnetz mit Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s - und bei Bedarf sogar mehr - zu nutzen. Mit dem Kabelnetz, das Unitymedia für das Internet aufgerüstet hat, ist Dietzenbach neben Neu-Isenburg die am besten versorgte Kommune im Kreis Offenbach. Doch während die Deutsche Telekom in der Hugenottenstadt in Glasfaserkabel investiert hat, hält sie sich in der Kreisstadt zurück - nicht zuletzt wegen der Möglichkeiten von Unitymedia. Während die Telekom in der Altstadt über VDSL bis zu 50 Megabit anbieten kann, wird es in den Randbezirken immer langsamer, viele Nutzer müssen sich mit zwei Megabit begnügen.

In den Dietzenbacher Gewerbegebieten sind vor allem die Telekom und die Firma HSE aktiv. Hier wären der Telekom zufolge 90 Prozent der Betriebe über ein Leerrohrnetz mit Glasfaser erreichbar. Breitband sei jederzeit machbar, meint die Telekom, fragt sich nur, zu welchem Preis. Denn die Business-Tarife sind Firmen oft zu teuer; viele hätten lieber den günstigeren VDSL-Anschluss.

FROSCHHAUSEN

Das Projekt „Verbesserung der Breitbandversorgung im Ortsteil Froschhausen“ ist erfolgreich abgeschlossen. „Ab sofort können Nutzer mit DSL-Geschwindigkeiten von 4 Megabit bis zu 16 Megabit im Download und 1 Megabit im Upload im Internet surfen“, setzte Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams Ende 2012 den Schlusspunkt unter eine dreijährige „Findungsphase“. Unter der Federführung von Hauptamtsleiterin Silvia von Meißner war es der Stadtverwaltung gelungen, ins Förderprogramm „Grundversorgung ländlicher Raum“ des Landes Hessen zur Verbesserung der Breitbandversorgung im Landkreis zu gelangen. „Das war ein intensiver Prozess, der sich über drei Jahre erstreckte und von der Verwaltung intensive Betreuung verlangte“, machte die Bürgermeisterin deutlich. Zuvor standen Bedarfsermittlung, „Markterkundungsverfahren“ und formelle Ausschreibung im Interessenbekundungsverfahren auf dem Programm.

Im Mai 2011 bewilligte das Wirtschaftsministerium eine 60-prozentige Förderung (gut 37 000 Euro) der Kosten des Breitbandausbaus in Froschhausen in Höhe von 61 670 Euro. Die Firma OR-Network wurde im August 2011 mit dem Ausbau mittels Hybridtechnik beauftragt. Mit dem Stadtwerkegelände an der Kläranlage in Froschhausen war ein geeignetes Areal gefunden worden, da es an der Haupttrasse der Telekom gelegen und ohnehin mit technischen Anlagen bestückt ist. Doch gab es auf der Zielgeraden Probleme mit der Internetanbindung, obwohl die Technik vor Ort bereits aufgebaut war. Schließlich gelang die Einspeisung des Internetsignals direkt über Glasfaseranschluss an die DSL-Verstärker.

MAINHAUSEN

Für den Mainhausener Ortsteil Mainflingen und die Siedlung Schwalbennest sind die Aufbauarbeiten der Breitbandtechnik weitestgehend abgeschlossen, teilte Katja Baier, Sprecherin von OR Network mit. Die Abnahme des Schaltverteilers durch die Telekom sei zwischenzeitlich erfolgt. „Jetzt müssen noch die Zähler gesetzt werden. Die Schaltverteiler und der Outdoor DSLAM in Zellhausen sind aufgestellt und einsatzbereit“, versichert sie. Die Zuleitung des Internetsignals in die DSL-Verstärker sei vorhanden und werde durch einen Vertragspartner gesichert.

EPPERTSHAUSEN

Je nördlicher man in Eppertshausen wohnt, desto schlechter ist der Internetzugang. Der Grund: Die Telekom-Leitung verläuft vom Hauptverteiler in Münster am Südrand von Eppertshausen bis in den Ort hinein und verliert sich dort. Eine flächendeckende DSL-Versorgung wurde wiederholt und stets vergebens in Angriff genommen. Schon Ende 2011 sollte das Zeitalter, in dem ganze Straßenzüge im „Tal der Ahnungslosen“ lebten, sich dem Ende entgegen neigen. So entschieden die Gemeindevertreter, dass eine flächendeckende Breitbandanbindung von 50 Mbit/s für eine Gesamtsumme von etwa 430 000 Euro bereitgestellt werden solle. Sollte dies nicht möglich sein, wurde eine Anbindung von sechs bis 16 Mbit/s angestrebt, die dann nur etwa 207 800 Euro beanspruchen würde. Daraus wurde nur an wenigen Stellen etwas, es fehlte am Provider.

Nach vielem Hickhack und mit zwei Gegenstimmen der CDU beschloss das Eppertshäuser Parlament im Dezember 2012 den Beitritt zum Zweckverband NGA-Netz (Next Generation Acces) im Kreis Darmstadt-Dieburg. Voraussichtlich wird es drei Jahre dauern, bis jeder Haushalt in den Mitgliedskommunen über einen schnellen Internetzugang verfügt.

BABENHAUSEN

Die Stadtverordnetenversammlung von Babenhausen hat dem Beitritt zum Zweckverband NGA-Netz zugestimmt. Die Parlamentarier hatten sich in mehreren Sitzungen mit der Problematik beschäftigt und Vertreter des benachbarten Odenwaldkreises eingeladen. Dort verbindet das Glasfasernetz der HSE Medianet den gesamten Landkreis mit dem Highspeed-Internet.

MÜNSTER

Münster geht es im Kernort und nach einigen Anstrengungen auch im Ortsteil Altheim besser, da dort die Telekom mit an einem Strang zog. Fast die ganze Gemeinde ist mit bis zu 50 Mbit/s versorgt. Einzig der Ortsteil Breitefeld ist noch www-Wüstenei. Weil es ihnen aber besser geht, zieren sich Münsters Mehrheitsfraktionäre der CDU, dem nicht billigen Zweckverband NGA-Netz beizutreten. Die endgültige Entscheidung hierzu steht noch aus.

MAIN-KINZIG-KREIS

Der Main-Kinzig-Kreis hat es sich zusammen mit seinem Kooperationspartner, dem Netzbetreiber M-net, zum Ziel gesetzt, allen Haushalten und Firmen in den 29 Städten und Gemeinden mit insgesamt mehr als 150 Ortsteilen einen Zugang zum schnellen Internet zu ermöglichen. Dazu wurde im vergangenen Jahr die Breitband Main-Kinzig GmbH gegründet. Im Rahmen der Partnerschaft verlegt die Breitband Main-Kinzig GmbH im Laufe der nächsten drei Jahre eine neue Glasfaserinfrastruktur auf rund 650 Kilometern Länge. Insgesamt werden dabei rund 1 200 Kabelverzweiger und über 600 sogenannte Multifunktionsgehäuse angebunden. Damit handelt es sich um die größte kommunale Breitband-Initiative Deutschlands.

In die Multifunktionsgehäuse installiert M-net die aktive Netzwerktechnik zur Realisierung der neuen Breitbandanschlüsse. Vor einigen Wochen begann der Ausbau offiziell mit vier parallelen Pilotprojekten. In den drei Ortsteilen Mittelbuchen, Aufenau und Mernes sowie der Kreisrealschule Bad Orb wird die neue Breitbandinfrastruktur als erstes errichtet. Im Anschluss verfügen dann die ersten rund 3 000 Haushalte über VDSL-Zugänge mit Internet-Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s. Der große Ausbau startet nach dem Ende der Frostperiode im Frühjahr 2013.

Hanau hat mit der Initiative nur am Rande zu tun. Defizite gibt es in der Breitbandversorgung nur im Stadtteil Klein-Auheim, dem sich mittlerweile allerdings der private Kabelnetzbetreiber Unitymedia angenommen hat.

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