Längere Wartezeiten

Keine Extrawurst für Kfz-Profis im Bürgerbüro

+
Die Offenbacher Autobranche gerät wegen der Bürgerbüro-Krise zunehmend in die Bredouille. Das eingewachsene Schild am Bieberer Erlensteg (Verbot für Kraftwagen und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge), das vom Baum förmlich verschlungen wird, fotografierten Jutta und Wolfgang Schumann aus Dudenhofen.

Offenbach - Jetzt stöhnen wohl auch die Autohändler über die Zustände im Offenbacher Bürgerbüro. Mussten bislang nur Privatpersonen lange auf einen Termin für die Zulassung von Fahrzeugen warten, trifft es ab morgen auch professionelle Dienste: Die Bearbeitungszeit kann für sie bis auf bis zu einer Woche steigen.

Otto H. gehört zu den Offenbachern, die in den vergangenen Wochen entsetzt registrieren mussten, dass sie ein neu erworbenes Auto erst zu einem Termin in weiter Ferne im Bürgerbüro zulassen können. Für seinen Firmenwagen fand er aber eine Lösung: Ein Zulassungsdienst erledigte das gegen Gebühr von heute auf morgen. Dieser Ausweg ist jetzt nicht mehr praktikabel. Für Kfz-Profis gibt es in Offenbach keine Extrawurst mehr. In einer Mitteilung der Stadt von gestern heißt es: „Aufgrund der gestiegenen Fallzahlen im Händlerbereich und der angespannten Personalsituation kann das Bürgerbüro Offenbach ab dem 29. Juli 2015 die tagesaktuelle Bearbeitung von Zulassungsvorgängen für Zulassungsdienste und Fahrzeughändler nicht länger garantieren.“ Um genügend Kapazitäten für andere Kunden freizuhalten, könne die Bearbeitungszeit bis auf Weiteres auf eine Woche steigen. Bislang brachten die Händler beziehungsweise die von ihnen beauftragten Firmen ihre Stapel von Papieren an der Herrnstraße vorbei und konnten sie in der Regel mittags wieder abholen.

Dazu hat das Bürgerbüro derzeit nicht das Personal. Aktuell fehlen 13 Teilzeit- und Vollzeitkräfte durch Krankheit und Urlaub, es stehen noch 29 Mitarbeiter zur Verfügung. Flexibilität offenbar ausgeschlossen; „Die Urlaubsregelungen sind in den letzten Jahren erheblich verschärft worden, so dass kein weiterer Spielraum besteht“, heißt es bei der Stadt. Einer der größten Zulassungsdienste ist die Firma Groschke, die auch mehrere Autohäuser in Offenbach betreut. Die Frankfurter Niederlassungsleiterin Kerstin Hofmann sagt: „Ein Trauerspiel. Wie sollen wir den Kunden, besonders den zahlreichen mit gewerblichen Fahrzeugen, klarmachen, dass wir unsere Dienstleistung nicht mehr termingerecht liefern können?“ Offenbach steht aber bundesweit nicht einsam da: In Hamburg und Berlin, weiß Hofmann, gibt es ähnliche Einschränkungen und „heilloses Chaos“.

Deutsche wollen weg von den Auto-Städten

Lesen Sie dazu auch:

Langes Warten auf Termin im Bürgerbüro

Die Offenbacher Kfz-Innung ist gestern von der Entwicklung überrascht worden. Eine Reaktion soll vorbereitet werden. Siegward Kunze vom Ford-Autohaus Kunze fürchtet schon mal um Prämien: Die werden von Herstellern unter der Bedingung gezahlt, dass Autos zu einem kurzfristigen Zeitpunkt zugelassen werden. In Offenbach wird das zur Lotterie. Auf gut Glück können derzeit Privatleute die teilweise bis in den August reichenden Wartezeiten verkürzen. „Wer dringend etwas erledigen möchte und die Möglichkeit hat, morgens im Internet nachzuschauen oder anzurufen, erhält mit großer Wahrscheinlichkeit am selben Tag einen Termin“, teilt Stadtsprecher Fabian El-Cheikh mit.

Und wer gestern nach einem Termin für ein Kurzzeitkennzeichen oder eine Außerbetriebsetzung suchte, durfte diesen schon für heute buchen. In den vergangenen Tagen konnten zudem täglich ab 8 Uhr morgens zwischen 20 und 60 Termine für dringende Fälle (Pässe, Zulassungen, Außerbetriebsetzungen und Meldeangelegenheiten) freigegeben werden. Aktuell arbeite die Leitung des Bürgerbüros mit Hochdruck an dauerhaft tragfähigen Lösungen, teilt die Stadt mit. Die Ergebnisse sollen im Herbst parallel zu den Erkenntnissen der derzeit laufenden Personalbedarfsberechnung vorliegen. Vize-Leiter Markus Eck, bedauert die derzeitigen Unannehmlichkeiten: „Wir bitten um Verständnis, dass der aktuelle Personalmangel einen negativen Einfluss auf alle Dienstleistungsbereiche des Bürgerbüros hat.“

Kommentare