Automatisch Leben gerettet

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Madita Morgenstern (links) freut sich über ihre Rathausmedaille. Oberbürgermeister Horst Schneider überreichte der 19-Jährigen gestern die Auszeichnung, weil sie im Juli einem Achtjährigen das Leben gerettet hatte.

Offenbach ‐ Eben noch ein junges Mädchen und jetzt Besitzerin der geschätzten Rathausmedaille. Madita Morgenstern hat einem Achtjährigen das Leben gerettet und wurde nun dafür von Oberbürgermeister Horst Schneider geehrt. Von Katharina Skalli

Was da mit ihr passiert, kann die 19-Jährige noch nicht wirklich begreifen. „Ich habe eigentlich nur meinen Job gemacht“, sagt sie und lächelt, so dass sich auf ihren Wangen Grübchen bilden.

Als im Juli ein Junge im Schwimmerbecken des Waldschwimmbades auf der Rosenhöhe zu Boden sank, sprang ein Badegast ins Wasser, zog den leblosen Körper aus dem Nass und Madita belebte ihn wieder (wir berichteten und gaben so wohl mit den Anstoß zur Ehrung).

Noch nie zuvor musste sie die Herz-Lungen-Massage und die Mund-zu-Mund-Beatmung, die sie theoretisch schon oft durchgegangen war, in der Praxis anwenden. Was sie dabei empfunden hat, kann sie heute nicht mehr sagen. „Als es soweit war, ging alles automatisch“, sagt sie.

„Die Geschichte hätte auch anders ausgehen können“, sagt Dieter Levi-Wach. Der EOSC-Vorsitzende ist sichtlich stolz auf seine junge Mitarbeiterin. „Ohne die Ehrenamtlichen könnten wir das Schwimmbad nicht betreiben“, sagt er.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Durch ihre Ausbildung als Rettungsschwimmerin war die begeisterte Schwimmerin theoretisch gut auf ihren Einsatz vorbereitet. „Man wartet fast schon darauf, dass irgendetwas passiert, wenn man am Beckenrand steht und immer wieder die Fläche abscannt“, sagt sie.

Als das Kind mit den herbeigerufenen Sanitätern ins Krankenhaus fuhr, wurde der Offenbacherin erst bewusst, was geschehen war. Zeit zum Verarbeiten hatte sie kaum. Schon einige Minuten später stand sie wieder am Wasser und blickte konzentriert auf die planschenden Menschenmasse.

„Madita war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagte Oberbürgermeister Horst Schneider gestern bei der Verleihung, „und sie hatte dann auch noch die nötige emotionale Intelligenz.“

Viele Offenbacher Kinder können nicht schwimmen

Erst etwa zehn Rathausmedaillen hat Horst Schneider während seiner Amtszeit verliehen. Welche Menschen eine bekommen, entscheidet er alleine. „Das Kriterium bin ich“, sagt er.

So eine Ehrung sei ein intensives Gefühl, beschreibt die Schwimmerin. Doch, dass der kleine Junge noch am Leben sei, sei eigentlich Auszeichnung genug.

Noch zwei Wochen gibt sie Schwimmkurse auf der Rosenhöhe. Danach fliegt sie für ein halbes Jahr nach Nicaragua. Sie und Dieter Levi-Wach haben die Erfahrung gemacht, dass es viele Kinder und Jugendliche in Offenbach gibt, die nicht schwimmen können. Deshalb bietet der Verein in diesem Jahr doppelt so viele Schwimmkurse an wie 2009. Zehn Stunden kosten 80 Euro.

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