Autorin in der virtuellen Welt

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Hilke Bußmann geht mit ihrer Fantasy-Reihe „Die Legenden der Weltentaucher“ neue Wege. Die Offenbacherin lässt Internetnutzer beim Schreiben mitreden und publiziert ihre Bücher selbst.

Offenbach - Geheimnisvolle Orte, von denen nie jemand gehört hat. Magische Welten, in denen Dämonen und Zauberer existieren. Die Jungautorin Hilke-Gesa Bußmann (22) öffnet ihre fantastische Welt und geht mit ihren Lesern ab dem 5. August auf Abenteuerreisen. Von Ramona Poltrock

Die junge Frau macht sich selbstständig und nutzt das Internet für ihre Zwecke. Seit dem 29. Juli läuft der Countdown für die Veröffentlichung ihrer Fantasy-Reihe „Die Legenden der Weltentaucher“. Teil eins soll übermorgen erscheinen. Allerdings vorerst nur im Internet. „Das kommt in Deutschland nur selten vor“, sagt die Autorin aus Offenbach. In Großbritannien oder den USA betreiben bereits einige Autoren sogenanntes ,self-publishing‘ (deutsch: Selbst-Publikation).“ Aber dort sei der E-Book-Markt auch ganz anders.

Hilke Bußmann veröffentlichte im November vergangenen Jahres ihr Debütroman „Lieb mich!“. Trotz des ausbleibenden Erfolgs schrieb sie weiter und will es diesmal ohne Verlag schaffen. Angst, dass ihr die Geschichten ausgehen, hat die Germanistikstudentin nicht. Im Gegenteil: Sie hat Ideen für noch mindestens acht weitere Teile ihrer Fantasy-Reihe im Kopf – „die Figuren liefern Stoff für noch mehr“, glaubt sie. Schließlich ist die Online-Ausgabe aus einer Trilogie entstanden, an der sie ebenfalls gerade schreibt. Eine Nebenfigur aus diesen Romanen liefert den Inhalt für „Die Legenden der Weltentaucher“.

Schreiben ist ihre Leidenschaft

Weltentaucher, das sind Reisende zwischen den Welten, die gegen dunkle Geschöpfe kämpfen und magische Orte entdecken. In „Der Aufbruch“ begleitet der Leser den Weltentaucher Acadius, der auf seiner Reise Dämonen, Schattengeistern und Menschen begegnet – unter anderem auch Platon. „Das Gute ist“, so die Autorin, „dass die unendlich vielen Welten Stoff für unendlich viele Geschichten bieten.“ Ob ihre Geschäftsidee funktioniert, weiß die gebürtige Ostfriesin nicht. „Ich habe keine Ahnung, aber Schreiben ist meine Leidenschaft, und mit meinen 22 Jahren habe ich nichts zu verlieren.“ Von Anspannung ist bei Hilke Bußmann nichts zu spüren, und das, obwohl sie mit ihrem in Deutschland einzigartigen Projekt nun an die Öffentlichkeit geht. Die ganze Woche stellt die Internetgemeinschaft „Weltentaucher-Literaturfreunde“ bereits Bonusmaterial zur Verfügung. „Die Leser können sich so vorab schon einen Eindruck verschaffen.“

Auf Facebook, Twitter, der eigenen Homepage und ähnlichen sozialen Netzwerken lernte die Jungunternehmerin andere Autoren, Leser und Blogger kennen und konnte sie für ihr Projekt begeistern. So entstand die Künstlergemeinschaft Weltentaucher-Literaturfreunde. Mit Ideen, Rat und Tat stehen sie Hilke Bußmann zur Seite. Aber so ganz uneigennützig ist die Unterstützung nicht. „Quid pro quo“ lautet die Devise: Die Gruppe verbindet ihre Präsenz im Internet. Durch die Publikation der Weltentaucher-Reihe, bekommen auch die Internetseiten der anderen – via Links – mehr Aufmerksamkeit.

Gegen überhöhte Preise

Die freiwilligen Helfer teilen die Leidenschaft Literatur. „Sie sind kreative Internetnutzer, die Passagen des ersten Teils vorab gelesen, mir Tipps gegeben haben und selbst kreativ geworden sind.“ So stammt das zurzeit schon abrufbare Bonusmaterial von den Mitgliedern der Literaturfreunde. Darunter sind erfundene Tagebücher des Protagonisten, selbstverfasste Lieder und Gedichte oder eigens angefertigte Comics zum Originalwerk; den Literaturfreunden sind keine Grenzen gesetzt – auch von der Autorin nicht. „Selbst wenn sie eine Figur als Homosexuellen darstellen, ist das okay. Es geht mir um den gemeinsamen kreativen Schaffensprozess“, sagt die Ostfriesin mit Nachdruck. Auch aus diesem Grund veröffentlicht die 22-Jährige die Reihe selbst. „Verlage hätten das aus rechtlichen und marktwirtschaftlichen Gründen nie mitgemacht. So habe ich mehr Entscheidungsfreiheit und kann mit zukünftigen Lesern in Kontakt treten und mit ihnen zusammen kreativ sein.“

Auch bei der Vermarktung lässt sie sich nicht reinreden. Das E-Book wird knapp drei Euro kosten. Hilke Bußmann wehrt sich gegen die überhöhten Preise der elektronischen Fassungen in Deutschland und richtet sich nach dem US-amerikanischen Markt. „In den USA sind E-Books viel günstiger als in Europa. Die deutschen Verleger haben zu viel Angst vor finanziellen Verlusten, sehen aber nicht, dass sie damit auch Autoren verlieren können, weil das Selbstpublizieren effizienter sein kann.“

Zeichnungen nach Aufruf

Doch ab und zu lässt die Jungautorin sich auch helfen. Sie liebt den Kontakt mit Fans, Freunden und Autoren und solchen, die es werden wollen. Für das Projekt war es von besonderer Bedeutung, mit anderen Autoren oder Künstlern zu diskutieren. „Wenn mein Freund und ich nicht weiter wussten, habe ich die Leute im Internet gefragt. Natürlich lasse ich mir nur bedingt reinreden, aber ich bin für jegliche Hilfe und Anregung offen und versuche sie umzusetzen, wenn ich sie für plausibel erachte.“

Ein Problem waren zum Beispiel die Illustrationen. „Ich kann leider nicht zeichnen“, so die Studentin. Also startete sie einen Aufruf, ihr für bestimmte Textpassagen Bilder zu malen. Die Resonanz war groß. Sie bekam Zeichnungen in den unterschiedlichsten Stilen zugeschickt. Alle sollen ihren Platz im E-Book bekommen. Auf noch mehr kreative Unterstützung hofft die ambitionierte Germanistikstudenten auch bei den folgenden Teilen der Fantasy-Reihe.

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