Neue Doppelspitze

Schrumpfkur bei Arbeiterwohlfahrt beendet

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Offenbach - Nach dem Wegfall jährlicher städtischer Zuschüsse in sechsstelliger Höhe Ende 2010 und einer damit verbundenen Schrumpfkur, beginnt bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ein mühevoller Restrukturierungsprozess. Von Matthias Dahmer

„Wir haben nun eine Basis, erreicht, von der aus wir wieder erweitern können“, sagt Geschäftsführer Thoma Ruff. Er bildet zusammen mit Hans Jürgen Best seit diesem Monat eine Doppelspitze bei AWO und Werkstätten Hainbachtal, dem größten Geschäftsfeld der Wohlfahrtsorganisation.

Der Aderlass beim als Verein tätigen Kreisverband Offenbach-Stadt war gewaltig: Von 2010 auf 2011 sank die Zahl der hauptamtlich Beschäftigen von 61 auf 38, umgerechnet auf Vollzeitstellen bedeutete dies einen Rückgang von 34 auf 24. Zudem verfügt die AWO derzeit über 31 ehrenamtliche Helfer. Nicht alle Stellen konnten sozialverträglich abgebaut werden, in „zehn bis 15 Fällen“, sagt Geschäftsführer Best, sei es zu Auflösungsverträgen gekommen.

Sorgenkind war der Ambulante Pflegedienst

Größtes Sorgenkind war der Ambulante Pflegedienst, der bei weniger als 50 Kunden in der Stadt zuletzt ein jährliches Defizit von 30.000 Euro einfuhr und damit bei einem Gesamtminus des Vereins von 35.000 Euro fast allein für die Negativbilanz verantwortlich war. Das Angebot soll aber wieder ausgebaut werden, allein die dafür erforderlichen qualifizierten Pflegekräften seien im Rhein-Main-Gebiet nur schwer zu bekommen, berichten die beiden Geschäftsführer. Ob man angesichts des umkämpften Markts auch künftig mit Tariflohn locken kann? „Es wird schwierig, aber wir versuchen es“, sagt Thomas Ruff.

Auch beim Angebot „Essen auf Rädern“ musste abgespeckt werden: Die Zahl der ausgelieferten Menüs sank von 82.000 im Jahr 2010 auf knapp 58.000 im Folgejahr. Die Auslieferung der Mahlzeiten wurde an die Firma Sonnenschein ausgelagert. Derzeit habe man pro Tag 160 Abnehmer, sagt Hans Jürgen Best.

Stellschrauben in Richtung positiver Bilanz

Stellschrauben in Richtung positiver Bilanz sind für die Geschäftsführer neben der Gewinnung neuer Kunden der Abbau von Verwaltungspersonal, effektivere Dienstpläne sowie eine Optimierung betrieblicher Abläufe.

Spätestens Anfang des nächsten Jahres, so Ruff, soll ein von der AWO initiierter Verein seine Arbeit aufnehmen, der sich um alle Fragen der Betreuung von Personen kümmert. Ruff: „Da besteht in Offenbach eine Lücke.“ Zu den gut laufenden Angeboten der Organisation zählt er Ferienfreizeiten und Migrationsberatung.

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