Im AWO-Stadtcafé arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen

Neuer Name dringend gesucht

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Iliana Avramoupoulo, Carolin Fischer, Jennifer Hechler und Wagma Alikhel gehören zum Team, das sich mit Leiterin Eva Pracht (Mitte) um die Gäste des von den Werkstätten Hainbachtal betriebenen Café-Restaurants am Rand des Büsingparks kümmert.

Offenbach - Eine Auszeit vom Alltag nehmen und einfach mal die Annehmlichkeiten des Stadtcafés im Frieda-Rudolph-Haus genießen – an sechs Tagen in der Woche ist das möglich. Das Haus hat eine Besonderheit: Dort arbeiten Menschen mit und ohne Handicap Hand in Hand. Von Harald H. Richter

Der Duft frisch gebrühten Kaffees aus der Offenbacher Rösterei Laier erfüllt den Gastraum, die meisten Besucher an diesem August-Nachmittag sitzen auf der Terrasse unter Sonnenschirmen, geben bei Carolin Fischer ihre Bestellungen auf. Sie kann einiges empfehlen, einen köstlichen Eiskaffee oder einen Cappuccino. Dazu eine Auswahl an Kuchen: Kirsch- und Puddingstreusel, Obstschnitten oder eine leckere Rhabarber-Stachelbeer-Baisertorte, die Eva Pracht gerade aufschneidet.

Wer öfter zum Stadtcafé kommt, das sich im Frieda-Rudolph-Haus am Linsenberg befindet, schätzt die angenehme, freundliche Atmosphäre, weiß aber auch um seine Besonderheit. Es ist kein Innenstadtcafé im klassischen Sinne, da es zum einen nicht im Zentrum liegt, sondern etwas abseitig am nördlichen Rand des Büsingparks. Vor allem aber unterscheidet sich die von den Werkstätten Hainbachtal der Arbeiterwohlfahrt (AWO) getragene Einrichtung von anderen dadurch, dass Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam tätig sind. Jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten – in der Küche, im Ausschank, an der Kasse, im Bedienservice.

Beschäftigte fühlen sich aufgehoben

Eva Pracht leitet das vor sechs Jahren eröffnete Café-Restaurant mit knapp 60 Innenplätzen und mindestens ebenso vielen draußen. Sie ist für zurzeit sechs Mitarbeiter die gute Seele des Hauses. Vier junge Frauen und zwei Männer zwischen Anfang 20 und Mitte 50 kümmern sich um das Wohl der Gäste. Ein weiterer durchläuft derzeit eine externe Qualifizierung im Projekt BiB mit dem Ziel eines Einstiegs in den ersten Arbeitsmarkt. „Das sind betriebsintegrative Beschäftigungsplätze für Menschen mit Behinderung, die durch berufliche Realität Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfahren“, erläutert Pracht.

Die Beschäftigten fühlen sich aufgehoben und durch das, was sie leisten, respektiert und anerkannt. Ein Beleg mag sein, dass drei von Anfang an dabei sind. „Mit ins Team kamen mehrere Kollegen aus dem Hainbachtal, wo die Werkstätten mit dem Waldcafé eine weitere gastronomische Einrichtung betreiben“, betont AWO-Sprecherin Jasmin Rack.

Werktäglich ist das Stadtcafé von 11 bis 18 Uhr geöffnet, so dass zahlreiche Berufstätige ihre Mittagspause zur Einkehr nutzen. „Manche bestellen ihr Wunschgericht auch telefonisch und können es sich, kaum dass sie Platz genommen haben, schmecken lassen“, sagt Pracht. „Diesen Service schätzen die Gäste besonders.“ Auf der Speisekarte findet sich Herzhaftes aus regionaler Küche ebenso wie leichte Sommerkost. Knackige Salate gibt es und stets ein vegetarisches Gericht. „Unsere Zutaten beziehen wir vom Offenbacher Wochenmarkt“, setzt die Leiterin auf Qualitätsprodukte aus heimischem Anbau.

In der Küche wird gern etwas ausprobiert. So hat Markus Krings, der seine Chefin demnächst drei Wochen vertritt, die Eismaschine aus dem Hainbachtal geholt. „Eis aus eigener Herstellung – das ist doch was“, freut er sich über seine ersten Kreationen. Die gibt es zwar noch nicht zu bestellen, aber zum Probieren: Schokoladeneis mit Nussstückchen, Sahne-Vanille sowie Fruchtiges aus Aprikose, Himbeere und Kirsch. „Vielleicht setzen wir die eine oder andere Sorte in der nächsten Saison auf die Karte“, stellt Pracht in Aussicht.

Spielfest für Schüler mit Behinderungen

Auf einem anderen Gebiet ist das Stadtcafé bestens im Geschäft. In der Profiküche werden die schon zu Goethes Zeiten geschätzten Offenbacher Pfeffernüsse hergestellt, eine Idee von Feinkosthändlerin Annette Laier und Autorin Susanne Reininger, deren Anliegen es ist, die raffinierten Gewürzplätzchen wieder in alle Munde zu bringen. Der Auftrag ist zur Freude Prachts eine Erfolgsgeschichte.

Gäste, Freunde und Förderer sind zum Schreiben ermuntert. Momentan läuft ein Namenswettbewerb, um die Außendarstellung unverwechselbar zu machen, da die jetzige Bezeichnung nicht zum Ausdruck bringt, was dahinter steckt. „Den besten Vorschlag wollen wir mit 200 Euro belohnen“, kündigt Rack an. An den Tischen liegen Coupons, auf denen Besucher ihre Ideen vermerken können. Auch bei den AWO-Niederlassungen, den Werkstätten Hainbachtal und der Migrationsberatung sind Mitmach-Postkarten erhältlich. Mehr als 200 Einsendungen liegen bereits vor, bis 20. September sind Vorschläge willkommen. Eine Jury entscheidet, welcher Name künftig an der Fassade des schmucken Flachbaus prangt.

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