Der Babymacher sensibilisiert

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Nicht jede Frau wird problemlos schwanger. Paaren die Nachwuchs wollen, hilft das Kinderwunschzentrum am Büsingpark.

Offenbach ‐ Sieht Peggy Schwangere, wird sie traurig. Ihr Körper spielt bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches nicht mit. Die junge Frau hat Endometriose. Sie ist nicht allein. Gut sechs Millionen Frauen in Deutschland leiden unter dieser gutartigen, aber schmerzhaften Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Von Katharina Platt

Die löst sich ab, setzt sich auf andere Organe und blutet bei jeder Periode mit. Viele Frauen und Ärzte halten Regelschmerzen für normal. Daher vergehen im Durchschnitt etwa neun Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Peggy hatte mehr Glück: Die 27-Jährige lebte zwei Jahre mit Schmerzen, bevor bei ihr Endometriose erkannt wurde. Seitdem nimmt sie die Pille und setzt sie nur alle sechs Monate ab, damit sich ihr Zustand nicht verschlimmert. Weil ihre Erkrankung behandelt wird, hat sie wieder Hoffnung, doch irgendwann schwanger zu werden. Denn unbehandelt ist sie oft Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch. „Verklebungen, Verwachsungen und Eileiterverschluss sind häufige Ursachen der Unfruchtbarkeit“, erklärt Dr. Konstantin Manolopoulos. All das kann Endometriose verursachen. 40 000 Neuerkrankungen pro Jahr verzeichnet die Statistik.

Dr. Manolopoulos leitet das Kinderwunsch- und Endometriosezentrum am Büsingpark. Seit einem Jahr ist es zertifiziert. Hessenweit gibt es nur noch ein weiteres an der Uniklinik Gießen. Mit Professor Dr. Hans-Rudolf-Tinneberg, Direktor der Gießener Frauenklinik, wirbt der Mediziner nun für die „Endometriose Awareness Woche“ vom 8. bis zum 14. März.

Endometriose und Kinderwunsch Hauptaufgaben

Telefon-Sprechstunde am Dienstag, 9. März, von 17 bis 18 Uhr unter Telefon 0641 / 9945101. Und am Mittwoch, 10. März, von 15 bis 17 Uhr unter Telefon 069 / 80907572.

„Neun Jahre sind zu lang“, sagt Tinneberg. Aus Erfahrung weiß er, dass Frauen, die immer wieder über die gleichen Beschwerden klagen, schnell in die „Psychoecke“ gestellt werden. Auch dagegen kämpfen die Spezialisten mit den Aktionstagen. „Wir brauchen eine solche Woche, um Bewusstsein zu schaffen“, sagt Tinneberg. Auf seiner Station landen immer häufiger Frauen mit Verdacht auf die noch nicht vollständig erforschte Krankheit. Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, führt Tinneberg eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durch.

Peggy hat schon zwei solcher Eingriffe hinter sich. Bei den Untersuchungen unter Vollnarkose haben die Ärzte bereits bestehende Herde entfernt. Die Sozialarbeiterin hofft, dass ihr durch die Hormontherapie weitere Eingriffe erspart bleiben. Professor Tinneberg glaubt, dass schon bald ein solcher Eingriff nicht mehr nötig sein wird. Er und seine Kollegen arbeiten an einem Test, der die Diagnostik erleichtert und die Laparoskopie überflüssig macht. Auf der Internetseite der Endometriose-Liga steht Interessierten ein Test zur Verfügung, der erste Hinweise auf das Vorliegen einer Endometriose geben kann.

Tinneberg und Manolopoulos sind jedoch nicht nur von erkrankten Patientinnen umgeben. Außer der Endometriose steht der Kinderwunsch von Paaren im Fokus ihrer Arbeit. 15 Mitarbeiter kümmern sich im Zentrum in der Herrnstraße 51 um unerfüllte Babywünsche. Im Labor steht ein großes Durchlichtmikroskop auf einem Granittisch. Keine Leidenschaft führt dort Spermium und Eizelle zusammen, sondern feinste Pipetten: Auf der glänzenden Glasplatte entstehen viele der Embryos, die sich die Patientinnen so sehr wünschen. Aber mit Romantik hat das Entstehen des neuen Lebens dort nichts zu tun. Die pränatale Reise der Wunschbabys führt über sterile Becher, Petrischalen und Reagenzgläser in die Gebärmutter der Frau.

Auch Peggy wäre bereit, sich für ein Kind einer Insemination (IUI) oder einen In-vitro-Fertilisation (IVF) zu unterziehen. Im ersten Fall werden Spermien in die Gebärmutter übertragen. Bei der IVF wird eine Eizelle außerhalb des Körpers mit dem Samen zusammengeführt und in die Gebährmutter eingesetzt.

5000 Patienten haben sich 2009 im Offenbacher Zentrum beraten lassen. 400 von ihnen wurden künstlich befruchtet. Im Foyer hängen Fotos der Babys, die mit Hilfe von Dr. Manolopoulos erzeugt wurden. Sie alle sind wahre Wunschkinder. 40 Prozent ihrer Mütter haben Endometriose.

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