Wegen Blaualgen

Baden am Schultheisweiher ab sofort verboten

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Das Umweltamt hat aufgrund von Blaualgenvorkommen ab sofort ein Badeverbot für den Schultheisweiher erlassen.

Offenbach -  Der Wetterdienst bilanziert für den Juni: sehr warm, sonnenreich, teilweise extrem trocken. Was Sonnenanbeter freut, schadet der Natur. Nach der Hitzeperiode „gedeihen“ die Blaualgen im Schultheisweiher prächtig.

Um den Schultheis zu gesunden, haben sich alle beteiligten Behörden und Organisationen zusammengeschlossen: Landesamt für Umwelt, Regierungspräsidium, Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Umweltamt. Bei einem „Krisenrat“ sind Vorsorgemaßnahmen entstanden –etwa das Verbot, Wasservögel und andere Tiere zu füttern. Wasserseitig sollen schwimmende Schilfinseln angeordnet werden. Die Lösung sei günstig, elegant und wirke sich positiv auf das Gesamtbild und die Ökologie aus, heißt es aus dem Umweltamt.

Weiter wurde mit den oberen Behörden eine externe Phosphorelimination besprochen. Das würde bedeuten, das nährstoffreiche Tiefenwasser aufzunehmen und in einer Anlage am Uferrand aufzubereiten und zurückzuführen. So würden dem See die Nährstoffe dauerhaft entzogen. Die Maßnahme wird weiter besprochen und als erfolgversprechend eingeschätzt. Heike Hollerbach, Leiterin des Umweltamtes: „Wir müssen jetzt zügig klären, ob die Stadt für diese Maßnahme Mittel bereitstellt. Nur, wenn wir diese Investition leisten, werden wir das Baden in Zukunft noch ermöglichen können.“ Das Umweltamt geht von Kosten in Höhe von bis zu 400 000 Euro aus.

Ihren Namen verdanken die Cyanobakterien (umgangssprachlich: Blaualgen) dem blauen Farbstoff Phycocyanin. Sogenannte Algenblüten treten in nährstoffreichen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern auf – was auf den Schultheis zutrifft. Ein Kontakt mit Blaualgen durchsetztem Badewasser kann zu starkem Durchfall sowie Haut- und Schleimhautreizungen führen. Daher gilt ab sofort das Badeverbot im Mainbogen.

„Das große Aufkommen der Sumpfkrebse, die Wasservögel, die hohen Temperaturen, das Fehlen der Wasserpflanzen und die starken Besucherzahlen haben den See stark belastet“, sagt die Amtsleiterin. Die Situation des Gewässers sei schon vorher „sehr angespannt“ gewesen – die aktuelle Hitze hat dem See den Rest gegeben. Nie seien die Herausforderungen so groß gewesen, den See als Badegewässer zu erhalten, blickt Hollerbach in die nahe Zukunft.

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Reagiert hatte man schon Anfang des Jahres und die Badesaison nur bis Ende August geplant. Hollerbach ergänzt: „Wir wussten ja im Frühjahr, dass sich das Gewässer über die Wintermonate womöglich nicht ausreichend erholen konnte, um lange Sonnenperioden zu kompensieren.“ Seit vergangenem Jahr, in dem die Wasserpflanzen vollständig abgestorben sind und der Sauerstoffgehalt gegen Null gesunken ist, ist das Problem der Phosphorkonzentrationen wieder in den Fokus gerückt.

Gründe hierfür sind unter anderem die explosionsartige Ausbreitung der Sumpfkrebse und die stark gestiegene Wasservogelpopulation. Obwohl täglich gereinigt wird, um die Liegewiese sauber zu halten, ist die Verschmutzung vor allem durch Nil- und Kanadagänse stark gestiegen. Die Nährstoffkonzentration im See war zu Beginn der Badesaison doppelt so hoch wie 2014. „Jetzt liegen wir bei 430 Mikrogramm Chlorophyll pro Liter.“ (mk)

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