Missverständnis oder absichtliche Kündigung?

Bäckerei in Waldhof schließt

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Die Bäckerei in Waldhof besteht seit 30 Jahren, seit sechs Jahren betrieben vom Ehepaar Basol. Ihm wurde gekündigt.

Waldhof - Er ist nicht nur ein Laden für den schnellen Einkauf, sondern auch Treffpunkt für die Bürger – der Bäckereiladen in Waldhof. Heute hat er letztmals geöffnet. Das Betreiberehepaar Basol spricht von einer nicht gewünschten und unerwarteten Kündigung. Von David Heisig und Veronika Schade 

Die vermietende Baugenossenschaft Odenwaldring schildert es anders. Geschäfte, in denen sich schön einkaufen lässt, gibt es in Waldhof wenige. Dann auch noch nett bedient zu werden, grenzt an Luxus. Dieses Gefühl genießen seit sechs Jahren die Kunden der Bäckerei von Ali und Ayse Basol an der Ottersfuhrstraße. Damit ist Schluss. Der Vermieter, die Baugenossenschaft Odenwaldring, hat das Mietverhältnis zum 31. Mai gekündigt. Für Basols ein Schock, wie sie unserer Zeitung schildern: Denn raus wollen sie nicht. Reinhard Abraham, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Odenwaldring, stellt den Sachverhalt anders dar. Vor einem knappen Jahr hätten Basols mitgeteilt, dass sie den Laden nicht weiterbetreiben wollen. Sie hätten einen Nachmieter vorgeschlagen, mit dem sie sich über eine Abstandszahlung einig waren. Seine Baugenossenschaft habe diesem Vorschlag aber nicht zustimmen können: „Wir haben bereits zuvor mit dem Betreiber des angrenzenden Lebensmittelladens für den Fall des Freiwerdens der Bäckereifiliale vereinbart, ihm diese zur Anmietung anzubieten.“ Das sei naheliegend, da man mit ihm seit 2008 ein unbelastetes Mietverhältnis pflege.

„Ja“, bestätigen Basols, sie hätten darüber nachgedacht, die Bäckerei an einen von ihnen gefundenen Interessenten zu übergeben. Das hätten sie gegenüber der Baugenossenschaft auch so geäußert und ihr ebenfalls mitgeteilt, den Laden selbst weiter zu betreiben, sollte diese spezielle Nachfolge nicht klappen. Darauf habe die Baugenossenschaft nicht reagiert. „Viermal ist mein Mann hingegangen“, erzählt Ayse Basol. Stattdessen kam im Juni 2014 die Kündigung. „Eine erzwungene Schließung des Ladens ist schlicht unzutreffend“, betont Abraham. Hätten Basols nicht mitgeteilt, den Laden nicht mehr weiterführen zu wollen, hätte sich das Vertragsverhältnis, ohne Zutun beider Parteien, automatisch um ein Jahr verlängert. Um einem Leerstand vorzubeugen, habe man das Vertragsverhältnis fristgerecht beendet, um den Vertrag mit einem neuen Mieter überhaupt abschließen zu können.

Gefälligkeitskündigung zugunsten eines Nahkauf-Betreibers

Dem Ehepaar und manchem Kunden erscheint es indes, als handele es sich um eine Gefälligkeitskündigung zugunsten des benachbarten Nahkauf-Betreibers. „Es ist sonderbar, dass Personen, die selbst Mieter sind, Bedingungen des Vermieters für andere Mietverträge diktieren können“, meint ein Waldhofer am Redaktionstelefon. Mit dem Nahkauf-Betreiber kam es zu keiner Einigung bezüglich des Abstands für die Einrichtung in Verkaufsladen, Küche und Abstellraum. „Jetzt wollen sie, dass wir alles rausmachen“, sind die Eheleute entsetzt. Dabei haben sie einiges investiert. Der Schaden wäre groß, zumal die Bäckerei ihr wirtschaftliches Standbein ist. Die Baugenossenschaft Odenwaldring kennt die Problematik. „Bei Gewerberaumvermietungen driften die Vorstellungen von Abstandsforderungen häufig auseinander“, weiß Abraham. „Als Vermieterin sind wir aber nicht involviert.“

Tischlein dekorier' dich - Eindecken mit buntem Geschirr

Finanziell sei das Geschäft gut gelaufen, berichten Basols. Die Kunden seien stets zufrieden gewesen und aus dem ganzen Umland gekommen, erzählt die Bäckersfrau. Keiner wolle, dass sie das Geschäft aufgäben. Auch Kindergartenkinder seien gern gekommen. Davon hat sie rührende Fotos. Peter Heckt vom nahen Jugendzentrum kennt die Sorgen der Anwohner. Auch er würde es bedauern, wenn mit der Bäckerei eine Institution aus dem Viertel verschwinde. Zumal die Inhaber mit ihrem Angebot einen Teil Sozialarbeit übernommen haben. Es habe sich gar eine Frauenfrühstücksgruppe gefunden, die regelmäßig Gast in der Brötchenstube gewesen sei. Befürchtungen, dass der Bäckereiladen, der vor 30 Jahren als Heberer-Filiale eröffnet wurde, einer anderen Nutzung zugeführt wird, räumt Abraham aus. „Das neue Vertragsverhältnis ist bezogen auf den Betrieb einer Bäckereifiliale.“ Das Ehepaar Basol hat die Mietsache seinem Rechtsanwalt übergeben. Tut sich im Hickhack mit dem Vermieter nichts mehr, macht es den Laden heute für immer dicht.

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