25 Jahre Bühnenleben

Bäppi la Belle: Ein Alien im Capitol

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Bäppi la Belle sorgt im Capitol für Stimmung.

Offenbach - Den Namen Quentin Crisp kennen nur noch wenige, während der ihm gewidmete Sting-Song „Englishman In New York“ nach wie vor populär ist. Von Sebastian Krämer

Der „Englishman“ im Lied ist ein Außenseiter und an Crisp, eine exzentrische Symbolfigur der Schwulenbewegung in den 70er und 80er Jahren, angelehnt. Crisp hatte Sting bei einem Treffen von den Schwierigkeiten erzählt, sich in den 1950er Jahren in England zur Homosexualität zu bekennen.

Der von der Presse oft als „bekanntester Frankfurter Schwule“ bezeichnete Bäppi la Belle nutzt sein Jubiläums-programm „This Is My Life“ im Offenbacher Capitol am Samstagabend dafür, den Originaltext umzudichten. So wird aus dem Engländer ein Frankfurter in Offenbach, der Äppelwoi statt Bier trinkt. Auch wenn die fast dreistündige Aufführung mit Sticheleien gegen Offenbach startet, erklärt er, von Frankfurt nur dorthin ziehen zu wollen. Städte wie London kämen nie in Frage!

Sein Rückblick auf 25 Jahre Bühnenkarriere zeigt eindrucksvoll, wie stark der 56-Jährige mit der Mainmetropole verbunden ist. Geboren im Stadtteil Griesheim als Thomas Wolf-Bäppler, absolvierte er eine Ausbildung zum Tanzlehrer und gründete 1990 eine Tanzschule in Frankfurt. 1993 wurde vom heutigen Stadtverordneten die Figur „Bäppi la Belle“ erschaffen und das später in „Theatrallalla“ umbenannte „TiTS-Theater“ eröffnet. Vom Kochbuchautor zum historischen Stadtführer und Sänger: Immer wieder schlüpft er in neue Rollen. Auch wenn der Mundart-Virtuose an diesem Abend auf farbenfrohe Kostüme und Spezialeffekte weitestgehend verzichtet, kommen die Zuschauer im etwa zur Hälfte gefüllten Saal auf ihre Kosten.

Bilder: James Morrison im Offenbacher Capitol 

Neben der Musicalnummer „Als hätten wir uns nie Goodbye gesagt“ aus „Sunset Boulevard“ und bekannten Hits wie „New York, New York“ oder „Send In The Clowns“ bietet der Travedy-Star zahlreiche Titel zum Mitklatschen und Mitgrölen. Dass Bäppler-Wolf bei einigen Titeln intonatorisch nicht ganz auf der Höhe ist, lässt sich angesichts der tollen Stimmung gut verschmerzen.

Extra-Beifall gibt es für die zahlreichen Anekdoten, die Slapsticks und einen kurzen Tanz auf der Bühne, bei dem der Choreograf eine Untertasse auf dem Kopf balanciert. Auch als Frankfurter in Offenbach kann sich der Unterhalter keinesfalls als Außenseiter bezeichnen ...

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