Beethovenschule

Die Bäume müssen doch fallen

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Das Areal der heutigen Beethovenschule hebt sich auf einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1953 als helle Fläche hervor. Einen Vorkriegs-Baumbestand können die städtischen Experten nicht erkennen.

Offenbach (mk) - Der OB hält Wort: Am Mittwoch folgte im Musikantenviertel ein Ortstermin, den Horst Schneider bei einer Bürgerversammlung zugesagt hatte.

Neben Vertretern von Verwaltung, Bauträger und Kampfmittelräumdienst waren Mitarbeiter von Kampfmittelortungs- und Beseitigungsfirmen anwesend, welche die Initiative Beethovenschule eingeladen hatte. Der ausdrückliche Wunsch war es, das unnötige, nach ihren Worten sinnlose Fällen von Bäumen auf dem Schulareal zu verhindern. Nach dem Termin steht Ernüchterung: Auch eine Bohrlochsondierung bringt nach übereinstimmender Aussage der Fachleute keine Sicherheit, ob das Gelände frei von Kampfmitteln ist. Die Bäume werden gefällt.

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Die Firmen sollten nach Weltkriegs-Blindgängern nur unter Bäumen suchen, die auf dem mit Trümmerschutt aufgefüllten Teil des Areals wachsen. Da der Schutt mit Fremdkörpern wie Metallen durchsetzt ist, sei eine Identifizierung gerade von Brandbomben nahezu unmöglich, meldet die Stadt. „Brandbomben in dem aufgeschütteten Bereich können etwa nach Regen an die Erdoberfläche gelangen und bergen ein erhebliches Verletzungsrisiko. Übereinstimmend betonten die Fachfirmen, dass Kampfmittel generell aus öffentlichen Flächen zu entfernen sind, gerade wenn sie von Kindern genutzt werden.“

Ersatzpflanzungen mit großen Bäumen

Initiativen-Sprecher Günther Eufinger sieht das so: „Es ist schwierig zu beurteilen, wie hoch tatsächlich das verbleibende Risiko ist.“ Jedenfalls seien Brandbomben auch mittels Bohrlochdetektion nicht zu orten. Was hinzukommt: Eine Sondierung (im Abstand von 1,50 Metern etwa bierdeckelgroße, mehrere Meter tiefe Löcher) würde das Wurzelwerk so schädigen, dass die Bäume in ihrer Standfestigkeit und Vitalität spätestens mittelfristig nicht überleben. Immerhin: Für die Fläche unter zwei Platanen an der Schubertstraße, die auf dem provisorischen Pausenhof und möglicherweise auf gewachsenem Boden stehen, wird noch einmal gesondert untersucht, „ob die Erklärung der Kampfmittelfreiheit ohne Fällen möglich ist“.

Auf dem südlichen Teil des Geländes, das nun dauerhaft als Schulhof genutzt wird, ermitteln Firmen vor einer Kampfmitteldetektion zunächst genau Verlauf und Tiefe der Aufschüttungen. So sollen möglichst viele Bäume erhalten bleiben. Eufingers Resumee: „Wir haben nicht alles erreicht, was wir erreichen wollten. Aber wir haben den Verkauf verhindert.“ Zudem sei es dem Drängen der Initiative zu verdanken, dass Ersatzpflanzungen mit großen Bäumen vorgenommen werden.

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