Säulenhainbuchen statt Baumhaseln

Bäume in der Fußgängerzone: Der zweite Versuch

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Der anhaltende Winter lässt’s in der Fußgängerzone bislang nicht grünen. „Das wird aber noch“, sagen Experten.

Offenbach - Der erste Versuch war ein erfolgloser, gibt Bürgermeister Peter Schneider gestern zu. Vor elf Jahren gönnten die Planer beim Umbau der Fußgängerzone der Innenstadt erstmals Bäume. Allein: Das Grün gedieh nicht so recht. Diagnose: Pilzbefall. Von Martin Kuhn

Alle 44 Baumhaseln mussten raus. Im zweiten Anlauf setzen die Fachleute auf Säulenhainbuchen. Sigrid Pietzsch, als Referentin fürs Stadtgrün mitverantwortlich, erinnert sich an die leidvolle und lehrreiche Geschichte. „Wir haben uns immer wieder gefragt: Was ist los mit den Bäumen?“ Als die 44 Baumhaseln nicht nach Wunsch und Lehrbuch wuchsen, holte die Stadt bei einem Gutachter Rat. Aber erst nach diversen Untersuchungen im Labor war der Grund fürs bis zu diesem Zeitpunkt kümmerliche Grün gefunden: Es lag mitnichten am falschen Standort, sondern an einer Pilzerkrankung, der Verticillium-Welke.

Für Stadtplaner Hans-Joachim Bier-Kruse stellt das gewählte Vorgehen einen mutigen Schritt und radikalen Schnitt dar, der anfangs allerdings Passanten aufschreckte: „Wir hatten lange Wochen eine schmerzhafte Lücke. Vorteil: Jetzt blickt die Stadt in kürzester Zeit auf eine komplette Neubepflanzung in der Fußgängerzone.“ Obwohl die Stadt und ihr Dienstleister ESO lange mit der offiziellen Präsentation gewartet haben, macht der Frühling, was er will – in diesem Fall nichts.

„Alleecharakter“ in der Frankfurter Straße

„Es dauert wohl noch zwei Wochen, bis die neuen Bäume grün ausschlagen“, ist ESO-Geschäftsführer Markus Patsch bei bedecktem Himmel und mit hochgeschlagenem Mantelkragen etwas verschnupft und geknickt. Muss er eigentlich nicht sein. Lob gibt’s von Peter Schneider: „Das hat alles schnell und unbürokratisch funktioniert.“ Durch die Neubepflanzung habe die Frankfurter Straße wieder den Charakter, „den wir haben wollen – einen Alleecharakter“.

Darüber hinaus wurden die Sitzbänke erneuert und die Baumgitter neu gestrichen, um das Bild abzurunden. Zudem wurde das alte Substrat vollständig entfernt und gegen neues ausgetauscht, um einem wiederholten Pilzbefall entgegen zu wirken. Und das ist für den Grünen-Politiker vielleicht der einzige Wermutstropfen: Die Bäume stehen und gedeihen nicht mehr allein in reiner Erde.

Die Finanzierung in Höhe von etwas mehr als 130.000 Euro erfolgte zu einem Großteil (78 Prozent) über Fördermittel der Initiative „Aktive Kernbereiche“ des Landes. Den Rest trägt der ESO, der diesen Betrag aber über eine „reduzierte Pflege“ wieder erwirtschaftet. Heißt: Die sogenannte Fertigstellungs- und Entwicklungspflege ist in den ersten drei Jahren im Preis enthalten.

Die ausgewählte Buchenart soll einen „straffen, gleichmäßig schmalen Wuchs“ haben und etwa acht Meter hoch werden. Also genau das richtige für die Offenbacher Fußgängerzone, durch die bekanntlich viele Lastwagen fahren? „Die Problematik ist ja bekannt“, bekennt Peter Schneider. In der Innenstadt bestehe nun mal die Notwendigkeit, dass Läden von vorn, soll heißen, durch die Fußgängerzone, angedient werden müssen und dort Menschen wohnen.

Mit seinem hauptamtlichen Kollegen Felix Schwenke achte er allerdings darauf, „dass sich der motorisierte Verkehr in dieser Zone auf ein absolutes Minimum beschränke“. Vor allem die Laster sorgen dafür, dass es dem Stadtbetrieb nicht an Arbeit mangelt. Der ESO ist zuständig für Kontrolle, Befestigung oder Tausch loser und kaputter Platten. „Eine immer wiederkehrende Aufgabe“, heißt es lapidar.

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