Stabilität gefährdet

Häuser in Offenbach und das Übel der Wurzeln

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So wie auf dieser Fotomontage streuen sich Risse entlang von Ute Mauls Haus an der Buchhügelallee. Vom Keller bis zum Dachboden finden sich Löcher im Bau.

Offenbach - Risse in der Fassade, der Bodenbelag hebt sich, schiefe Wände, Türen und Fenster schließen nicht mehr. Das tritt in Offenbach auf am Brunnenweg, an der Fritz-Remy-Straße, an der Buchhügelallee. Von Ronny Paul

Gutachterlich in dringendem Tatverdacht: städtische Straßenbäume, deren Wurzeln dem Tonuntergrund der benachbarten Grundstücke Wasser entziehen und so massive Setzrisse verursachen. Die Stadt erkennt eine Verantwortung nie generell an, Hauseigentümer müssen prozessieren.

So auch Ute Maul und ihre Nachbarn aus der Buchhügelallee. „Wir haben schon 2007 erste Risse bemerkt. Nach einem Gutachten des Ingenieurbüros Meßmer sind wir mit den Behörden in Kontakt getreten und haben versucht, die Angelegenheit außergerichtlich zu klären“, erzählt sie. „Wir wollten einfach die Eschen mitsamt Wurzeln entfernt haben.“ Doch die Stadt akzeptiert das Gutachten nicht. Eine zweite Begutachtung inklusive Aufgrabungsarbeiten vor dem Haus kommt zum selben Ergebnis: Der durch die Wurzeln schrumpfende Boden führt zu Setzungsschäden am Bau. Eine Murmel auf den Boden gelegt, rollt schnurstracks gen Fenster: „Das Gebäude hat sich tatsächlich mehr oder weniger als ganze Einheit gleichmäßig zur Straße hin verkippt“, stellt der Ingenieur Konrad Kuntsche fest. Für ihn sei die Ursache der Schiefstellung damit ausreichend belegt. Zudem verwurzeln die zwei Eschen sowohl die angrenzenden Leitungen als auch den Hausanschlusskanal.

Die Stadt sieht die Bäume allerdings nicht zwingend als Grund für die Schäden an den Nummern 34, 36 und 38 der Buchhügelallee und verweigert eine Fällung: „Bevor das Landgericht Darmstadt kein Urteil gesprochen hat, werden wir abwarten und Steuergelder nicht unnötig ausgeben“, erklärt Stadtsprecher Matthias Müller. Er könne die Anwohner verstehen, sehe sich aber auch verpflichtet, die Angelegenheit genau prüfen zu lassen. Immerhin könne man nicht willkürlich Bäume entfernen lassen. „Dann steht sofort eine Bürgerinitiative bei mir auf der Matte, die sich gegen eine Abholzung wehrt“, versucht er die Sache in eine andere Perspektive zu rücken.

Aus weiteren Schreiben der Stadt gehen ebenfalls Zweifel an der Bausubstanz des Gebäudes hervor, die von den Gutachtern Meßmer und Kuntsche allerdings nicht bestätigt wurden. Über Anwalt Reinhard Petermann ließ die Stadt die Familie Maul wissen, dass sie eine außergerichtlich angeordnete Begutachtung nicht akzeptiert.

Ehepaar fühlt sich allein gelassen

Das Ehepaar Maul fühlt sich allein gelassen: „Die Bäume stehen auf städtischem Grund und sind deshalb deren Sache“, empört sich Ute Maul und befürchtet, die Ämter spielen auf Zeit. Sie hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht und findet das Verhalten der Behörden sei nicht nur bürgerfeindlich, sondern stelle sich im schlimmsten Fall als lebensgefährlich dar. Sie sei ja nicht die einzige Betroffene.

Für ihren Nachbarn von Hausnummer 38, Jürgen Winkelmann, steht fest, dass sowohl Stadt als auch der Stadtdienstleister ESO die betroffenen Bürger „in gewohnter Manier“ allein ließen. Er habe schon etliche Kosten selbst übernommen und erwarte kein Entgegenkommen mehr. Ute Maul möchte sich allerdings nicht so einfach abwimmeln lassen. Immerhin hat sie das Beispiel des Offenbachers Peter Koch aus der Fritz-Remy-Straße vor Augen, dem, nach ebenfalls zähem Ringen vor Gericht, Recht gegeben wurde. Auch Koch hatte seinerzeit ein Aussitzen vermutet. Für Maul steht fest: „Die Stadt versucht uns nervlich auszulaugen und zum Aufgeben zu bewegen.“

Sie betrachtet das 1968 vom Schwiegervater erbaute Eigenheim als ihre Altersversorgung. Sollte das noch größere Schäden davontragen, wisse sie nicht, wie es weitergehen solle: „Wir sind mit unseren Nerven am Ende“, klingt Maul fast resigniert. „Wir haben schon mehr als 6000 Euro investiert. Eine komplette Instandsetzung würde ein Vielfaches kosten.“

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