Pilz vergiftet alle Baumhaseln

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Aus der Baum: Die Baumhaseln in der Frankfurter Straße müssen alle weg. Der für 2013 vorgesehene Austausch ist mit 170.000 Euro veranschlagt.

Offenbach (mk) - Da hilft kein grüner Daumen, sondern lediglich ein radikaler Schnitt. Alle 46 Bäume in der Frankfurter Straße sind erkrankt. Stadtsprecher Matthias Müller kündigt an: „Sie werden im nächsten Jahr ausgetauscht.“

Wurzel und Ballen der Baumhasel sind von der Verticillium-Welke befallen. Gutachter diagnostizierten jetzt den Pilzbefall, gegen den es kein wirksames Gegenmittel gibt. Die Kosten für die Neupflanzung betragen rund 170.000 Euro. „Die exakte Summe wird derzeit ermittelt. Die notwendigen Mittel sollen im Haushalt 2013 veranschlagt werden“, so Müller.

Einige Bäume hatten keine Blätter mehr

Der Eindruck vieler Passanten wird nun bestätigt: Die Baumhaseln in der Frankfurter Straße haben in den vergangenen Jahren nicht mehr so kräftig ausgetrieben wie üblich. Müller als Überbringer der schlechten Nachricht: „Sie zeigten Welke-Erscheinungen.“ Sprich: Einige Bäume hatten keine Blätter mehr.

Den Anblick müssen Offenbacher in diesem Sommer nochmals ertragen; der Austausch erfolgt definitiv 2013 - schließlich sind Pflanzzeiten zu berücksichtigen. Außerdem sind sich die Experten uneins, ob es wieder auf Baumhaseln hinausläuft oder eine andere Art das raue Stadtklima besser verkraftet.

Pilz dringt über die Wurzeln in den Baum ein

Zur Geschichte: Im Mai 2011 beauftragte das Bauamt einen Gutachter mit der Ursachenerforschung. Dieser ließ zunächst vier abgestorbene Bäume fällen und die Baumgruben öffnen, um Wurzelballen, Substrat und Beschaffenheit der Grube zu untersuchen. Gerade in den Innenstädten sind Bäume vielen schädigenden Belastungen ausgesetzt: Trockenheit, starke Strahlung, Schadstoffe in der Luft und im Boden, anhaltend starker und trockener Wind im Sommer und einer Vielzahl von Schädlingen übers Jahr.

Die ersten Untersuchungen erbrachten kein aussagekräftiges Ergebnis. Deshalb wurde im September ein fünfter, absterbender Baum begutachtet. Der Experte entnahm aus Teilen des noch lebenden Gewebes eine Probe und analysierte sie im Labor. Erst da konnte der Verursacher, der Pilz Verticillium, identifiziert werden. Der Pilz dringt über die Wurzeln in den Baum ein und breitet sich in seinen Leitungsbahnen aus. Hier werden Toxine ausgebildet. Der Baum beginnt zu welken und stirbt ab. Die Untersuchung zeigte auch, dass sich die Pilzinfektion über das Baumgrubensubstrat verbreitet hat.

Gegen den Verticillium helfen keine chemischen Mittel

Die düstere Prognose: In absehbarer Zeit werden alle Bäume in der Fußgängerzone betroffen sein. Feststellung des Gutachters: „Für das weitere Vorgehen bedeutet der Befund, dass alle Baumhaseln gefällt werden müssen und das Baumgrubensubstrat vollständig auszutauschen ist.“ Der Austausch erfolgt in einem Zug, damit nicht alte infizierte Bäume den Pilz auf die neuen Pflanzungen übertragen. Das neue Stadtgrün muss wohl oder übel aus der Stadtkasse bezahlt werden: Die Verwaltung beurteilt es eher zurückhaltend, ob eine Regress-Forderung an Dritte möglich ist.

Die Stadt hat jetzt intensiv geprüft, ob damals der Schaden schuldhaft verursacht wurde. Diese Frage kann verneint werden. Die Baumhasel in der Frankfurter Straße wurde während ihres Umbaus im Jahr 1999 gepflanzt. Zu jenem Zeitpunkt war eine Prüfung des Baumsubstrats auf Verticillium-Verunreinigungen nicht Vorschrift. Der Pilz befällt nicht alle Baumarten, aber auch Sträucher und Nutzpflanzen. Er liebt Wärme und Feuchtigkeit. Der Schädling hat sich etwa bei Erdbeerpflanzen in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet.

In den Niederlanden gibt es Gebiete, in denen 60 Prozent der Gemüsepflanzen infiziert sind. Gegen den Verticillium helfen keine chemischen Mittel. Notwendig ist ein Austausch der Erde.

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