Jahrelanger Streit wegen Eschen

Bäume weg, Wurzeln da, Ärger bleibt

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Fällung der drei „Streit-Bäume“ an der Buchhügelallee. Mitarbeiter der EVO zerlegen eine der zwei Eschen. Ein Mammutbaum wurde ebenfalls entfernt.

Offenbach - Die Stadt musste einknicken, ihre Verantwortung gesteht sie aber nicht ein. Denn das könnte zum Präzedenzfall und damit noch teuer werden. Von Ronny Paul 

Drei Bäume sind an der Buchhügelallee gefallen, deren Wurzeln in Verdacht standen, ein benachbartes Eigenheim beschädigt zu haben. Eigentümerin Ute Maul bringt das erstmal nicht weiter. Die Risse, die sich durch ihre Fassade ziehen, bleiben. Ein Gutachter hatte, wie berichtet, die Schuldigen ausgemacht: Städtische Straßenbäume, die dem Tongrund unter dem Haus Wasser entzogen und so massive Setzrisse verursachten.

Das Gebäude sei in den vergangenen Jahren um einige Millimeter zur Straße hin abgesackt, erzählt die Besitzerin. Die Stadt indes zweifelte das Gutachten an, der Fall landete vor dem Darmstädter Landgericht. Das hat letztlich eine einstweilige Verfügung erlassen: Die Stadt Offenbach muss die drei „Streit-Bäume“ fällen lassen. Im Gegenzug ließ Ute Maul eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt fallen.

Keine Übernahme der Schuld

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Mit dem Auftrag an die Baumtruppe des Dienstleisters ESO will sich die Stadt allerdings keineswegs zur Übernahme der Schuld und zur finanziellen Begleichung der Schäden bekennen: „Wir haben einen Gutachter der Dekra zur Beweissicherung eingeschaltet, damit haben wir den Fall in neutrale Hände gelegt und warten ab, was dabei herauskommt“, teilt der städtische Sprecher Matthias Müller mit.

Diplom-Ingenieur Reinhold Hoffmann hat bereits mit der Schadensaufnahme begonnen und an mehreren Punkten sogenannte Rissmonitore installiert, um eine qualitative und quantitative Erfassung von Veränderungen zu ermöglichen. Dies sei ein probates Mittel, um Bewegungen an der Gebäudesubstanz festzustellen, erklärt er. Mit einem Ergebnis sei im Januar zu rechnen. Familie Maul sitzt unterdessen weiter im brüchigen Haus und auf ständig wachsenden Kosten: „Allein die Anwalt- und Prozesskosten hätten mit einer zeitnahen Fällung vermieden werden können. Von den seitdem entstandenen Schäden ganz zu schweigen.“ Die Mauls befürchten, die Stadtverwaltung wolle, wie in anderen Fällen zuvor, die Angelegenheit aussitzen und hoffe auf ein Einknicken ihrerseits.

Zwar teilt sie sich die Gerichtskosten bereits mit der Stadt. Doch die ganz großen Summen kämen erst mit der Sanierung des Hauses auf sie zu: „Die Risse sind seit Sommer immer größer geworden, neue sind dazugekommen. Wir müssen was am Haus tun, sonst sackt es bald in sich zusammen“, befürchtet Maul. Die Abholzung sei lediglich ein erster Schritt.

Streit-Bäume in Offenbach gefällt

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Egal, ob das Gebäude mit Pfahlkonstruktionen gestützt oder unterspritzt wird: Eine Sanierung wird die bisherigen Kosten noch einmal gehörig übertreffen, prognostiziert Mauls Anwalt Hans-Steffen Bimboese. Er prozessiert seit 2009 gegen die Stadt. Für ihn sind die Verantwortlichen unbelehrbar: „Die Gutachter Meßmer und Kuntsche haben doch die Wurzeln der Stadtbäume als Verursacher ausgemacht. Unsere Anliegen wurden bisher immer mit nichtssagenden Argumenten beantwortet.“ Er schließt jetzt eine Schadensersatzklage nicht aus.

Ute Maul hofft inständig, dass sich die „unendliche Baumgeschichte“ bald zum Guten wendet und das Haus –vom Schwiegervater 1968 erbaut – wieder instandgesetzt werden kann: „Hoffentlich hat die Stadt bald ein Einsehen und übernimmt die finanzielle Verantwortung.“

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