Hessenring 59 und 61

Bagger reißt auch lokale Historie ein

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Bagger beißen sich am Hessenring 59 und 61 durch Steine, die für viele Offenbacher mit dem Else-Herrmann-Haus auch ein Stück liebgewonnene Geschichte sind.

Offenbach - Die Parlamentarier stimmten im Januar einstimmig zu, jetzt vollziehen Bagger den Beschluss und markieren das Ende einer Ära: Das ehemals städtische Areal Hessenring 59 und 61 wird freigeräumt für das Gemeinnützige Siedlungswerk (GSW).

 Das Wohnungsunternehmen der Bistümer hat einen Bauantrag gestellt und wartet auf die Genehmigung, dort eine Anlage mit 37 Mietwohnungen und Quartierssaal zu errichten, der als Ersatz für das Else-Herrmann-Haus vorgesehen ist. Über Details will das Siedlungswerk verständlicherweise erst sprechen, wenn die Ämter grünes Licht gegeben haben. Lokalpolitisches Gezänk gab es im Vorfeld ohnehin genug. Peter Freier sah seinerzeit die Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Gut für die Nutzer, schlecht für die Stadt“, bewertete der CDU-Fraktionschef das Geschäft. Die Rede war von einem „Verscherbeln städtischen Vermögens“, da von dem Verkaufserlös – zirka 1,65 Millionen Euro – „lediglich 527.000 Euro“ in der notorisch klammen Stadtkasse ankommen.

Warum? Das ist im Punkt 12 der Vorlage begründet: Der Käufer verpflichtet sich, „im Erdgeschoss des 1. Bauabschnitts eine Altentagesstätte gemäß der vorgelegten Projektplanung zur Anmietung und Nutzung durch die Stadt Offenbach zu errichten“. Die ist gedacht als Ersatz für das Else-Herrmann-Haus, das als „Ort der Begegnung“ überwiegend von älteren Offenbachern genutzt, aber als alt und dringend sanierungsbedürftig eingestuft wurde. Gerade der künftige Betrieb sorgte schon für Unruhe: Die Offenbacher Christdemokraten stoßen sich daran, dass „die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt die Trägerschaft behalten soll, ohne dass es eine Ausschreibung an andere Sozialträger gegeben hat“. Das stand nach Meinung der SPD aber nie zur Disposition: Es gehe faktisch um einen Ersatzneubau für die Einrichtung. Mehr nicht.

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mk

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