Baggerbiss von zwei Seiten

Offenbach - Was lange währt... In diesem Fall muss das Ergebnis ja besonders gut werden. Seit gut 25 Jahren wird diskutiert, gestritten und geplant. Nun endlich beginnt der Bau der Bürgeler Ortsumfahrung; und da wollen es die Verantwortlichen wohl allen zeigen. Von Martin Kuhn

Gleich von zwei Seiten arbeiten sich Firmen am Mainzer Ring ab. Zwischen Schönbornstraße und Edel-Gasch-Straße wird die bisherige Baustraße fertig gestellt. Aber auch am anderen Ende der Entlastungs- und Erschließungspiste (Rumpenheimer Straße/Ecke Anhalter Straße) beißen Bagger das Erdreich weg. Sie werden schon nach wenigen Metern die Schaufeln schließen. Sie arbeiten sich lediglich bis zu dem städtischen Gelände vor, auf dem die neue Wache für die Rumpenheimer Feuerwehr entsteht.

An den Weiterbau der Baustraße (gut 200 Meter Asphalt, sechs Betonkübel) glaubten immer weniger; das Projekt sorgte bereits für Frotzeleien. Dabei, verwiesen die Verantwortlichen aus dem Rathaus stets an die Behörden in der Landeshauptstadt. Nicht ohne Grund: Das Land Hessen fördert das Projekt zu 75 bis 85 Prozent mit Mitteln aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und dem Finanzausgleichsgesetz. Auf eben diese Mittel wartete die Stadt bislang vergebens.

Nun rückt die lange erwartete Inbetriebnahme der Umgehung näher: Anfang Februar starteten die Arbeiten am zweiten Teilabschnitt des Mainzer Rings. Stück für Stück sind dann weitere, vom Land geförderte Baumaßnahmen geplant. Bis 2012 soll das Straßenbau-Vorhaben abgeschlossen sein. Länge: 1,6 Kilometer. Kosten: 13 Millionen Euro.

Oberbürgermeister Horst Schneider sagt zum neuerlichen Baubeginn: „Der Mainzer Ring ist einer der wichtigsten Verkehrsbauten in unserer Stadt. Er entlastet die Anwohner im Ortskern. Wir waren bereit, nach dem Beschluss der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung im Jahr 2004 das Projekt in einem Stück durchzuziehen und haben Zuschüsse beantragt. Leider wurden und werden die Förderbescheide nur abschnittsweise bewilligt. Bei der Vergabe der Mittel stehen die Bauvorhaben der Stadt Offenbach in Konkurrenz zu vielen anderen Planungen in der Region, so dass die Gelder nur sukzessive fließen.“ Die Krux: Ohne einen konkreten Bewilligungsbescheid für einen Abschnitt darf die Stadt nicht weitermachen. Das ist gesetzlich so geregelt. „Falls sich jetzt aus dem Konjunkturprogramm eine Möglichkeit für einen zügigeren Ausbau ergibt, werden wir diese nutzen“, so der Verwaltungschef.

Hans-Joachim Bier-Kruse, stellvertretender Leiter des Amtes für Stadtplanung und Baumanagement, erinnert sich vieler Briefe von Bürgelern, die er bekommen hat. Bereits damals beklagten sich die Anwohner über den Durchgangsverkehr auf der Kreisstraße (K 192) im Ortskern. Derzeit rauschen hier täglich etwa 11 000 Fahrzeuge entlang, nach Fertigstellung des Mainzer Rings wird sich der Verkehr nach der Einschätzung der Planer halbieren.

Um das zu erreichen, wird nun nach der Bewilligung der nächsten Fördertranche durch das Land der 500 Meter lange 2. Teilabschnitt zwischen Schönbornstraße und Edel-Gasch-Straße auf einer Breite von 6,50 Metern fertig ausgebaut. „Wir standen längst in den Startlöchern und warteten seit Mitte Januar auf die passende Witterung“, heißt es aus dem Bauamt. Bis Ende August entstehen auf dem Abschnitt ein Gehweg, beidseitige Radwege, Parkplätze sowie Sicherheitsstreifen und Grünflächen (siehe Plan links). Die Bepflanzung, die dem Mainzer Ring Alleen-Charakter geben soll, folgt bis Ende November. Parallel dazu wird, als vorgezogene Maßnahme für den 3. Teilabschnitt, eine Zufahrt für die Feuerwehr von der Rumpenheimer Straße angelegt.

Voraussichtlich 2010 folgt der Endausbau zwischen Edel-Gasch-Straße und Rumpenheimer Straße. Abschließend steht bis 2012 der Abschnitt zwischen Ketteler Straße und Schönbornstraße an. Strittig ist weiter die Anbindung die Rings an die Mainstraße. Da die Arbeiten auf der grünen Wiese erfolgen, gebe es keine Belastungen für die Anwohner, verspricht Bier-Kruse. Nach Fertigstellung übernehme der Mainzer Ring die Funktionen einer Kreisstraße; die K 192 werde zur Gemeindestraße umgewidmet. Der Mainzer Ring ist aber dann nicht nur Ortsumgehung, sondern erschließt auch das Neubaugebiet Bürgel-Ost, in dem einmal mehr als 1 000 Menschen wohnen sollen. Versprochen wird zudem mehr Ruhe und gestiegene Lebensqualität im Ortskern rund um den Dalles.

„Gibt es Geld aus dem Konjunkturprogramm vom Land“ so Horst Schneider abschließend, „geht alles viel schneller. Denn das Baurecht steht seit langem“.

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