Vorreiter „DeinBus“

Bahn-Angreifer scharren mit Hufen

Offenbach (al) - In Deutschland öffnet sich ein neuer Markt. Mit der Freigabe des Fernbusverkehrs geht eine ganze Reihe von Unternehmen an den Start. Ein Vorreiter ist das Offenbacher Unternehmen „DeinBus“.

Das Unternehmen, das bereits seit 2009 Mitfahrgelegenheiten per Bus organisiert und inzwischen auch feste Busverbindungen anbietet. „DeinBus“ wurde bundesweit bekannt, weil die Deutsche Bahn gegen die drei Jungunternehmer Alexander Kuhr, Ingo Mayr-Knoch und Christian Janisch klagte. Der David „DeinBus“ konnte sich jedoch im Vorjahr gegen den Goliath Bahn durchsetzen: Die Klage der Ex-Monopolisten wurde abgewiesen. Nachdem nun auch im September das Personenbeförderungsgesetz reformiert worden ist, will DeinBus richtig durchstarten: „Im Januar planen wir eine große Expansion. Unser Ziel ist es, bis 2015 bundesweit Busse fahren zu lassen“, so Ingo Mayr-Knoch gestern gegenüber unserer Zeitung.

Neu im Angebot von DeinBus seien jetzt Touren von Frankfurt nach Tübingen, Heidelberg und Stuttgart, die pro Strecke ab neun Euro kosten. Insgesamt fahre DeinBus inzwischen 15 Städte mit mehreren Verbindungen täglich an. 13 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in der Ludwigstraße inzwischen. „Wir suchen weiterhin gute Leute“, unterstreicht Mayr-Knoch. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Auch das erst vor 18 Monaten in Berlin gegründete Startup MFB MeinFernbus will gemeinsam mit mittelständischen Busunternehmen noch 2012 acht Linien mit 30 Bussen bedienen. Ab 29. November starten zwei neue Linien, die Frankfurt mit Leipzig und Zürich verbinden. „Wir planen einen schnellen Netzausbau in ganz Deutschland“, so MFB-Geschäftsführer Torben Greve.

Noch viele Plätze frei

Neben den jungen, schnellen Bus-Pionieren sind auch etablierte Anbieter auf dem Sprung. Die Deutsche Touring GmbH in Frankfurt hat etwa 40 ihrer Verbindungen ins europäische Ausland identifiziert, auf denen sie ab Jahresbeginn auch innerdeutsche Tickets ausstellen will. „Wenn wir von Hamburg in Richtung Italien fahren, haben wir vor allem zu Beginn der Tour noch eine Menge Plätze frei. Die werden wir ab Dezember vermarkten“, sagt Geschäftsführer Frank Zehle. Viele zusätzliche Angebote innerhalb Deutschlands wird es bei Touring auch aus Rücksicht auf den Anteilseigner National Express nicht geben. Der britische Transportriese will mit zunächst fünf Linien selbst auf dem deutschen Markt angreifen.

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Die Deutsche Bahn, größter Busbetreiber der Republik und Platzhirsch im über Jahrzehnte aus politischen Gründen geschützten Berlin-Verkehr, hat weitreichende Ausbaupläne ihrer Fernbusflotte zunächst aus Kostengründen auf Eis gelegt. Man werde sich weiterhin dem Wettbewerb im innerdeutschen Buslinienfernverkehr stellen, erklärte ein Sprecher in Berlin. „Zu Auswirkungen auf den Schienenfernverkehr können wir zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.“ Derzeit zählt der bundeseigene Konzern im Fernverkehr auf der Schiene rund 125 Millionen Kunden pro Jahr.

Keine Konkurrenz zur Bahn

Die zu erwartenden Auswirkungen der neuen Konkurrenz auf Verbindungen oberhalb von 50 Kilometern sind zumindest laut einer Studie der TU Dresden eher gering. Auf gut fünf Prozent schätzt der Wissenschaftler Christian von Hirschhausen den möglichen Busanteil im Fernverkehr bis 300 Kilometer, was vor allem zulasten des Autoverkehrs erreicht werden könne. „Auf den Premium-Strecken der Bahn werden wir kaum Konkurrenz machen können“, sagt Dieter Gauf, Hauptgeschäftsführer des Internationalen Bustouristik Verbandes. Dennoch gebe es genug interessante Verbindungen, auf denen die Busse ihre Vorteile ausspielen könnten.

Die Gewerkschaften wollen darauf achten, dass Billig-Angebote nicht auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Kritisch fragt Verdi nach Lenkzeiten und Tariftreue. Die Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnt vor Lohndumping. „Billiger als die Konkurrent werden manche Anbieter auf Dauer nur sein können, wenn sie die Löhne ihrer Mitarbeiter absenken. Die Zusage, dass alle beteiligten Unternehmen Tariflöhne zahlen, werden wir kritisch hinterfragen“, sagt der EVG-Chef Alexander Kirchner.

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