Weiterhin Ärger mit zu kurzen Zügen

„Es gibt keinen Fahrzeug-Engpass“

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Offenbach - Kurzzug statt Vollzug: Wiederholt hatten Berufspendler Ärger mit einer überfüllten S8, die frühmorgens ab Offenbach in Richtung Flughafen fährt. Die Bahn sprach gestern von Streikauswirkungen und technischen Problemen. Von Michael Eschenauer 

Ab Montag würden S8 und S9 ohnehin ausschließlich mit neuen Zügen verkehren. Der Rodgauer Frank Zimmer hatte uns wiederholt auf den Einsatz von Kurzzügen zur Rush-Hour um 5.28 Uhr aufmerksam gemacht. Gerade am Montag dieser Woche seien rund 20 Leute mit Koffern auf dem Bahnsteig Offenbach-Ost zurückgelassen worden, weil in dem Kurzzug einfach kein Platz mehr gewesen sei.

Der Rest habe sich gefühlt wie Hühner in der Legebatterie. Der Lokführer, so Zimmer, habe ihm gegenüber, davon gesprochen, dass „der TÜV“ für viele Wagen abgelaufen sei - mit der Folge, dass man am rollenden Material sparen müsse. Neue technische Überprüfungen spare man sich bei der Bahn, weil am kommenden Montag ohnehin nur noch neue S-Bahnen auf den Strecken S8 und S9 eingesetzt würden.

Bahn hat 100 Züge gekauft

Petra Eckweiler, Sprecherin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), reagierte leicht genervt auf die wiederholt auftretenen Probleme. Sie betonte, man habe auf jeden Fall einen Vollzug bestellt, und bemerkte schmallippig, diese Mängel werde man bei der Bahn zur Sprache bringen. Ein mit den Vorwürfen konfrontierter Bahnsprecher sagte gestern, es habe in den vergangenen vier Wochen lediglich bei vier der 5.28 Uhr-Verbindungen wegen Streikauswirkungen oder technischer Probleme Kurzzüge oder Zugausfälle gegeben.

Die Darstellung des Zugführers, wegen abgelaufener Wartungsfristen habe man nicht genügend Fahrzeuge und versuche, während der Restlaufzeit bei den technischen Abnahmen zu sparen, sei abwegig. Auch wenn man ab Montag neue S-Bahnen auf die Schiene bringe, insgesamt hat die Bahn 100 Züge gekauft, würden selbstverständlich die Wartungs- und Fristarbeiten so durchgeführt, dass man einen ausreichenden Bestand an einsatzfähigen Fahrzeugen vorhalten könne. „Es gibt keinen Fahrzeug-Engpass“, so der Sprecher.

Austausch der ältesten S-Bahnen

Insgesamt versprach er den Fahrgästen ein deutliches Mehr an Komfort. Die Linie S1 sei bereits komplett auf die neuen Fahrzeuge des Bautyps 430 umgestellt. Das Gleiche gelte für die S7. Auf der S2 setze man schon immer modernisierte Fahrzeuge des Typs 423 ein. Diese Wagen seien zwar zehn Jahre alt, man habe sie aber auf den Standard der Neufahrzeuge, besonders beim Fahrgastkomfort, gebracht. Die ältesten S-Bahnen (Typ 420), deren Konzept noch aus den 70er Jahren stamme, würden nur noch vereinzelt auf den Linien S8 und S9 eingesetzt. Hier erfolge am kommenden Montag ein kompletter Austausch gegen die nagelneuen Züge des Typs 430 auf allen Verbindungen.

Auch bei einem anderen Problem hat sich laut Bahn die Lage entspannt. Auf den Linien S1 war es bei den Neufahrzeugen durch das irrtümliche oder missbräuchliche Drücken der „Ruftasten für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste“ zu Verzögerungen gekommen. Nach einer Umbauaktion gebe es die Ruftasten jetzt nur in den Innenbereichen, wo sich die Rollstuhlfahrer während der Fahrt aufhalten könnten, und außen in Höhe der für Behinderte geeigneten Mehrzweckabteile, so der Sprecher.

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