An der Bieberer Straße

Bahnüberführung in ganz neuem Licht

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Licht an! Der Blick wird durch die Illumination besonders auf die genieteten Eisenverbindungen gerichtet.

Offenbach - Jill lässt nicht locker. Sie zerrt und beißt, geht durch und durch. So auch am Donnerstagabend. Das Hochdruckgebiet schickt eiskalte Grüße. Unter der Bahnüberführung Bieberer,  Feld- und Hebestraße zieht’s vielleicht noch etwas mehr als üblich. Von Martin Kuhn

Inmitten der Kreuzung drängen sich Menschen. Ein ungewohnter Ort für eine solche Ansammlung. Es ist auch ein ungewöhnlicher Termin – die offizielle Illumination der Brückenkonstruktion.

Dieser Anlass lockt viele Gäste an die Ecke, an der sich viele Verkehrsströme kreuzen: Stiftung Lebendige Stadt, Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft und viele mehr. Und weil’s eben feierlich ist, reichen die Organisatoren gut gekühlten italienischen Schaumwein. Gut, dass sich die Gäste später an krossen und vor allem heißen Teigböden laben können, die Stadtplanerin Hanne Münster-Voswinkel von der nahen Pizzeria Campanella holt. Da greifen doch alle gern bibbernd zu!

„Hübsch, aber etwas dürftig“

Auch wenn’s ein Gast als „hübsch, aber etwas dürftig“ bezeichnet: Es ist ein Kontrast zum ehemals tristen Grau und Grün. Im Vergleich präsentiert sich die Überführung farbenfroh und vor allem hell. Münster-Voswinkel betont: „Genau das war Ziel.“ Wer von moderner LED-Technik Farbspiele erwartet, wird indes enttäuscht. Rein-weißes Licht setzt Akzente, Flächenstrahler leuchten den Raum aus. Auszubildende aus dem regionalen Handwerk hatten die Wände Ende 2012 mit Handwerksmeistern gestaltet. Das Motiv ist eine Idee des Limburger Graffiti-Künstlers Christian Wagner von „100 Herz Kreativkultur“.

Die aktuell mehr als 10.000 Lehrlinge in 120 handwerklichen Ausbildungsberufen seien die Zukunft der Metropolregion Frankfurt-Rhein/Main, sagte Handwerkspräsident Bernd Ehinger. „Es ist wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass die Gesellschaft nur vorankommt, wenn junge Menschen auch erfahren, wie modernste Techniken ganz praktisch einzubauen sind oder was traditionelles Handwerk leisten kann. Wir brauchen Leute, die die Zukunft in die Hand nehmen.“

Materialspenden und Geldspenden

Sind dem Ergebnis überaus zufrieden (von links): Handwerkspräsident Bernd Ehinger, Oberbürgermeister Horst Schneider und Dr. Roland Gerschermann (Stiftung Lebendige Stadt).

Malermeister Olaf Himmelberg begleitete die Arbeiten und konnte unter anderem Materialspenden von der Firma Sto und Geldspenden von der OVB einwerben. Das Amt für Stadtplanung hat die Idee für die Illumination entwickelt und erhielt dafür 25 000 Euro von der Stiftung Lebendige Stadt. Oberbürgermeister Horst Schneider sagte: „Die Eisenbahnüberführung ist ein Eingangstor zur Innenstadt. Da kommen jeden Tag viele Fußgänger, Radler und Autofahrer vorbei. Sie werden von der frechen, plakativen Gestaltung begrüßt und neugierig gemacht.“ Abends sei die Illumination ein Gewinn fürs Stadtbild.

Offenbach gehört zu 24 deutschen Städten, die von der Stiftung bei der Illumination von Bahnüberführungen jeweils mit 25 000 Euro gefördert werden. Das von der Stiftung initiierte Illuminationsprogramm umfasst 31 Projekte. Verbunden ist damit das Ziel, dunklen Raum durch eine moderne, künstlerisch gestaltete Beleuchtung erlebbar zu machen und die meist mit der dunklen Straßenunterführung verbundene Trennung städtischen Raums zu überwinden. Dabei kommt energieeffiziente LED-Technik zum Einsatz, die gleichzeitig Umwelt und öffentliche Kassen schont.

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Stiftungsratsmitglied Dr. Roland Gerschermann: „Die Illumination ist hervorragend gelungen. Es freut mich, dass die Stadt das Angebot zur Aufwertung öffentlichen Raums genutzt hat.“ Weitere Informationen: www.lebendige-stadt.de.

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