Balkenbrücke eckt an

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Die Tage der Carl-Ulrich-Brücke sind gezählt. Die Stadt stellt an das neue Bauwerk höhere architektonische Ansprüche.

Offenbach - Eine Mainquerung von Offenbachnach Frankfurt sorgt für Streit. Nicht zwischen den Kommunen. Die Stadt legt sich mit der hessischen Straßenverwaltung an. Von Martin Kuhn

Die Baumaßnahme ist unstrittig: Ein Ersatz für die Carl-Ulrich-Brücke muss her. Strittig ist die Ausbaustufe der Landesquerung. Kurz: Wiesbaden will mit Blick auf die Finanzen eine kostengünstige, Offenbach mit Blick auf die Hafen-Entwicklung samt HfG-Neubau eine repräsentative Variante. „Jetzt ziehen wir die Reißleine“, offenbart Oberbürgermeister Horst Schneider eine kämpferische Haltung. Einem Verzicht der Planfeststellung, wie vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) erhofft, stimmt die Stadt nicht zu.

Lediglich eine eingeschränkte Lebensdauer geben die Experten der Carl-Ulrich-Brücke zwischen Offenbach und Fechenheim. Spätestens 2011/2012 soll an Ort und Stelle mit einem Ersatzbau begonnen werden. Baulastträger ist das Land Hessen. Über die 1953 errichtete Main-Überführung verläuft die Landesstraße 3001. Neben der Kaiserlei-Brücke ist sie die einzige Mainbrücke im Offenbacher Stadtgebiet – und entsprechend viel befahren.

Verwaltungschef hofft auf Einsicht bei den Brückenbauern

Jetzt etwas für Brückenexperten: Bei der Gestaltung hat sich das ASV für eine gevouteten Balken entschieden. Die Stadt hätte gern einen Bogen, oder gar eine filigrane Schrägseil-Konstruktion. Klar, dass die Offenbacher sauer sind und von einer „Einfachlösung“ oder „Billigvariante“ reden. Laut Stadtverwaltung ist der Kostenfaktor gar nicht so groß: Der ASV-Vorschlag koste 12,8 Millionen Euro, die OF-Alternative 13,5 Millionen Euro. Ist nicht denkbar, dass Offenbach die Finanzierungslücke schließt? „Nein. Das ist zu hundert Prozent Sache des Landes“, so Horst Schneider.

Der Verwaltungschef hofft dennoch auf Einsicht bei den Brückenbauern. Er schlägt sozusagen eine Brücke. Für den Neubau haben die Experten annähernd zwei Jahre eingeplant. Eine Baustelleneinrichtung verbietet sich am Fechenheimer Ufer, da es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. Für Lkw-Andienung, Materiallager und Unterkünfte muss das Mainvorgelände herhalten. Schneider: „Das bedeutet für uns eine starke Einschränkung - etwa für Besucher der Messe oder des Capitols.“

Neue Brücke ist etwa einen Meter breiter

Noch wichtiger ist dem Oberbürgermeister indes das Argument „Gestaltung“. Die Carl-Ulrich-Brücke führt nicht wie auf Frankfurter Seite in ein Industriegebiet, sondern stadtbildprägend am neuen Hafenviertel vorbei mitten in die Innenstadt. Zudem möchte das Land seine Hochschule für Gestaltung im Offenbacher Hafen ansiedeln; das größte Entwicklungsareal im Rhein-Main-Gebiet in Wasserlage. Direkt am Fluss soll auf einer Fläche von gut 250 000 Quadratmetern ein Stadtteil entstehen. Tenor: Urbanes Leben am Fluss. Und dann eine Art Autobahnbrücke. „Das passt einfach nicht zusammen“, urteilen Stadtplaner.

Mal sehen, ob die Offenbacher Argumente auf Gehör stoßen. Klar ist letztlich nur die Vorgehensweise der Brückenbauer mit einem sogenannten Einschubverfahren. Die neue Brücke, die etwa einen Meter breiter ist, wird stromaufwärts neben der bestehenden Stahlbalkenkonstruktion auf Pontons errichtet und dann in die Lage der bisherigen Brücke eingeschoben. Parallel verschieben die Firmen die alte Brücke flussabwärts und zerlegen sie später. Vorteil: Die Verbindung zwischen Offenbach und Fechenheim wäre lediglich einen Monat gesperrt.

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