Bambus als Werkstoff entdeckt

Leichtrad Marke Eigenbau

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Das Bambusfahrrad von Arnulf Zapf erweist sich auch im Straßenverkehr als tauglich. „Stöße werden vom Material gut abgefedert“, so der Hobbybastler.

Offenbach - Weil ihm herkömmliche Carbonräder zu teuer waren, baute sich der Offenbacher Arnulf Zapf sein Leichtrad kurzerhand selbst – aus Bambus, Hanf und Harz. Von Jenny Bieniek

Vier Drahtesel nennt der 66-Jährige sein Eigen. Für seine neue Errungenschaft wäre die Bezeichnung „Bambusesel“ allerdings treffender. „Früher hab ich mein Rad nie abgeschlossen, aber an diesem klebt viel Herzblut. Das lass’ ich nirgends einfach stehen“, lacht der Offenbacher.

Viel Mühe hat Zapf in sein Leichtrad Marke Eigenbau gesteckt. Der Rahmen besteht aus Bambus, jener tropischen Graspflanze, deren Stängel äußerst stabil, aber leicht sind. Gesehen hat Zapf ein „Bambusbike“ erstmals im Internet. „Das kann ich auch“, dachte er sich.

Im Netz fand Zapf Informationen

Im Netz fand Zapf Informationen. Eine Maßskizze rechnete er auf seine Körpergröße um. Um die Sprossen zusammenzuhalten, verwendete er im ersten Versuch eine Verbindung aus Hanf und Harz. „Sieht zwar wüst aus, hält aber“, so der Hobbybastler. „Wenn man etwas handwerklich begabt ist, ist das überhaupt kein Problem.“

Ihn wundert, dass nicht viel mehr Leute diese Idee haben. Weil sich der Prototyp als zu groß für den 1,70-Meter-Mann herausstellte, baute er ihn auseinander und begann von vorn. Im zweiten Anlauf nutzte er statt des Hanfs dann Kohlefasern – „sieht einfach eleganter aus“.

Das überarbeitete Modell

Das überarbeitete Modell testet Arnulf Zapf derzeit auf Stabilität und geizt weder mit Tempo noch mit Stößen. Weil er mit 110 Kilogramm Körpergewicht auf Nummer sicher gehen wollte, hat er den unteren Teil mit Carbon verstärkt. Bauschaum in den Bambusrohren sorgt für Stabilität. „So besteht keine Bruchgefahr, falls der Bambus splittern sollte“, erklärt der Experte. Dank des flexiblen Materials federt das Rad Stöße wunderbar ab. „In Deutschland gab’s Bambusräder bereits früher, Metall war im Krieg rar“, weiß der Elektroinstallateur. „Die wogen auch nur neun Kilo – ohne Hightech.“

Sein aktuelles Bambusvelo hat der Vater dreier Töchter motorisiert und damit auf etwa 20 Kilo „gemästet“. Der passionierte Modellflieger legt regelmäßig einige Kilometer zurück, um sein Spielzeug zurückzuholen. „Teilweise mit mehren 100 Metern Höhenunterschied, da ist ein Motor ungemein praktisch.“ Aber auch verführerisch: „Je älter man wird, desto fauler wird man.“

Fahrradbau ein gutes Lernprojekt

In Zapfs Augen ist so ein Fahrradbau ein gutes Lernprojekt, das Schulen im Werkunterricht anbieten sollten. „Viele Jugendliche haben keine Ahnung mehr von Rädern.“ Seine 24-jährige Tochter sei da keine Ausnahme. „Wenn mir die Kette reißt, hab ich das in zehn Minuten behoben, aber sie?“

Dabei ließe sich das Projekt mit einfachsten Mitteln realisieren. „Für 20 Euro ein gebrauchtes Fahrrad kaufen, zersägen und umbauen. Bambus gibt’s im Gartencenter, Hanf im Sanitärbedarf“, lautet der Vorschlag. Die Materialkosten für Zapfs Gefährt beliefen sich ohne Motor auf rund 50 Euro. Sein Tipp: Erst genau durchdenken, dann machen. Die Geometrie sei wichtig, „sonst bricht es.“ In der Summe kämen maximal 15 Stunden Arbeit zusammen, großzügig gerechnet.

Ein Anhänger ist denkbar

Zapf hat bereits neue Ideen. Als nächstes soll ein leichtes Bambusvelo bis maximal zehn Kilo für die jüngste Tochter her, auch ein Anhänger ist denkbar. Indes: Ein Damenfahrrad lässt sich mit Bambus schlecht bauen. „Da fehlt ein Winkel. Das zweite Dreieck ist für die Stabilität ungemein wichtig.“

Sein nächstes Modell soll „sehr sportlich“ werden. Eine Art Mountainbike, vielleicht mit Felgen und Schutzblech aus Bambus. „Das ist teuer“, weiß der Tüftler, „da gehen locker 400 Euro drauf“. Ohnehin seien Schutzbleche nicht mehr angesagt. „Die jungen Leute fahren lieber mit einem braunen Streifen am Rücken“, amüsiert sich Zapf.

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