Fast 300.000 Euro Schaden

Razzia bei junger Automatenknacker-Bande

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Frankfurt/Offenbach/Obertshausen - Eine Jugendbande soll über 400 Süßigkeiten- und Getränkeautomaten in Bahnhöfen und S-Bahnstationen im Rhein-Main-Gebiet geknackt haben. Auch in Offenbach und Obertshausen durchsuchte die Polizei deshalb Wohnungen. Von Thomas Kirstein

Das unselige Wirken der Bande um den 19-jährigen Leon K. aus Bieber-Waldhof war in dieser Zeitung schon mehrfach Thema. Seit Anfang 2014 schädigen er und seine Komplizen in immer wechselnden Besetzungen die Offenbacher Firma Hofmann, die als Monopolist die S-Bahn-Strecken in Teilen Süddeutschlands mit Getränke- und Imbiss-Automaten bestückt. Mehr als 400 Aufbrüche in anderthalb Jahren füllen inzwischen die Akten. Der direkte Schaden an den Automaten liegt zwischen 250.000 und 300.000 Euro. Die Beute – entwendet wurden die Geldkassetten – wird auf 30.000 Euro beziffert.

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Geschnappt worden sind die Ganoven, die mit der Beute teils ihren Rauschgiftkonsum finanzieren, schon häufiger. Nach Aufnahme der Personalien durften sie wieder heim zu den Eltern. Vor Gericht stand bislang aber nur Leon K. Trotz Bedrohung einer Zeugin mit dem Messer kam er mit 18 Monaten auf Bewährung davon. Was ihn nicht davon abgehalten haben soll, unverdrossen weiter zu knacken. Die für Bahnanlagen zuständige Bundespolizei hatte vor einigen Monaten ihre Inspektion Kriminalitätsbekämpfung mit der Diebstahlserie betraut, um die mit ersten Festnahmen am Frankfurter Hauptbahnhof begonnenen Ermittlungen zu bündeln. Das mündete in der heutigen Razzia. Es seien „Gegenstände“ sichergestellt worden, sagte der Offenbacher Oberstaatsanwalt Alexander Homm, die Auswertung werde aber noch eine Woche dauern.

„Immerhin haben die Kerle einen Arbeitsplatz geschaffen“

Mit Untersuchungshaftbefehlen sei besonders aufgrund des jugendlichen Alters der Täter und der darum geltenden strengeren Voraussetzungen wohl nicht zu rechnen. Von den elf Beschuldigten gelten fünf als Hauptverdächtige. Dass die Jungkriminellen nicht in den Bau wandern, dürfte Frank Hoppe weiter an der Justiz zweifeln lassen. Der Technik-Chef von Automaten-Hofmann äußerte gestern die Erwartung, dass Leon und seine Kumpane in Untersuchungshaft wandern: „Ich sehe das als Bandenkriminalität an, das sind keine Dumme-Jungen-Streiche.“ Mit Bewährungsstrafen endende Verfahren fände Frank Hoppe nicht angemessen. Neulich hat er in der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Bericht über einen Bewährungshelfer gelesen, der bisweilen an manchen seiner Kunden verzweifelt, weil sie die Auflagen nicht erfüllen. Einen davon, im Artikel „Marvin Tulek“ genannt, hat Hoppe anhand des Deliktregisters identifiziert: „Das ist kein anderer als unser Leon K.“

Für diesen Marvin, sinniert der Sozialarbeiter laut FAZ, wäre es vielleicht besser, eine Weile in Jugendarrest zu gehen. 2500 Hofmann-Automaten stehen an S-Bahn-Strecken in Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Nordbayern und Baden-Württemberg. Die mehr als 400 Aufbrüche konzentrieren sich auf etwa 35 Geräte entlang der Rhein-Main-Linien, also von Hanau über Offenbach nach Rüsselsheim, in Frankfurts Innenstadt, in den Rodgau und Richtung Darmstadt. 700 Euro schlagen im Schnitt je Reparatur zu Buche. „Eine kleinere Firma als wir wäre schon längst pleite“, ist sich Frank Hoppe sicher.

Versichert werden kann nichts – die Prämien wären ruinös. In der genannten Schadenssumme fehlen nicht exakt bezifferbare Positionen wie Lager- und Stromkosten, Umsatzeinbußen und eine besondere Ausgabe, die Hoppe sarkastisch kommentiert. „Immerhin haben die Kerle einen Arbeitsplatz geschaffen: Wir mussten extra eine Mitarbeiterin einstellen, die ausschließlich mit der Verwaltung der Aufbrüche beschäftigt ist.“

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