2022 laufen für mehr als 50 Künstler-Ateliers die Mietverträge aus

Bangen um Zollamt-Studios in Offenbach

Alwin Dorok, Andrea Blumör und Karl Heinz Thiel (von links) sorgen sich um die Zukunft des Atelierhauses in der Frankfurter Straße 91.
+
Alwin Dorok, Andrea Blumör und Karl Heinz Thiel (von links) sorgen sich um die Zukunft des Atelierhauses in der Frankfurter Straße 91.

Unspektakulär, ja regelrecht trist sieht das Gebäude gegenüber dem Ledermuseum von außen aus. Lediglich der Schriftzug „Zollamt-Studios“ über dem Eingang verrät, dass sich im Innern mehr verbirgt, als man auf den ersten Blick erahnt. Mehr als 50 Künstler-Ateliers beherbergt der 50er-Jahre Bau, der einst als Beschaffungsamt der Bundeszollverwaltung fungierte. 2014 mietete die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) das leer stehende Gebäude vom Bund, seitdem vermietet sie es an lokale Kreative weiter. Die entsprechenden Verträge laufen im April 2022 aus. Was mit den Zollamt-Künstlern und ihren Ateliers dann geschieht, ist derzeit unklar.

Offenbach - „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Malerin Andrea Blumör. Gemeinsam mit Buchkünstler Karl Heinz Thiel und Maler Alwin Dorok, ebenfalls Zollamt-Mieter, hat sie sich an die Vermietergesellschaft gewandt. „Aber die GBO hält sich bedeckt“, so Dorok. Deren Antwort habe sinngemäß gelautet: „Aus unserer Sicht könnt Ihr gerne bleiben, aber wir wissen nicht, wie sich der Bund verhält.“ Auch, bis wann die Unklarheiten voraussichtlich beseitigt sind, können Blumör, Thiel und Dorok nicht in Erfahrung bringen.

Die fehlende Planungssicherheit beunruhigt die drei. „Mitunter wird kolportiert, dass die GBO das Haus kaufen möchte“, sagt Karl Heinz Thiel. „Aber auch, wenn sie das tut, weiß man nicht, was sie dann damit macht.“ Da es sich um eine gute Lage handle, sehe man die Gefahr, dass das Zollamt womöglich einer Wohnungsbebauung weichen müsse. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch genauso Spekulation wie die Überlegung, ob die Stadt vielleicht ab 2022 ein anderes Gebäude für die Ateliers finden kann. Dorok, Thiel und Blumör haben jedenfalls großes Interesse daran, dass das Konzept weitergeführt wird. „Ansonsten müssen wir eben doch nach Berlin“, so Blumör. „Aber das wollen wir nicht.“

Tatsächlich herrscht auch aufseiten der GBO noch Unklarheit, wie es mit den Zollamt-Studios weitergehen soll. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis: „Eine Verlängerung der Mietverträge ist unsere Zielsetzung.“ Man führe bereits entsprechende Gespräche mit den Verantwortlichen beim Bund. „Aber das kann in die eine oder in die andere Richtung ausgehen.“ Genaueres lasse sich noch nicht sagen.

Dass ein Haus voller Künstler für Offenbach als Kreativstadt von Bedeutung ist, weiß man auch im Rathaus. Im Koalitionsvertrag von CDU, FDP, Grünen und Freien Wählern heißt es im Unterpunkt „Museen, Kunst und Kultur“: „Für die Nutzer des Zollamtsstudios wird eine Anschlusslösung gesucht.“

Grünen-Sprecher Wolfgang Malik: „Die Zollamt-Studios haben eine Strahlkraft auf die Stadt und darüber hinaus. Wir haben deshalb ein starkes Interesse daran, dass die Leute dort bleiben können.“ Es werde daher langsam Zeit, dass die GBO ein Zukunftskonzept für die Mietergemeinschaft vorlege. „Es ist wichtig, dass die Künstler wissen: Wo geht’s hin?“

Das Zollamt beherbergt nicht nur Maler, sondern auch Fotografen, Designer, Musiker, ein Institut für Klangforschung und mehr. Andrea Blumör: „Wir möchten, dass die Leute in Offenbach sehen, was ihnen abhanden geht, wenn es so ein Haus nicht mehr gibt.“ Oder, wie Buchkünstler Karl Heinz Thiel es formuliert: „Wenn man sich Kreativstadt nennen will, muss man eben auch etwas dafür tun.“

Infos im Internet

zollamtstudios.de

Von Marian Meidel

Die Studio-Macher

Die Zollamt-Studios sind ein Projekt der Gemeinnützigen Baugesellschaft mbH Offenbach (GBO) und der städtischen Wirtschaftsförderung. Ein Beirat begleitet und kuratiert das große Kreativ-Projekt. Er setzt sich aus Annette Schroeder-Rupp (GBO) Jürgen Amberger (Wirtschaftsförderung), Heiner Blum (HfG), Loimi Brautmann (Urban Media Project), Anja Hantelmann (Künstlerin), Anny Öztürk (Künstlerin) und Ralph Philipp Ziegler (Amt für Kulturmanagement) zusammen. Im Erdgeschoss des Zollamts gibt es zusätzlich zu den Ateliers eine Projekt-Galerie der HfG, im ersten Obergeschoss findet sich das Institut für Klangforschung, eine Kooperation der HfG mit der Hochschule für Musik und Darstellende Künste Frankfurt, der Städelschule und der Akademie für angewandte Theaterwissenschaften Gießen. 

Zollamt-Studios in Offenbach

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare