Barrakudas: Wer guckt, hat schon verloren

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Joachim Ortlepp (Zweiter von links) stemmt den Lieblingspokal der Truppe, die Norbert Alix ins Leben gerufen hat. Auch Martina Robers (links) und Petra Becker freuen sich auf neue Paddler.

Offenbach - Vor drei Jahren mussten sich die Paddler fast noch um die Plätze balgen. „Damals waren wir 30 Leute“, erinnert sich Norbert Alix (67). Von Stefan Mangold

Der frühere Angestellte des Druckmaschinenherstellers Manroland ging Ende des Jahrhunderts durch den Betrieb und fragte, wer Lust habe, sich für das Rennen des Offenbacher Rudervereins (ORV) mit Kollegen ins Drachenboot zu setzen. Wenige waren das nicht. Und es blieb auch nicht bei dem einen Wettkampf im Ruderclub, dessen Bootshaus in Fechenheim liegt. Der drahtige Alix ist dort Mitglied.

Damals bildete sich in der Firma eine klassische Betriebssportgruppe. Die paddelt seit 14 Jahren aus Spaß und in der Hoffnung auf Pokale. Manroland trat früher als Sponsor auf, zahlte die Liege- und Startgebühren für das Boot. Das endete, als die Firma vor zwei Jahren Insolvenz anmeldete. „Dennoch ging es weiter“, sagt Petra Becker (53). Mit unter sieben Euro pro Kopf sind die monatlichen Kosten läppisch. Die Mannschaft nennt sich Roland-Barrakudas. Sie suchte damals nach einem kämpferischen Namen, der sich von anderen unterscheidet. „Dragons wollten wir deshalb nicht heißen“, erklärt Joachim Ortlepp (51).

Im Drachenboot gibt es zwei exponierte Positionen: Am Heck steht der Steuermann, vorn sitzt der Trommler. „Der einzige, der sieht, was hinter dem Boot passiert“, beschreibt Martina Robers (48) dessen privilegierte Stellung. Die Paddler wissen erst nach dem Zieleinlauf, wie das Rennen geendet hat. „Wer guckt, hat verloren“, skizziert Alix den angespannten Zustand auf den letzten Metern, wenn die Frauen oder Männer an der Trommel manchmal ihre Leute anfeuern wie Wetter auf der Pferderennbahn die von ihnen getippten Gäule.

Die Zieleinläufe fallen mitunter denkbar knapp aus: „Wir brauchen oft das Foto.“ Nur in Frankfurt, beim Rennen zum Museumsuferfest, läuft es anders. Dort gewinnt das Team, dessen Trommler als Erster auf die Glocke unter der Brücke haut. Mancher landete da schon im Fluss. Große Rennen gewannen die Barrakudas auch schon, wie 2005 im Finale beim ORV. Noch süßer schmeckten die Triumphe von 2009 und 2010 auf dem Neckar, auch wenn sich der gewichtige Pokal nur schwer stemmen lässt. Damals musste der Konkurrent der Firma, die Heidelberger Druckmaschinen AG, als Ausrichter den Manroländern Sieg und Trophäe überlassen. „Ein Klassegefühl“, erinnert sich Ortlepp.

Offenbacher Dragon-Cup 2013: Bilder

Drachenboote auf dem Main

Nach der Insolvenz fiel es schwerer, das Boot zu besetzen. Nicht deshalb, weil die Leute keine Lust mehr hatten, sondern weil viele wegen neuer Arbeitsstellen wegzogen oder in beruflich veränderten Situationen keine Zeit mehr fanden, dienstags um 17 Uhr zum Training auf dem ORV-Gelände zu erscheinen.

Im Moment sind es zwölf Paddler, die regelmäßig für eine Stunde aufs Wasser gehen. Im Boot finden bis zu 20 Leute Platz. Um bei Rennen nicht chancenlos zu bleiben, helfen andere aus. Paddler aus Aschaffenburg etwa, mit denen der Startplatz beim ORV-Rennen im September sicher ist. Manchmal setzt sich eine Weltmeisterin wie Susanne Rothenstein ins Boot, oder Peter Schumacher, Mitglied der Nationalmannschaft. „Die trainieren mit, um Kilometer zu sammeln“, erklärt Petra Becker. Umgekehrt verstärkten Barrakudas etwa das Leserboot unserer Zeitung beim Dragon-Cup. „Rudern ist komplex“, berichtet Alix. Die Technik fürs Drachenboot lässt sich hingegen leicht erlernen. Auch Anfänger sind bei den Barrakudas willkommen. „Wir freuen uns über jeden, der Sport in der Gemeinschaft schätzt und bei uns mitmachen will.“ Kontakt unter Tel.: 0178/1548697.

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