Baseball auf der Rosenhöhe: „Komm gut nach Hause!“

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Wenn Jungs auf der Rosenhöhe toben, denkt man zunächst an Fußballspieler. Bei den School Classics dreht sich aber alles um eine andere Ballsportart. Der Schläger ist die beliebteste Position der Schüler. Wer den Ball weit genug fliegen lässt, schafft vielleicht den Homerun.

Offenbach - Wenn Jungs auf der Rosenhöhe toben, denkt man zunächst an Fußballspieler. Bei den School Classics dreht sich aber alles um eine andere Ballsportart. Von Sarah Neder

Fidan ist ein Catcher, zu deutsch: Fänger. Auf dem Sportplatz an der Rosenhöhe steht der großgewachsene Junge neben der ersten Base und lauert auf den kleinen, weißen Lederball. Was Fidan an diesem ungewöhnlichen Sport am meisten gefällt? „Dass er so amerikanisch ist.“ Der Zehntklässler besucht, wie etwa 25 Mitschüler, die Baseball-Arbeitsgemeinschaft an der Edith-Stein-Schule. Dort werden sie von Gunther von Goetzen Sanchez trainiert. Der Venezolaner mit deutschen Wurzeln hat vor sechs Jahren mit seinem Zwillingsbruder Gustavo den Twins Baseball Club gegründet.

An diesem Vormittag tritt die Arbeitsgemeinschaft der Offenbacher Haupt-und Realschule gegen die Gruppe des Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasiums an. Mit dem Duell will das Schulamt im Sportzentrum Rosenhöhe die Reihe der School Baseball Classics etablieren – ein regionales und jährlich ausgetragenes Turnier zwischen Schulmannschaften.

„Offenbach ist eine Fußballstadt“

„Offenbach ist eine Fußballstadt. Das ist gut so, aber wir wollen auch neue, außergewöhnliche Sportarten fördern und unterstützen“, erklärt Schulsportkoordinator Eddy Schneider. Dass sich Baseball besonders für Schulklassen eignet, weiß Gustavo von Goetzen Sanchez: „Es ist ein echter Teamsport. Die Spieler müssen sich gegenseitig helfen. So lernen die Jugendlichen Zusammenhalt.“ Außerdem seien Konzentration, Koordination und schnelle Reflexe Eigenschaften, die der amerikanische Ballsport vermittle.

Ähnlich wie beim Schach, so von Goetzen Sanchez, müsse der Spieler sich immer wieder neue Strategien überlegen, um möglichst viele Punkte zu erlangen. Der 45-Jährige betont: „Noch mehr als beim Fußball braucht man echte Experten auf jeder Position.“

Das Herz des Schülers Lentrim schlägt eigentlich auf dem Rasen, doch auch beim Baseball hat der 15-jährige Edith-Stein-Schüler großen Spaß: „Ich bin am liebsten Schläger“, verkündet der Neuntklässler stolz. Seine Mitschüler können sich ein Lachen nicht verkneifen. Der „Batter“, bestätigt Gustavo von Goetzen Sanchez, sei nicht umsonst die Lieblingsposition der meisten Schüler: „Wenn sie den Ball treffen, haben sie sofort ein Erfolgserlebnis.“ Gustavo und sein Bruder Gunther hoffen auf weitere Schulgruppen in Offenbach, um ihren Sport bekannter zu machen und das eine oder andere Talent für die eigene Jugendmannschaft zu gewinnen. Die Leibnizschule habe bereits Interesse bekundet.

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Sportlehrer Martin Kröhnert begleitet die Arbeitsgemeinschaft der Edith-Stein-Schule. Nach seinem Studium lebte er in den USA, lernte Baseball lieben. „Das Spiel ist sehr kompliziert, aber im positiven Sinne“, gibt Kröhnert zu verstehen. „Außerdem ist es die einzige Sportart, bei der die verteidigende Mannschaft den Ball besitzt.“ Der Sportlehrer wünscht sich für die Edith-Stein-Schule eine feste Mannschaft und bedauert, dass Baseball in Deutschland so wenig populär ist. Obwohl fast jeder schon in der Grundschule mit dem kleinen Bruder des Feldspiels Bekanntschaft macht, dem Brennball.

„Das Grundprinzip ist das Gleiche. Es geht darum, von einer sicheren Insel zur anderen zu kommen“, erklärt Kröhnert. Die Amerikaner nennen das „come home safely!“, übersetzt: „Komm gut nach Hause!“. Für den sogenannten Homerun, wenn ein Läufer alle Stationen passiert, bevor die gegnerische Mannschaft den Ball fangen kann, gibt es die meisten Punkte.

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