Bestsellerautor trifft Schüler

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Vor seinem Gastspiel im Capitol empfängt Bastian Sick (vorne Mitte) eine Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule auf der Bühne.

Offenbach - Bastian Sick kennt sein Stammpublikum. Der Autor der Bestseller-Reihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ erkundigt sich gleich am Anfang seines Gastspiels im Capitol, wie viele Lehrer diesmal gekommen sind. Von Benedikt Müller

Ein Schmunzeln geht durchs Theater, einige Hände werden verlegen in die Luft gereckt. Sprachexperte Sick präsentiert mehr als zwei Stunden Kabarett mit intellektuellem Anspruch.

Bunt aufgemischt wird das Publikum von elf Käthe-Kollwitz-Schülern. Die Berufsfachschulklasse des medizinisch-technisch-krankenpflegerischen Zweigs hat sich bei unserer Zeitung um eine Deutschstunde mit Bastian Sick erfolgreich beworben. Bevor seine Show beginnt, trifft die Klasse den Journalisten und Unterhalter persönlich. „Er ist nicht so formell, sondern cool und locker“, findet Hakan. „Er gibt nicht damit an, dass er gleich einen Auftritt hat.“ Sick erzählt den Schülern, wie er über Lesungen in Buchhandlungen nach und nach in die großen Hallen der Bundesrepublik kam. „Von Anfang an steckte in mir ein Schauspieler“, erinnert sich Sick, „deshalb habe ich mich gern auf das Abenteuer Bühne eingelassen.“

Bissnesslantsch mit Cornfakes

Das Gastspiel in Offenbach gleicht ebenfalls einem Abenteuer, sind doch viele Plätze am Sonntagabend leergeblieben. Manchen Beifall muss Sick sich hart erarbeiten, andere Lacher hat er sicher. „Das Beste waren die lustigen Fundstücke“, sind sich die Käthe-Kollwitz-Schülerinnen Farah und Mirela einig. Sick zeigt, welche Sprachpannen er und seine Fans in vergangener Zeit fotografiert haben: von der Einladung zum „Bissnesslantsch“ bis hin zu den „Cornfakes“ im Supermarkt.

Der Sprachexperte ist variantenreicher geworden, zeigt per Filmausschnitt, wie schwer sich unschuldige Passanten mit Zeichensetzung und Fremdwörtern tun. Der Historiker und Romanist präsentiert sogar seine durchaus bühnenreife Singstimme.

Gemeinsamkeiten zwischen deutscher und türkischer Sprache

Gleichzeitig kennt man es schon, wenn Sick Anglizismen kritisiert. Seine Empfehlung, den Laptop künftig als Klapprechner zu bezeichnen, ist eins zu eins aus früheren Gastspielen übernommen. Die Studie, dass Maximilian bei Grundschullehrern tendenziell bessere Chancen hat als Kevin, dürfte dem Stammpublikum ebenfalls bekannt gewesen sein. Und dass man ein Wort lesen kann, obwohl alle Buchstaben bis auf den ersten und letzten verdreht sind, beweist Sick nicht als Allererster.

Doch sein Schlussthema ist auch für die Käthe-Kollwitz-Schüler lustig und aktuell: Anhand von Wörtern wie Stützstrümpfe und Brühwürfel zeigt Sick, welche Gemeinsamkeiten die deutsche mit der türkischen Sprache hat. Dem Unterhalter gelingt es, geschichtliche Sprachentwicklungen mit lustigen Beispielen zu belegen. Ein kurzweiliger Abend für Intellektuelle und für alle, die es noch werden wollen.

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