Bastion ist schon gefallen

Offenbach - Rumpenheim (mk) Der staatliche Abwrackzuschuss verlockt so manche Autobesitzer zur privaten Investition. Ähnliches ist auch bei der Stadt zu beobachten. Sind für bestimmte Projekte Landes- oder Bundesgelder zu ergattern, ringt sich die Kommune gerne durch, ihrerseits Kreditmarktmittel aufzunehmen.

Als dringender Appell ans Stadtparlament dürfen daher folgende Zeilen verstanden werden: „ (…) ist die Förderung des Gesamtprojektes in Frage gestellt. Aus diesem Grund wird empfohlen, auf die Bastion in der vorgeschlagenen Form in keinem Fall zu verzichten.“ Trotzdem verweigerte die Koalition dem Magistrat in diesem Fall die Zustimmung. Der Punkt „Östlicher Eingang zum Rumpenheimer Schlosspark, Platzgestaltung Mainufer“ wurde von der Tagesordnung der jüngsten Parlaments-Sitzung genommen. „Da gibt’s wohl Redebedarf“, hieß es vielsagend.

Inzwischen ist klar, dass sich allein an der „Bastion Mainblick“ die Geschmäcker reiben. Die Kritik: zu groß, zu protzig. Jetzt soll nach- oder besser: kleingebessert werden. Da hätten die Stadtplaner schon vorher stutzen sollen. So regte die örtliche Bürgerinitiative (BIR), die bekanntlich nicht über die schlechtesten Kontakte zur Lokalpolitik verfügt, nach einem Ortstermin gar „den Verzicht auf die Anlage“ an. Das war aber aufgrund der avisierten Zuschüsse offenbar keine Option.

Der zu gestaltende Platz liegt auf dem Maindamm an dem Punkt, wo die Regionalparkroute nach vielen Kilometern durch Wald und Wiese wieder zwischen Schlosspark und Kleingartenanlage auf den Main trifft. Um diesen Ort zu inszenieren, soll eine „Bastion“ als Aussichtsplatz entstehen, von wo der Blick auf den Fluss und die Mainaue möglich wird. Die sollte in Form einer etwa 75 m² großen Dreiecksfläche knapp einen Meter über dem vorhandenen Geländeniveau liegen.

Die Idee der „Bastion Mainblick“ stellt die FDP stark in Frage, weil dem gewünschten Blick Bäume im Weg stehen. Aufgrund des Landschaftsschutzes könnten entgegen ursprünglicher Planungen die Bäume an der entsprechenden Stelle nicht gerodet werden, was Änderungen erforderlich mache. Denn „eine Bastion Mainblick ohne Mainblick wäre ebenso wie seinerzeit der Lesegarten ohne Garten ein Fall fürs Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler“, so der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende und Rumpenheimer FDP-Chef Dominik Schwagereit.

Die Liberalen erwarten daher vom Magistrat eine klare Funktionsbeschreibung, die einen passenden und nicht überkandidelten Titel enthält. Der Name dürfe keine Erwartungen wecken, die nicht zu erfüllen sind. „Gegen einen vernünftigen Rastplatz und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an dieser Stelle hat niemand was - im Gegenteil: das kann die Attraktivität steigern“, erläutert Schwagereit. Die FDP hofft zudem, dass das Projekt auch in seiner „Kostendimension“ ein Stück weit reduziert werden könne.

Für Eingang und Bastion waren Kosten von 155 000 Euro ermittelt worden, jeweils 35 000 sollten das Land und die Regionalpark-Gesellschaft zuschießen.

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