„Rammgründung“ reißt Anwohner aus Träumen

Offenbach - Wer baggert so spät noch am Baggerloch? Nein, es ist nicht Bodo, den Blödelbarde Krüger einst erfand, sondern die Bahn. Und so richtig spät. Eher mitten in der Nacht, wie unsere Leser Stefan Becker minutiös aufführt. Von Martin Kuhn

Er wacht nicht allein; auch die ehemalige Stadträtin Eva Schnalzger ist sauer auf die Bahn: „Auf ihrem Hoheitsgebiet macht die Bahn, was sie will. Die Anwohner werden nicht ausreichend informiert – und das ist ein Skandal. “.

Bei der Bahn in Frankfurt kann man den Offenbacher Unmut nur bedingt nachvollziehen. Auf die erste Frage, warum die Bahn ausgerechnet nachts auf der Strecke Frankfurt-Bebra rammt, hämmert und signalhornt, was das Zeug hält, heißt es etwas schnoddrig: „Da muss man nur ein wenig nachdenken...“ Das ist frech. Und das wollen die Offenbacher nicht. Ein Pressesprecher versucht diese verbale Entgleisung abzumildern: „Der Ärger der Anwohner ist verständlich. Leider ist das nicht anders zu organisieren, da die Strecke tagsüber komplett ausgelastet ist – zum Glück.“

Dieses rein wirtschaftliche Glücksgefühl teilen die Offenbacher rund um den Dreieichpark in den Nächten vom 13. zu 14. und 15. Dezember nicht. Stefan Becker schreibt: „In der ersten Nacht um 2 und 3 Uhr; in der Nacht zum Donnerstag ab 1.30 Uhr mit extrem lauten rhythmischen Rammen in der Nähe des neu erbauten Seniorenheims (!). Als Anwohner an der Bahnstrecke sind wir einiges gewohnt (Schwellenverlegen, Aufschottern, Schienenschleifen) und haben schon einiges toleriert, aber diesmal war von Lautstärke und Intensität jedes Maß von Erträglichkeit überschritten.“

Nach Anruf bei der Polizei sei ihm mitgeteilt worden, dies sei vom Ordnungsamt genehmigt. „Das Amt konnte auf Nachfrage glaubhaft mitteilen, dass die Bahn mal wieder nach eigenem Recht agiert, und die Offenbacher Behörde darüber nur eine Mitteilung erhält.“ Das ist richtig und nach Ansicht des Bahn-Sprechers ausreichend, die Mitteilung über „Rammgründung von Mastfundamenten für Signaltechnik“ verließ am 1. Dezember das Haus. Nach Angaben der Bahn wird auf eine „neue Signaltechnik umgebaut, um flexibler reagieren zu können“. Ja, Verzögerungen im Bahnverkehr – das seien kundenrelevante Auswirkungen. Anders als nächtlicher Baulärm. Ach ja. Die eigentlichen Arbeiten starten erst im Januar.

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