Baugelände Bieber-Nord

Wendehals könnte Pläne wenden

Bieber - Mühsam nährt sich bekanntlich das Eichhörnchen. Ähnliches empfinden wohl die Grundstücksbesitzer in Bieber-Nord. Es sind kleine Schrittchen, in denen es auf dem seit gut 20 Jahren brachliegenden Baugebiet vorangeht. Aber immerhin, es geht voran. Von Veronika Schade 

So sind bereits Kanalbauarbeiten erledigt, die von Bieber-Nord bis in die Nähe des Neuen Friedhofs führen. In den nächsten beiden Jahren sind Verbindungsstücke zur Ableitung des Abwassers geplant. Ob das Regierungspräsidium nach dem gescheiterten Offenbacher Doppeletat diesen Teilhaushaltsposten überhaupt genehmigen würde, war ungewiss. Vergangene Woche dann die Erleichterung bei Oberbürgermeister Horst Schneider und der Bürgerinitiative Bieber-Nord: Die Aufsichtsbehörde gab die entsprechenden Mittel für den Stadtbetrieb ESO frei.

Der derzeitige Zeitplan, der allerdings im November 2013 vor der Ablehnung des Haushalts an die BI Bieber-Nord übergeben wurde, sieht den Projektbeschluss durch die Stadtverordnetenversammlung im vierten Quartal 2014 vor. „Danach soll es jedoch weitere anderthalb Jahre dauern, bis die Ausschreibung abgeschlossen ist und die Erschließung beginnt“, sagt Christa Demuth, Sprecherin der BI. Demnach könne es ab dem zweiten Halbjahr 2016 losgehen. Bis Ende 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein – rechtzeitig vor der Siedlungsbeschränkung, die wegen der Einflugschneise für das Gebiet ab 2018 greift.

Stadtentwicklung vorantreiben

Das städtische Baumanagement sei bestrebt, die Stadtentwicklung voranzutreiben, um die Einnahmeseite stärken zu können. „Uns wurde angedeutet, dass Bürgel-Ost und Bieber-Nord absolute Priorität hätten“, ist Demuth zufrieden. „Schade ist nur, dass uns die Niedrigzinsphase ein bisschen davonläuft.“ Ihr großer Wunsch ist, dass der Zeitplan tatsächlich eingehalten wird. „Das könnte für die Stadt auch ein auswärtiger Erschließer übernehmen, falls es das beschleunigt“, regt sie an. Derzeit deutet alles darauf hin, dass die städtische Projektentwicklungsgesellschaft OPG die Erschließung übernehmen soll. „Der Auftrag ist noch nicht endgültig, aber wir rechnen mit ihm“, bestätigt Sprecherin Christine Wüst-Rocktäschel.

Ein Hindernis aber könnte alle Pläne nach hinten verschieben. Die Stadt gab auf beharrliches Drängen der Bürgerinitiative ein Artenschutzgutachten in Auftrag, das von Anfang April bis Oktober läuft. Dieses ist verpflichtend, bevor überhaupt eine neue Bebauung genehmigt werden kann. Sollte sich dabei herausstellen, dass auf dem 12,4 Hektar großen Gelände zwischen Bundesstraße 448 und S-Bahn seltene Tierarten beheimatet sind, müssten diese zunächst umgesiedelt, alternative Brutplätze gefunden werden. „Das würde zusätzlich Zeit und Geld kosten“, fürchtet Demuth.

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Laut dem Offenbacher Naturexperten Rolf Weyh könnten dort möglicherweise der seltene Steinkauz oder der Wendehals angetroffen werden, ebenso Nachtigall und Gartenrotschwanz. „Auch verschiedene geschützte Wildbienen, die im Boden brüten, kann ich mir dort vorstellen“, so Weyh. Zauneidechsen könnten ebenfalls vorkommen. Dafür funktioniere bei ihnen die Umsiedlung erfahrungsgemäß gut. Die Bieberer müssen sich also weiter in Geduld üben – ganz wie das mühsam sich nährende Eichhörnchen.

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