Baugebiet Bürgel-Ost

Nun ist alles wasserdicht

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Schöne neue Kreiselwelt: Über den Mainzer Ring wird das Baugebiet Bürgel-Ost erschlossen. Dort könnten in den nächsten drei Jahren rund 430 Wohneinheiten entstehen, die 1100 Menschen eine neue Heimat bieten.

Bürgel - Es brauchte einige Verhandlung, bis der Schutzschirm passte. „Das Land erkennt an, dass Offenbach ein Einnahmeproblem hat“, formulierte Oberbürgermeister Horst Schneider im Frühjahr. Das heißt: Allein mit Sparen ist der lokale Schuldenberg nicht mehr abzutragen. Von Martin Kuhn

Ganz genau schaut das Regierungspräsidium hin und behält sich Einzelgenehmigungen vor. Dabei ist die Kommunalaufsicht selbst mitunter dafür verantwortlich, dass die Stadt immer weiter in die Miesen kommt. Aber das firmiert vermutlich unter der Rubrik „größtenteils unvermeidbare Kosten“. Im konkreten Fall geht es um den Mainzer Ring. Allerdings nicht den sichtbaren Teil, den die Autofahrer heute als Umfahrungs- und später einmal als Erschließungsstraße nutzen. Für die neuerlichen 800.000 Euro Mehrkosten, denen die Stadtverordneten zustimmen sollen, geht’s schon tiefer – sozusagen ins Offenbacher Grundwasser. Am Mainzer Ring sind die Kanalbauarbeiten entgegen der ursprünglichen Planung in sogenannter wasserdichter Bauweise auszuführen.

Die Fachleute formulieren es im Antrag ans Parlament so: „Aufgrund des anstehenden Grundwassers waren im Zuge der Kanalbauarbeiten Wasserhaltungsmaßnahmen (Grundwasserabsenkungen) erforderlich.“ Das beantragte die Stadt beim Darmstädter Regierungspräsidium. Als die Firmen gruben, trafen sie auf verunreinigtes Grundwasser. Wegen einer befürchteten „Schadstoffverschleppung“ war ein weiteres Gutachten fällig. Eine „wasserrechtliche Genehmigung“ knüpfte der RP an eine Reihe von Auflagen: Grundwassermessstellen, Pumpversuche, Grundwasseranalytik und einiges mehr – so lange ruhten die Arbeiten.

Stadt verzichtet auf Klage

Während die Stadt die Auflagen für den Kanal von Schönborn- bis Kettelerstraße akzeptierte, wollte sie für einen Schacht vom Mainzer Ring zum Kuhmühlgraben eine weniger aufwändige Lösung. Das lehnte Darmstadt ab, lediglich die zeitliche Ausführungsfrist wurde verlängert. „Damit fallen für die Herstellung des wasserdichten Verbaus für die gesamte noch zu verlegende Kanalstrecke von etwa 130 Metern erhebliche Mehrkosten an.“ Spundwände sind in das Erdreich einzubringen, „die eine Dichtungsfunktion übernehmen und so verhindern, dass ungewollte Grundwasserströme entstehen“. Auf den Klageweg verzichtet die Stadt. Begründung: „Nicht zielführend.“

Mit dem Nachschlag erhöhen sich die Baukosten auf rund 11 Millionen. Mit dem Abschluss der Baumaßnahme ist im April 2014 zu rechnen, teilt die Stadtverwaltung mit. Ursprünglich sollten die Arbeiten noch im laufenden Jahr 2013 beendet werden. Wer zeitlich etwas zurückgeht, erinnert sich: Bereits im vergangenen Jahr war im Baugebiet Bürgel-Ost und am Mainzer Ring die Entwässerung neu zu regeln – wegen geänderter gesetzlicher Vorgaben. Ehemals die Regel: Regen und Schmutzwasser wurden gemischt. Das ist gemäß der seit 2010 gültigen Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes wenn technisch möglich zu vermeiden. Eine Prüfung hatte ergeben: Regen- und Brauchwasser können und müssen deshalb getrennt werden.

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Der zweite Bauabschnitt des Mainzer Ringes wird seit Sommer 2012 von der Schönbornstraße bis zur Kettelerstraße gebaut. Die Maßnahme beinhaltet den Neubau der Straße einschließlich des Kanalbaues bis zum Kuhmühlgraben. Der Ausbau beinhaltet die Herstellung der Gehwege mit Plattenbelägen sowie eines Radweges beidseitig der Fahrbahn, die Errichtung von vier Bushaltestellen und die Herstellung des Straßenbegleitgrüns. Sämtliche Anlagen werden behindertengerecht in barrierefreier Bauweise ausgeführt. Die Kreuzungen Kettelerstraße/ Mainzer Ring und Schönbornstraße/ Mainzer Ring sind bereits als Kreisel ausgebaut und für den Verkehr freigegeben.

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