Bauland bisschen billiger

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Corinna Jokisch übernahm am 15. März von Jörn-Ulrich Bockwoldt die Leitung des Vermessungsamts, später auch den Vorsitz des Gutachterausschusses. Dieser zeigt im Immobilienbericht 2011 unter anderem per Grafik, was 2010 für Eigenheime im Durchschnitt erzielt werden konnte.

Offenbach - Gesegnet, wer wie Oberbürgermeister Horst Schneider einen Großvater hatte, der in den Zwanzigern 650 Quadratmeter Bauland zu je einsfünfzig erwerben konnte. Von Thomas Kirstein

Er wäre heute glücklicher Besitzer eines abbezahlten Domizils in der Eigenheimstraße und müsste als Bauwilliger nicht mit Grundstückspreisen kalkulieren, die im Offenbacher Mittel bei 380 Euro pro Quadratmeter liegen.

Cornelia Jokisch

So weist es der „Immobilienmarktbericht der Stadt 2011“ aus, den der ehrenamtliche Gutachterausschuss erstellt, um den Markt für eine breite Öffentlichkeit transparent zu machen. Bei der Vorstellung an der Seite von Oberbürgermeister Horst Schneider: die Diplom-Ingenieurinnen Cornelia Jokisch, (Leiterin des Vermessungsamts, Vorsitzende des Ausschusses) und Anna Meiser.

Der OB nutzt die Präsentation des Zahlenwerks für allgemeine Aussagen zu Situation und Problemen der Offenbacher Siedlungspolitik. Im Bericht angestellte Umsatzvergleiche mit benachbarten Großstädten und Kreisen lenken den Blick auf ein Manko: Offenbach hat keine ausreichenden Flächen für Wohnzwecke. Deshalb, so Schneider, gelte es, die verfügbaren größeren Gebiete zu entwickeln und bestehende Baulücken zu schließen.

Vorgaben des Denkmalschutzes wirken bremsend

„Alle, die stadtnahes, urbanes Wohnen suche, sollen in Offenbach willkommen sein“, sagt der OB und verrät, was sich konkret tut und wo sich Entwicklungen abzeichnen: Am 15. August wird der erste Baggerbiss für 175 Wohnungen der Frankfurter ABG im Hafen erfolgen; im nächsten Jahr geht die Deutsche Reihenhaus mit 70 Einheiten an der Siemensstraße an den Markt; Gespräche mit Interessenten gebe es fürs Projekt Luisenhof und Teile des ehemaligen Kaiser-Friedrich-Geländes; fürs frühere MAN-Areal an der Senefelderstraße sei man sich mit der ABG einig, bremsend wirkten Vorgaben des Denkmalschutzes.

Offenbachs Chance als Marktlücke sei das gegenüber Frankfurt deutlich niedrigere Preisniveau. „Wir müssen den Nachfragedruck wegnehmen, damit die Preise nicht steigen“, sagt Schneider.

Im Vergleich von 2009 auf 2010 ist der durchschnittliche Preis für den Quadratmeter unbebautes Land von 400 auf das 2008er Niveau von 380 Euro gesunken. Bisheriger Höchsstand war Mitte der 90er, als fast 550 aufgerufen wurden. Der unbebaute Quadratmeter für Dienstleistung und Büro kostete 2010 im Schnitt 650, für Gewerbe zwischen 140 und 240 Euro.

Der Immobilienmarktbericht, dessen Grundlage eine Sammlung aller Kaufpreise des Vorjahres ist, gibt auch Auskunft darüber, wo das Offenbacher Preisniveau für bebaute Eigenheimgrundstücke liegt (siehe Grafik). Interessenten erkennen etwa, dass Reihen- und Doppelhäuser sich je nach Baujahr verteuerten, während die Preise für frei stehende Häuser stabil blieben.

Für den Quadratmeter Eigentumswohnung sind in Offenbach je nach Lage (am teuersten: Rumpenheim) und Alter zwischen 1155 und 2310 Euro hinzublättern. Die Preise ziehen leicht an, besonders für neugebaute, erstmals bezogenen Räumlichkeiten. Für Mehrfamilien-, Wohn- und Geschäftshäuser sinken die Preise seit 2008.

Durchschnitt der letzten zehn Jahre ist immer noch überschritten

2010 wurde im Gegensatz zur Nachbarschaft ein leichter Rückgang der veräußerten Objekte verzeichnet - von 890 auf 838. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre ist aber immer noch überschritten. 80 Prozent der Käufer - 40 Prozent sind Nicht-Offenbacher - erwerben Eigentum, um es selbst zu nutzen.

Der detaillierte Immobilienmarktbericht kostet gedruckt 35 Euro, als PDF 30 Euro. Kostenlos gibt es beim Gutachterausschuss eine Bewertung des anzubietenden oder begehrten Objekts.

Vier Großobjekten (etwa Goldpfeil- und Arevagelände) ist es zu verdanken, dass der Geldumsatz um 31 Prozent auf 257 Millionen Euro (Frankfurt zum Vergleich: 3,5 Milliarden) stieg. Die Gesamtfläche, die den Besitzer wechselte, 32,2 Hektar, wurde hingegen um ein Drittel geringer und liegt jetzt unter dem 40-Hektar-Mittel der vergangenen Jahre: weil zwar sehr viele, meist aber kleine Flächen für Eigenheime und Wohneigentum verkauft wurden.

So warnt der Oberbürgermeister davor, die Attraktivität einer Stadt an den Umsatzzahlen ablesen zu wollen: „Es hängt an der geringen Fläche, die wir als kleine Stadt im Angebot haben.“ Beim Flächenumsatz in Hektar pro Quadratkilometer liegt Offenbach mit 0,7 nur knapp hinter Frankfurt (0,9), aber vor dem Kreis, Darmstadt und Wiesbaden. 

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