Gut gedeihender Baum

Rutschpartien auf Eicheln

+
Elisabeth Müller füllt Sack um Sack – mit dem bisherigen Dutzend wird es noch kein Ende haben.

Offenbach - Das hat der Herbst so an sich: Kaum sind die Straßenfeger und die Kehrmaschinen weg, bedecken schon wieder Blätter den Fußweg und die Fahrbahn. Wer selbst reinigt, weiß das besser als seine Mit-Offenbacher, die der Stadtdienstleister ESO gebührenpflichtig bedient. Von Thomas Kirstein

So wie Elisabeth Müller in der vom Anschluss an die städtische Reinigungssatzung befreiten Blumenstraße. Sie hat einen ganz besonders eifrigen Bioabfallproduzenten vor ihrem Hoftor stehen. Seit vielen Jahren schon kämpft sie mehrere Monate lang gegen Laub und Früchte einer prächtig gedeihenden Stieleiche.

Inzwischen fällt es der 83-jährigen Hausbesitzerin trotz der Hilfe von Mietern immer schwerer, ihr Trottoir nicht allein sauber, sondern in erster Linie sicher zu halten. Denn seit Anfang Oktober prasseln die Eicheln in großer Menge herab. „Die Leute rutschen darauf aus, der Postbote steigt schon vorsichtshalber vom Fahrrad“, schildert die Seniorin, die weiß, wo im Falle eines Falles die Haftung gesucht wird. Während der Eichel-Segen im Dezember nachlässt, spendiert das Gewächs bis in den März hinein noch Laub.

Zusammengefegte Blätter und Früchte

Elisabeth Müller hat schon ein Dutzend Plastiksäcke mit zusammengefegten Blättern und Früchten gefüllt. Die Behältnisse liegen um den Stamm herum, weil die Rentnerin nicht mit dem Auto zum Recyclinghof fahren kann. Ein Problem, das sie wohl mit anderen älteren Selbstreinigern in dieser Stadt teilen dürfte.

Es gibt noch andere Eichen in diesem Abschnitt der Blumenstraße. Die sind aber deutlich weniger produktiv, wie eine Nachbarin bestätigt. Der Baum, der Elisabeth Müller zur Verzweiflung treibt, wurde vor etwa 15 Jahren gepflanzt, ersetzte damals einen Rotdorn. „Der hat immer so schön geblüht und nicht so einen Dreck gemacht“, seufzt die Offenbacherin. Und der Vorgänger war auch nicht so laut: Denn wenn die Eicheln nachts auf das Blech geparkter Auto fallen, soll das manchen Nachbarn aus dem Schlaf reißen.

Elisabeth Müller ist sich sicher: „Die Sorte hat man früher im Wald gepflanzt, um die Schweine mit Eicheln zu füttern. So ein Baum gehört nicht in eine Wohngegend.“ Doch, heißt es beim Stadtdienstleister ESO, Stieleichen seien sehr wohl als Stadt- und Straßenbäume geeignet.

Leserfotos: Land zum Leben, Grund zur Hoffnung

Leserfotos: Land zum Leben, Grund zur Hoffnung (Teil 1)

„Das ist keine Baumart, die prinzipiell mehr treibt als andere“, erklärt Sprecher Oliver Gaksch. Der von Elisabeth Müller angeregte Rückschnitt mit einer Laub und Eicheln reduzierenden Wirkung kommt auch nicht in Frage: Der ESO kappt nur, wenn ein Baum krank ist, Totholz beseitigt werden muss oder Äste zu nah an ein Gebäude reichen. Fällen aus Gründen der Sauberkeit kommt für den ESO schon gar nicht infrage.

Bliebe theoretisch die Möglichkeit, die Blumenstraße in die Reinigungssatzung aufzunehmen. Das dürfte jedoch auf wenig Begeisterung bei den Anwohnern stoßen, die dann zahlen müssten. Und, siehe andere Straßen: Einmal die Woche die Kehrmaschine zu schicken, reicht im Herbst auch nicht aus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare