Baum verdrängte die Krippe

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Inge und Egon Förster sammeln seit 25 Jahren Krippen und zeigen in der Friedenkirche einige ihrer Stücke aus dem Erzgebirge.

Offenbach (nn) ‐ Seit nunmehr 13 Jahren laden Offenbacher Kirchen regelmäßig zum Krippenwandern ein. Sie öffnen am zweiten Weihnachtstag ab 14 Uhr zur Besichtigung ihrer Krippen die Pforten.

In vielen Gemeinden gibt es ein Begleitprogramm mit Musik, Andacht oder Punsch und Kekse. Die Idee zu dieser Aktion brachte Georg Friedrich Metzger, Pfarrer der Friedenskirche, aus Darmstadt mit. In der Friedenskirche stellt das Mühlheimer Ehepaar Egon und Inge Förster seit einigen Jahren Krippen aus seiner umfänglichen Sammlung aus. Schwerpunkte in den vergangenen Jahren waren Polen, Peru und Tansania. In diesem Jahr soll Weihnachtskunst aus dem Erzgebirge vorgestellt werden.

Seit rund 25 Jahren sammeln die Försters Krippen. Und so dauerte es nicht lange, bis sie nach der deutschen Wiedervereinigung ins „Weihnachtsland“ aufbrachen und sich hier insbesondere in Seiffen umschauten. Mit strahlenden Augen schildern sie, wie sie im Oktober 1992 vor den hell erleuchteten, schon weihnachtlich geschmückten Schaufenstern standen und dann noch vor Klärung einer Übernachtungsmöglichkeit die ersten Käufe tätigten. Auf der Rückfahrt hatte das Reisegepäck nur noch auf der Rückbank des Autos Platz, der Kofferraum war nämlich voller hölzerner Kostbarkeiten. Seitdem, so berichten sie, fahren sie jedes Jahr ins Erzgebirge, besuchen die Handwerker, schauen ihnen über die Schulter und führen ausgiebig Fachgespräche.

Da außer der Friedenskirche auch andere Gemeinden noch private Krippen ausstellen, gibt es am zweiten Weihnachtsfeiertag einige Dutzend dieser ganz unterschiedlichen Weihnachtsdarstellungen zu sehen.

Als sichtbare Darstellung der Geburt des Heilands hielt die Weihnachtskrippe im 16. Jahrhundert Einzug zunächst in Kirchen, Klöstern und an Fürstenhöfen. Im 18. und 19. Jahrhundert eroberte sie sich dann die heimischen Stuben. Insbesondere in Bayern und in Österreich behauptete sie ihren Platz als Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens bis zum Ersten Weltkrieg.

Also lange bevor der Weihnachtsbaum in den Wohnzimmern seinen Platz fand, standen die Krippen dort im Zentrum. Sie waren anschauliches Abbild des Stalles von Bethlehem, wo bereits in den ersten Jahrhunderten nach Jesu Geburt fromme Pilger die Geburtsgrotte besuchten.

Die ersten Darstellungen der Geburt Jesu waren Reliefs, die in einen Altar eingefügt waren. Allmählich lösten sich die Figuren aus den Altären und wurden frei aufstellbar. Wie auf einer Bühne, die immer reicher ausgestattet wurde, konnten die einzelnen Figuren arrangiert und immer wieder verändert werden.

Zu den Hauptpersonen, dem Kind in der Krippe, Maria und Josef, traten weitere Gestalten: Die Hirten mit ihren Schafen, die Sterndeuter in königlichen Gewändern und natürlich die Schar der Engel.

So soll die Herzogin von Amalfi 116 Krippenfiguren besessen haben. Gelegentlich waren die Darstellungen nicht auf die Geburtsgeschichte beschränkt. Schließlich gab es auch „Jahreskrippen“, die das ganze Kirchenjahr abbildeten mit Weihnachtsgeschichte, Karwoche und Pfingstwunder.

Bei den Krippen sind die Darstellungsformen ebenso unterschiedlich wie die verwendeten Materialien. Altarkrippen, Kastenkrippen, Blockkrippen, Kapselkrippen, Krippen aus Holz, aus Porzellan, aus Ton, aus Papier oder Alabaster um nur einige zu nennen. Inzwischen gibt es Krippendarstellungen weit über den europäischen Raum hinaus. Krippen aus Afrika oder Südamerika oder dem fernen Asien. Und fast immer tragen die Figuren, trägt Jesus, die Wesensmerkmale und Gesichtszüge derer, die ihn gestalteten.

In diesem Jahr laden folgende Offenbacher Gemeinden zum Krippenwandern ein: Schlosskirche Rumpenheim, Heilig Geist Kirche, St. Pankratius, St. Peter, St. Paul, Stadtkirche, Italienisch Katholische Gemeinde, Friedenskirche, Christuskirche (Altkatholiken), St. Elisabeth, St. Marien, Stadtmission, Lutherkirche, St. Konrad, Markuskirche, Heilige Dreifaltigkeit, Lutherkirche Bieber und St. Nikolaus.

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