Stadt spricht mit neuen Bombensucher

Initiative Beethovenschule verzeichnet Etappensieg

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Weltkriegsbomben liegen möglicherweise noch auf dem Areal der Beethovenschule, das auf einem Luftbild der Alliierten aus dem Jahr 1945 von der Initiative gelb markiert wird.

Offenbach - Anwohner und Schulgemeinde bleiben zumindest skeptisch, in Teilen sogar misstrauisch. Daran ändert eine zweistündige, überwiegend sachliche, teils emotionale Diskussion wenig. Von Martin Kuhn

Auch nicht die öffentliche Zusage von Oberbürgermeister Horst Schneider, der noch am Abend dem steten Drängen der Initiative Beethovenschule nachgibt: Die Verwaltung will umgehend mit der Fachfirma Kontakt aufnehmen, die nach Information der Initiative über eine Bohrlochdetektion mögliche Weltkriegs-Blindgänger im Boden orten kann. Das würde den bereits beschlossenen Kahlschlag auf dem Areal im Offenbacher Süden verhindern.

Eine Stabbrandbombe

Die Zeit drängt. Daran lässt ein sichtlich geknickter Verwaltungschef keinen Zweifel: Die Grundschüler ziehen im September in den Neubau. Verzögert sich das, aus welchen Gründen auch immer, dürften die Juristen das Wort haben: Dann geht’s wohl um vertragliche Bindungen und mögliche Konventionalstrafen. Trotz dieser aus ihrer Sicht wohl eher formalen Fragen haben Anlieger, Eltern und Interessenten vor allem eins im Sinn – die Erhaltung ihrer grünen, prägenden Insel im Musikantenviertel.

14 Flüssigkeitsbrand- und zwei Stabbrandbomben entdeckt

Ist der überhaupt noch möglich? Die Verwaltungsvorschriften verlangen für zu bebauende Grundstücke eine Kampfmittelfreiheit. Für gut 90 Prozent der künftigen Beethovenschule ist die mittlerweile hergestellt. In der Baugrube wurden in bis 50 Zentimeter Tiefe 14 Flüssigkeitsbrand- und zwei Stabbrandbomben entdeckt. Unter dem künftigen Schulhof fanden Kampfmittelräumer weitere sieben Exemplare.

Georg Gossens sorgen aber mehr mögliche Sprengbomben, die, weil schwerer, tiefer im Boden verborgen sind. Grundlage für den Kampfmittelräumdienst und die Initiative Beethovenschule sind Luftbilder der Alliierten, die jedoch unterschiedlich interpretiert werden. Per selbst definierten Rechenmodell tendiert die Möglichkeit gegen null, dass im Beethovengrund noch die eine oder andere üble Hinterlassenschaft schlummert; Gossens schüttelt da nur den Kopf.

„Mit riesigen Löchern“

Die selbst erdachte Wahrscheinlichkeitsrechnung soll das Grün bewahren: Denn auf den restlichen, nicht untersuchten zehn Prozent der Fläche stehen 21 Bäume. Eine Anwohnerin erntet Applaus: Sie erinnert sich, dass in den 50er Jahren Bäume aus der Kaiserstraße auf das Gelände versetzt wurden. „Mit riesigen Löchern – da hätte man doch sicher was gefunden...“

Den Ausführungen der Experten standen während der Bürgerversammlung einige Anwohner eher skeptisch gegenüber.

Darauf mögen sich die Behörden nicht verlassen. Übliche Vorgehensweise: Bäume fällen, mit Metalldetektor bis zu 50 Zentimeter tief suchen, diese Schicht abtragen, mit Metalldetektor... Eine Alternative stelle die Bohrlochdetektion dar, so die Initiative Beethovenschule. Vorteil: Die Bäume könnten stehen bleiben. Zudem gibt eine Zuhörerin zu bedenken: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da keinen Ermessensspielraum für den OB gibt.“ Nein, erwidert dieser, der sei eigentlich ausgeschöpft – mit der nachgeschobenen Bohrlochoption.

Ersatzpflanzungen vorgesehen

Schneider erinnert lieber daran, dass die Stadt im Falle eines Falles 30 Ersatzpflanzungen vorsieht, die anstelle des üblichen Stammumfangs von 15 bis 18 Zentimetern immerhin 45 bis 50 Zentimetern haben. Und: „Wir kämpfen um jeden einzelnen Baum.“ Gerade auf dem südlichen Teilareal, auf dem derzeit Schulcontainer stehen und der dauerhaft Schulhof wird. Die ewige Befürchtung, dass dort Eigenheime entstehen, ist vom Tisch.

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Mit dem Ergebnis der Bürgerversammlung ist die Grünen-Fraktion im Rathaus „sehr zufrieden“. Sie erinnert daran, dass sie sich von Anfang an für einen passgenauen Neubau der Beethovenschule mit maximaler Erhaltung des Schulhofs samt Bäumen stark gemacht haben. Sie begrüßen, dass sich der OB hat umstimmen lassen und eine weitere Überprüfung mit von der Initiative genannten Fachfirmen vornehmen will. Den nötigen Zeitverzug zugunsten einer vollständigen Erhaltung der Bäume nehmen sie „gern in Kauf“, sagt Brigitte Koenen. Die Verantwortung der Stadt, Kampfmittelfreiheit herzustellen, könne so im Einklang mit Anwohner-Interessen wahrgenommen werden.

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