Baumesse: Strampeln, um zu sparen

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200 Aussteller präsentierten sich und ihre Produkte – vom Werkzeug bis zu Dekofiguren fürs eigene Heim.

Offenbach - „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ – der urtypische Spruch über die fleißigen Schwaben hat am Wochenende bestens ins Rhein-Main-Gebiet gepasst: Zur zehnten Offenbacher Baumesse kam bis gestern die Baubranche unter einem Dach zusammen. Von Veronika Szeherova

Auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern präsentierten sich 200 Aussteller, zum Großteil aus der Region, mit 3000 Produkten und Dienstleistungen rund ums Bauen, Wohnen, Renovieren und Energiesparen.

Die Offenbacher Messehallen an der Kaiserstraße erlebten an den drei Ausstellungstagen regen Zulauf.Vor allem das Thema Energiesparen stößt auf großes Interesse der Besucher. Schließlich bedeutet ein gut saniertes, energetisch ausgeklügeltes Haus eine immense Kostenersparnis. Staatliche Fördermittel von 900 Millionen Euro stehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung, zudem fördert die Bundesregierung den Einsatz regenerativer Energien. Auch bieten viele Städte eigene Förderprogramme an.

Im Antragsdschungel gibt es eine Menge zu beachten

Doch wie so oft im Antragsdschungel gibt es auch hierbei eine Menge zu beachten: „Pauschal lässt sich leider nicht sagen, für welche Maßnahme es welche Förderung gibt“, sagt Energieberater Klaus Ferner vom Verband GIH (Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker). Er zeigt eine Tabelle der KfW mit einem komplexen Zahlenwerk. „Es macht außerdem einen Unterschied, ob es sich um Einzelmaßnahmen oder eine komplexe Sanierung handelt, die zumeist eigene Mittel voraussetzt, aber gleichzeitig die höchste Förderung ermöglichen kann“, so der Experte.

Er empfiehlt allen Sanierungswilligen eine individuelle Energieberatung: „Wie hier auf der Messe informieren sich viele bei einzelnen Dienstleistern. Es fehlt ihnen aber oft ein Gesamtkonzept. Das können die Energieberater erstellen und dabei auch individuelle Fördermöglichkeiten aufzeigen.“

Selbst strampeln ist schließlich auch keine Lösung zum Energiesparen, wie das Stromfahrrad am Stand der Energieversorgung Offenbach (EVO) eindrucksvoll zeigt. Die Besucher müssen sich ganz schön abmühen, um das Lämpchen zum Leuchten zu bringen. Dafür kann gleich ein Termin zur Energieberatung vereinbart werden.

„Ganz vorne ist der Fluglärm“

Weniger schweißtreibend geht es beim Stand des Magistrats der Stadt Offenbach zu. Auf Plakaten werden aktuelle Baugebiete und Projekte vorgestellt unter dem Motto „Leben in Offenbach - lebendige Stadt“. Bürger stellen Fragen zur Stadtentwicklung. Andrea Kächelein vom Bau- und Planungsamt führt eine Strichliste, welche Themen ihnen besonders auf der Seele brennen. „Die Hafenbebauung wird viel angefragt, auch an anderen Baugebieten herrscht Interesse, aber ganz vorne ist der Fluglärm.“

Auch Industriestaubsauger wurden vorgestellt.

Ein Thema, dessen sich der Fensterhersteller Juchheim geschickt angenommen hat. Eine Simulation soll zeigen, wie schalldicht ein Lärmschutzfenster ist: Ist es geschlossen, ist nichts zu hören, doch wird es geöffnet, strömen Fluglärm und Straßengeräusche durch einen ständig eingeschalteten Lautsprecher herein. Doch nicht der ganze Lärm: „Das Geheimnis ist der asymmetrische Aufbau der Fenster mit einer dickeren Scheibe außen und einer dünneren innen“, erläutert Mitarbeiter Udo Schmitt. „Die Schallwellen werden durch den Hohlraum dazwischen anders gebrochen, was eine Verbesserung von zehn Dezibel ausmacht.“ Für das menschliche Ohr halbiere sich der Lärm.

Dekofiguren aus verschiedenen Materialien

Doch auch, wer bei der Messe einfach nur auf der Suche nach etwas Hübschem für die Wohnung ist, wird fündig – etwa mit Dekofiguren aus verschiedenen Materialien, Raumdüften und Gewürzen. Einen Hauch von Luxus verbreiten Massagesessel und Wasserbetten. Banken wiederum beraten über Finanzierungsmöglichkeiten, die Polizei über die Sicherung des Eigentums.

Ganz so weit ist Besucherin Tina Weik aus Dietzenbach noch nicht. „Der Traum vom Eigenheim“ habe sie zur Baumesse gelockt. „Hier ist der beste Anlass, um sich auf einen Blick zu informieren und eine Übersicht zu verschaffen, welche Anbieter und Möglichkeiten es gibt, um dann möglichst alles richtig zu machen“, sagt sie, hält Prospekte im Arm und lächelt. Mit ihrem Mann überlegt sie, ein Haus zu kaufen und zu renovieren. Wer weiß, wie es in einem Jahr aussieht: Vom 22. bis 24. Februar 2013 ist wieder Baumesse in Offenbach. Vielleicht suchen Weiks dann schon etwas ganz Konkretes für ihr neues Eigenheim…

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