Bauplätze wären schnell weg

Offenbach - Skeptisch rein, optimistisch raus. Die nachträglichen Bewertungen einer Versammlung im Pfarrheim Bieber decken sich weitgehend. Von Thomas Kirstein

Es könnte noch was werden mit der Verwertung des Baugebiets Bieber-Nord, bevor ab Mitte 2018 sogenannte Lärmschutzzonen die Besiedlung der 12,4 Hektar zwischen Bundesstraße 448 und S-Bahn verhindern.

160 Eigentümer von Grundstücken waren gekommen, um sich von der Stadt die aktuellen Perspektiven aufzeigen zu lassen. Und die sehen gar nicht so schlecht aus, folgt man wie viele Bieberer dem informierenden Oberbürgermeister Horst Schneider: Lässt sich der momentan viele Investitionen bremsende Regierungspräsident abverhandeln, dass die Stadt ihren millionenschweren Anteil trägt, könnte die Bauverwaltung Ende 2014 mit der Erschließung beginnen.

Anderthalb Jahre Dauer

15 Millionen Euro kostet das geschätzt, elf davon wären als Erschließungs- und Kanalanschlussbeiträge sowie Ausgleichsabgaben von den Eigentümern zu tragen. Anderthalb Jahre würde es dann dauern, bis auf den gegenwärtigen Äckern beleuchtete Straßen gebaut und Versorgungsleitungen und Abwasserkanäle verlegt wären. Ab 2016 könnte das letzte große Wohnentwicklungsgebiet Offenbachs zur neuen Heimat für zirka 2000 Menschen werden.

„2014 wäre ein Traum, aber wir glauben jetzt, dass es was werden kann – wichtig wäre das für die gesamte Stadtentwicklung“, sagt Christa Demuth von der Anfang dieses Jahres gegründeten Bürgerinitiative Bieber-Nord. Sie ist sich sicher, dass die Bauplätze ganz schnell weg wären. Sie weiß, auch über ihren ein Architekturbüro betreibenen Mann Stefan, von einem großen Interesse insbesondere junger Bauwilliger. Mögliche Beeinträchtigungen durch Flug- oder Straßenlärm spielten keine Rolle; attraktiv sei die Nähe zu S-Bahn, Betreuungseinrichtungen und einem gewachsenen Stadtteil.

Mit ewigen Brache abgefunden

Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis sich in Bieber-Nord die jetzigen, halbwegs konkreten Aussichten eröffneten. Nicht wenige Offenbacher hatten sich schon mit einer ewigen Brache abgefunden. Schließlich hatte die Stadt eine private Erschließung favorisiert, weil diese für sie billiger geworden wäre. Dazu waren aber nicht alle Eigentümer – wie notwendig – unter einen Hut zu bringen. Die Rechtsprechung verhinderte dann, dass eine städtische Gesellschaft als private Erschließerin tätig werden konnte.

Den Ausweg eröffnet nun doch die viele Jahre gemiedene öffentlich-rechtliche Erschließung, bei welcher sich kein Grundstückseigentümer vor dem Bezahlen drücken kann. Für die große Mehrzahl der Betroffenen sei das gar kein Problem, glaubt Christa Demuth, die sich nach der Versammlung im Pfarrheim umgehört hat. Die Bieberer zahlten lieber die Gebührenbescheide, als dass sie bei einer anderen Art der Finanzierung der städtischen Erschließungsgesellschaft einen Vorschuss gegeben hätten.

Nach Ende der Baumaßnahmen würde abgerechnet

Die Stadt kann auf zweierlei Weise kassieren – einmal durch sogenannte Vorausleistungsbescheide aufgrund geschätzter Kosten, nach Ende der Baumaßnahmen würde dann abgerechnet; zum anderen durch Ablöseverträge, bei denen die Eigentümer den geschätzten Betrag komplett bezahlen, Kostensteigerungen trägt die Stadt.

Letzteres gefällt den Bieberern am besten, meint Christa Demuth. Zocken, dass es im Laufe der Jahre billiger werden könnte, mag keiner, glaubt sie.

Je nach Größe des zu Bauland veredelten Ackers werden erkleckliche Summen für die Erschließung fällig. Pro Quadratmeter ist mit etwa 80 Euro zu rechnen. Da kommen fünf- bis sechsstellige Summen zusammen. Dank der örtlichen Raiffeisenbank muss dies nicht zur finanziellen Belastung vor tatsächlicher Bebauung oder Verkauf werden. Kredite (insgesamt bis vier Millionen Euro) zu günstigen Konditionen und mit einer Laufzeit bis Ende 2015 müssen erst getilgt werden, wenn das Land versilbert ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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