Stadtentwicklung

Leben im Versuchslabor

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Im Windschatten der Mainmetropole Frankfurt ist Offenbach derzeit unter Projektentwicklern äußerst angesagt.

Offenbach - Der Blick von außen kann Mut machen: Experten in Sachen Stadtentwicklung bescheinigen Offenbach im Windschatten des großen Nachbarn Frankfurt genug Potenzial für den Wandel. Von Matthias Dahmer 

Erfindet sich die Stadt gerade neu? Wer gestern im Kulturzentrum Hafen 2 den Referenten lauscht, muss das bejahen. Um die Kaiserlei-Bebauung und das Hafenviertel im Besonderen sowie um Offenbach im Allgemeinen rankt sich das Lob eines knappen Dutzends Hochkaräter in Sachen Stadtentwicklung.

Auf Einladung der auf solche Tagungen spezialisierten Düsseldorfer Firma Heuer Dialog, die von der Stadttochter OPG engagiert wurde, sind sie zum „Immobilien-Dialog“ an den Nordring gekommen. Fachleute aus Verwaltung, Unternehmen und Wissenschaft beleuchten unter verschiedenen Blickwinkeln ein Phänomen, welches vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass Frankfurt mittlerweile zu teuer ist: Im Windschatten der Mainmetropole ist Offenbach derzeit unter Projektentwicklern äußerst angesagt.

Verborgene Schätze in den Vordergrund rücken

Am dicksten trägt dabei Christoph Gröner auf. Der Chef jener Immobiliengruppe, die in den alten KWU-Gebäuden am Kaiserlei mehrere hundert Wohnungen auf Zeit für Manager errichtenwill, versteigt sich zu dem Satz: „Wer einen gesunden Menschenverstand hat, macht Offenbach.“ Weniger pathetisch, dafür umso eindrucksvoller und kenntnisreicher wirbt Architekt Ulf Bambach vom Offenbacher Büro des Unternehmens ATP Architekten Ingenieure für die Stadt: Die werde von Außenstehenden zwar längst als Teil des Rhein-Main-Gebiets verstanden, doch keiner kenne Offenbach richtig. Eingebrannt ins Bewusstsein hätten sich „apokalyptische Bilder“ etwa von Bausünden und von Leerständen in der Innenstadt. Es gelte, „verborgene Schätze“ und „kleine Perlen“ wie Mainufer, Wilhelmsplatz, Rumpenheimer Schloss oder auch den Lilitempel mehr in den Vordergrund zu rücken.

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Was die Stadtentwicklung angeht, sieht Bambach, der als Architekt unter anderem fürs KOMM verantwortlich zeichnet, die Chancen eher in kleineren Projekten, in unkonventionellen Ideen. Offenbach müsse die Rolle eines Versuchslabors übernehmen, meint Bambach. Er verweist auf Detroit, die größte Pleitestadt der USA, mit der es auch dank einer sich dort neu etablierenden Kunst- und Kulturszene wieder aufwärts gehe. Zugleich fordert er das Land auf, etwa mit den Neubauten von HfG und Polizeipräsidium angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen. Beim Wohnungsbau in Offenbach ist er überzeugt davon, dass der von selbst laufe, sofern man sich auf das mittlere Preissegment konzentriere.

Harnack warnt vor hohen Mietpreisen

Dass der Wandel auch Ängste weckt, gibt Maren Harnack, Professorin für Städtebau an der FH Frankfurt, zu bedenken. Man dürfe durch hohe Mietpreise jene nicht vertreiben, welche eine Region am Laufen hielten, etwa Krankenschwestern Polizisten oder Feuerwehrleute. Offenbach komme in der Region die Funktion eines „Inkubators für Kunst und Kultur“ zu, und die Stadt spiele eine zentrale Rolle bei der Integration.

Ins Visionäre mischen sich im Hafen 2 auch profanere Laute: Auf dem Freigelände vor der Tagungshalle schnattern Gänse. Und am Himmel lärmen in regelmäßigen Abständen die Flugzeuge...

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