Standort ist sexy

Baustart für den Luisenhof

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Noch sind die Luisenhof-Wohnungen nur in schicken Broschüren zu bewundern. Bis Dezember 2014 soll der erste Bauabschnitt fertig sein.

Offenbach - Beim ersten Spatenstich für das große innerstädtische Wohnprojekt sind sich die Frankfurter Investoren gestern sicher, dass auch Offenbach als Standort mittlerweile sexy ist. Von Matthias Dahmer

Die launigsten Worte fand der, für den so ein Spatenstich eigentlich fast schon Routine sein dürfte: Er habe als gebürtiger Wiesbadener und einer, der seit 48 Jahren in Frankfurt wohnt, mit Offenbach natürlich ein Problem. „Aber die Stadt ist auf einem guten Weg, was allerdings auch nicht schwer ist, wenn man sich hier umsieht“, sagt Claus Wisser. Er darf so etwas sagen. Der 71-Jährige Dienstleistungs-Mogul aus der Mainmetropole ist einer der Bauherren des Luisenhofs, dessen Baustart gestern Mittag auf dem zum Teil schon ausgebaggerten Areal zwischen Luisen-, Ludwig-, Frankfurter und Bahnhofstraße zelebriert wird.

Auf 16 000 Quadratmetern sind 240 Wohnungen geplant. Im ersten Bauabschnitt werden davon 104 Wohneinheiten geschaffen. Sie sollen zu einem großen Teil im Dezember des nächsten Jahres fertig sein. Im zweiten Bauabschnitt sind dann etwa 57 und im dritten nochmals 34 Wohnungen vorgesehen. Optional sollen in einem vierten Bauabschnitt 42 weitere Wohnungen im Luisenhof entstehen.

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50 Millionen Euro steckt der Investor, die PG Luisenhof GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der Frankfurter WEP-Gruppe, an der Wisser beteiligt ist, und der EFO Immobilien GmbH aus Mühltal, in das Vorhaben. Der Bauauftrag für den ersten Bauabschnitt wurde für 17 Millionen Euro an die Hochtief Solutions AG als Generalunternehmer vergeben. Ein Vorhaben derartiger Qualität für die Innenstadt, betont Oberbürgermeister Horst Schneider, habe es seit mindestens zehn Jahren nicht gegeben.

Analog zu Berlin gelte, dass das arme Offenbach langsam sexy werde. Leitidee der Bebauung sei die Verknüpfung des Westends mit der Innenstadt. Schneider erinnert daran, dass man sich im Rathaus bereits seit 2006 mit der Vermarktung der einstigen Industriebrache beschäftige.

Erster Spatenstich für den Luisenhof: Bauherren und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Für die weiteren Bauabschnitte sind noch nicht alle Steine aus dem Weg geräumt. Die Polizei muss ein von ihr genutztes Grundstück an der Frankfurter gegenüber dem Ledermuseum räumen. Der OB weist darauf hin, dass es zu diesem Zweck eine schriftlich fixierte Absichtserklärung („Letter of Intent“) gibt. Wenn die Bauabschnitte anstünden, habe das Land, sechs Monate Zeit, das Areal zu räumen. Was Schneider nur am Rande erwähnt, von der CDU gestern aber via Pressemitteilung gegeißelt wird (dazu nebenstehender Bericht), ist der Umstand, dass die Stadt selbst von den Grundstücksverkäufen eher wenig profitiert.

Immerhin: Was die Union 2009 noch als „Luftschloss“ bezeichnete, nimmt Gestalt an. Im Luisenhof entstehen Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen in Größen von 25 bis 223 Quadratmetern. Sie sollen mit großen Balkonen, bodentiefen Fenstern, Fußbodenheizung und Parkett in den Wohnräumen über eine hochwertige Ausstattung verfügen, heißt es.

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„Während in Frankfurt für vergleichbare Wohnungen schnell 4 000 Euro je Quadratmeter fällig werden, liegen die Preise im Luisenhof bei durchschnittlich 2 600 Euro je Quadratmeter. So entstehen Eigentumswohnungen, deren monatliche Belastung ähnlich ausfällt wie bei Anmietung einer vergleichbaren Wohnung“, so Claus Wisser. 30 Prozent der Wohnungen des ersten Bauabschnitts sind verkauft oder kostenpflichtig reserviert. „Ich selbst habe fünf gekauft“, animiert der Frankfurter Unternehmer nicht ganz uneigennützig dazu, im Luisenhof zu investieren. Und mit Blick auf den Fortgang des Projekts ist Wisser sicher: „Schief geht da gar nichts mehr.“

Auf Vorbehalte wegen des Wegfalls innerstädtischen Parkraums geht Holger Koppe, Geschäftsführer der PG Luisenhof, ein. Skepsis sei ihm deswegen in der Planungsphase unter anderem aus der Kommunalpolitik entgegengeschlagen. Doch mittlerweile merkten alle, dass in Offenbach etwas passiere. Das treffe nicht nur auf den Luisenhof, sondern etwa auch auf den Hafen zu. „Der Standort Offenbach wird interessant“, so Koppe.

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