Baustein gegen die Raumnot

Grundstein fürs Goethequartier gelegt

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So soll es einmal aussehen, das große Quartier am westlichen Stadteingang.

Offenbach - 327 Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen soll das Goethequartier beinhalten, das auf dem Areal der einstigen Maschinenfabrik Collet & Engelhard entsteht. 83 der Wohnungen werden vom Land gefördert, 74 davon sollen barrierefrei sein. Von Marian Meidel 

Auch eine Kita mit Plätzen für 125 Kinder ist geplant. Bei der Grundsteinlegung gestern waren sich Politik und Bauträger einig: Für Offenbach ist das Projekt auf vielen Ebenen ein wichtiger Schritt. Beschwingte Stimmung herrscht am gestrigen Donnerstag auf der Baustelle zwischen Berliner- und Bernardstraße. Dass der Grundstein für Offenbachs bislang größtes Wohnungsbauprojekt gelegt wird, ist allen Beteiligten Anlass zur Ausgelassenheit. Dr. Thomas Hain, leitender Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte (NH), beruft sich gar auf Johann Wolfgang von Goethe, als er betont, was Offenbach für einen angenehmen Bauort darstelle. Der Dichter habe die Stadt „eine sanft hingleitende, lebendige Welt mit liebevoll zarten Empfindungen im Einklang“ genannt und von den Prunkbeeten geschwärmt, zitiert er den Namensgeber des im Entstehen begriffenen Goethequartiers.

Noch ist auf dem 1,8 Hektar großen Gelände der einstigen Maschinenfabrik Collet & Engelhard aber nichts von einer Bauvision zu ahnen, die einmal das Bild der „sanft dahingleitenden“ Stadt prägen soll. Wo heute noch Kräne surren und Maschinen rattern, werden bis 2022 insgesamt 26 700 Quadratmeter Wohnbaufläche geschaffen – konkret sind das 327 Wohnungen. 83 davon werden vom Land Hessen gefördert, 74 sollen barrierefrei sein.

Zudem ist ein Edeka mit einer Verkaufsfläche von 2000 Quadratmetern geplant sowie eine Kindertagesstätte, die Platz für 125 Kinder bieten soll. Fahrradstellplätze soll es ebenfalls in großer Zahl geben.

Monika Fontaine-Kretschmer , Dr. Constantin Westphal (beide Nassauische Heimstätte), Iris Dilger (Wohnkompanie), Landesbauministerin Priska Hinz, Dr. Thomas Hain (Nassauische Heimstätte) und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (von links) legten gestern gemeinsam den Grundstein.

Der Bauträger, die Wohnkompanie Rhein-Main GmbH, hat die Quartierswohnungen bereits im Oktober 2016 an die NH verkauft (wir berichteten). Diese sollen zum Teil auch für Menschen mit mittlerem oder niedrigem Einkommen erschwinglich sein. „Bei den geförderten Wohnungen bewegen wir uns zwischen 6,80 und 8,61 Euro pro Quadratmeter“, sagt NH-Sprecher Jens Duffner. „Bei den frei finanzierten liegen wir zwischen 10 und 11 Euro.“ Oder, wie Baudezernent Paul-Gerhard Weiß es ausdrückt: „Das sind Wohnungen für ganz normale Leute.“

Dass das Goethequartier kein reines Luxus- oder Niedrigpreis-Wohnobjekt werden soll, begrüßt auch Landesbauministerin Priska Hinz. „Wir brauchen auf Dauer gemischte Quartiere“, betont sie bei der Grundsteinlegung. „Es hat nämlich keinen Sinn, wenn wir in 20 Jahren wieder Steuergelder in die Hand nehmen müssen, weil wir einen sozialen Brennpunkt geschaffen haben.“

Aber es gebe in der Stadt auch Sorgen bezüglich des Bauprojekts, gesteht Paul-Gerhard Weiß. „Wir haben eine überschaubare Gemarkung, und es gibt eine beachtliche Verdichtung. Der eine oder andere fragt, wo die Beete und Grünflächen, die Goethe besungen hat, am Schluss bleiben.“ Diese zu erhalten gehöre zu einer lebenswerten Stadt dazu.

Reingezoomt in Offenbach: Wo ist das?

Für die 83 geförderten Wohnungen des Goethequartiers hat das Land insgesamt 8,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Das ist wichtig, weil sich dadurch die Wohnsituation in Offenbach ein bisschen entspannt“, sagt Priska Hinz. „Auch, wenn sie noch weit davon entfernt ist, völlig entspannt zu sein.“ Jede neue Wohnung stelle einen buchstäblichen Baustein im Wirken gegen den Raummangel dar. „Und hier im Rhein-Main-Gebiet haben wir besonderen Wohnungsdruck.“ Das Land Hessen hat der NH daher im vergangenen Jahr 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, damit sie bis 2021 4900 neue Wohnungen schafft, das Gros davon in der Region. „Über Hebelwirkungen und Fremdkapital haben wir den Betrag auf gut eine Milliarde Euro steigern können“, berichtet Jens Duffner. Wenn die NH das verabredete Ziel erreichen will, muss dieses Geld nun ausgegeben werden. Eine Rechnung, in der das Goethequartier eine wichtige Rolle spielt, denn just im Stichjahr sollen die dortigen Wohnungen der NH schlüsselfertig übergeben werden.

Der Stolz über das bislang gelingende Vorhaben entlockt NH-Chef Thomas Hain am Ende gar ein weiteres, nicht weniger vollmundiges Goethe-Zitat: „Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“

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