Hoffnung zwischen Ruinen

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Aus Gründerzeitvillen in der Ludwigstraße blicken die Bewohner seit Jahren auf eine vermüllte Bauruine.

Offenbach - An Vielfalt mangelt es der Ludwigstraße nicht. Zu den Anliegern der innerstädtischen Nord-Süd-Achse zählen Hotels, Kino, Industrie- und Handelskammer sowie zum Teil repräsentative Bauten des Industriezeitalters. Aber es fallen derzeit mehr die Defizite ins Auge. Von Alexander Koffka

Neben einigen Brachen verschandeln vor allem zwei Bauruinen den Gesamteindruck. Auf den Grundstücken mit den Hausnummern 82 und 88 gammeln seit Jahren unvollendete Bauwerke vor sich hin. Leser Alexander Vogel (Name geändert) lebt seit 1997 in der Straße: Seither tue sich gar nichts, ist der Anwohner von der Entwicklung enttäuscht. Besonders erbärmlich ist der Zustand des Grundstücks Ludwigstraße 88. Bodenplatte und Kellerwände sind errichtet, dann sind die Bauarbeiten abrupt abgebrochen worden.

Bilder aus der Ludwigstraße

Unvollendete Baustellen verschandeln Ludwigstraße

Auf dem Fundament hat sich ein kleiner See gebildet - in einer vollständig mit Wasser bedeckten Schubkarre wuchern Seepflanzen. Die Neigung, die Brache unter Naturschutz zu stellen, dürfte dennoch klein sein: Meterhoch stapelt sich der Müll an den Rändern. Alte Fahrräder und Elektronikschrott liegen im See und an dessen Rändern. Dank weggeworfener Lebensmittel ist das Grundstück für Ratten ein Paradies.

Der Bauherr sei untergetaucht, seit Monaten nicht mehr zu erreichen und vermutlich insolvent, heißt es im Bauaufsichtsamt. Nach Informationen der städtischen Behörde bereitet die Sparkasse mittlerweile eine Zwangsversteigerung vor, um ihre Außenstände hereinzuholen. „Wir können wenig machen“, bedauert ein Mitarbeiter des Bauaufsichtsamtes den unansehnlichen Zustand. Zumindest ein besserer Zaun, der die verlassene Baustelle von der Straße abschirmt und das Abladen weiteren Mülls erschwert, soll auf Initiative des Rathauses als „Ersatzvornahme“ umgehend errichtet werden. „Wir müssen dann mühsam versuchen, das Geld wieder hereinzuholen“,nennt ein Amtsmann, der namentlich nicht genannt sein will, das Problem mit städtischen Initiativen bei verwahrlosten Privatgrundstücken. Das hält die Zuständigen im Rathaus auch davon ab, den Müll zu entfernen.

Die Wirkung für das Stadtbild ist allerdings fatal - wenige Meter vom Cinemaxx-Kino entfernt, das täglich viele hundert Besucher anzieht. Bessere Nachrichten hat das Bauaufsichtsamt für das wenige Meter südlich liegende Grundstück Ludwigstraße 82. Ein neuer Eigentümer habe den unvollendeten Rohbau, den einst die Firma Jucht errichtet hat, gekauft. Der neue Eigentümer wolle das ruinöse Bauwerk abreißen und etwas Neues errichten. „Die Genehmigung ist bereits erteilt.“Im Rathaus hat man den Eindruck, dass der neue Investor kurzfristig bauen werde.

Hoffnung gibt es auch für das Gelände Kaiser-Friedrich-Quelle: Ein Investor interessiert sich für das Grundstück und plant ein Altenheim. Eine Abbruchgenehmigung ist bereits erteilt. Städtebaulich gebe es keine Einwände gegen die Pläne.

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