Nach tödlichem Unfall

Baustelle auf A3 gerät ins Visier

Offenbach - Baustellen auf Autobahnen sind eine Herausforderung. Jedes Überholmanöver setzt erhöhte Aufmerksamkeit voraus. Das bekommen auch die 133.000 Fahrer zu spüren, die jeden Tag in die „innovative Baustelle“ auf der A3 zwischen dem Offenbacher Kreuz und Obertshausen steuern. Von Peter Schulte-Holtey

Das Zauberwort der Verkehrsplaner für die 5,9 Kilometer lange Baustelle heißt „Wechselverkehrsführung“. Ein Pilotprojekt sollte es sein. Nach dem spektakulären Bombenfund und der Unfallserie gibt es aber längst mehr Fragen als Antworten.

Lesen Sie dazu auch:

Ein Experte zur A3-Baustelle

Sechs Stunden im Stau - Selbsterfahrung

Kommentar zur Baustellen auf Autobahnen

Eine Tote nach Unfall auf A3

Normalerweise stehen in Spitzenverkehrszeiten auf diesem A3-Abschnitt insgesamt acht Fahrspuren zur Verfügung: Denn bei Hochbetrieb werden neben den drei Spuren in jede Fahrtrichtung die jeweiligen Seitenstreifen freigegeben. Während der Baumaßnahme wird es enger: Es ist nur noch Platz für sieben Spuren. Das wollen die Verkehrsplaner durch den flexiblen, am Verkehrsstrom ausgerichteten Einsatz der mittleren Spur ausgleichen. Morgens dient sie als zusätzliche Spur für den Verkehr in Richtung Frankfurt, nachmittags rollt hier Verkehr in die Gegenrichtung Würzburg. Über eine Anzeigetafel erfahren die Verkehrsteilnehmer, welche Fahrstreifen für welche Fahrtrichtung gerade frei sind. Das hört sich zunächst gut an. Doch Verkehrsexperten sind verunsichert, hinterfragen die Sicherheitsmaßnahmen. „Die Unfallhäufung ist doch auffallend - es sollte analysiert werden“, heißt es.

„Analysen sind unerlässlich“

Wolfgang Herda vom ADAC spricht von genauen Untersuchungen: „Selbstverständlich muss eine neue Baustelle genau beobachtet werden: Kommt es vermehrt zu Verkehrsunfällen, sind Unfallanalysen unerlässlich, um zu prüfen, ob die Art der Baustelleneinrichtung Ursache für die Unfallhäufigkeit ist.“ Nachgehakt: Ist denn eine mehrspurige Führung in Baustellen nicht grundsätzlich viel zu gefährlich? ADAC-Mann Herda: „Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass drei- und vierspurige Führungen in Baustellen nicht zu einer Erhöhung im Unfallgeschehen führen. Bestes Beispiel: Die Baustelle des 21. Jahrhunderts auf der A5 im letzten und vorletzten Jahr: Null Unfälle!“

Dabei ist für den Verkehrsexperten auch klar, dass angesichts der vielen „Baustellen-Raser“ gehandelt werden muss. „Stellt sich heraus, dass die Verkehrsteilnehmer die Tempobeschränkung missachten, könnte man stationäre Blitzer aufstellen - sogar mit Vorankündigung! Das reduziert meist die Geschwindigkeit des Pulks. Die Anlagen führen aber nur zu einer angemessenen Fahrweise vor bzw. im Umfeld der Geschwindigkeitsmessanlage“, erläutert Herda im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Appell an die Baustellen-Fahrer auf der A3: Sie sollten sich einfach wenige Minuten Zeit nehmen und langsamer fahren, mit dem Verkehr einfach mitschwimmen. Lkw sollten mit deutlich größeren Abständen fahren.

Bilder vom tödlichen Unfall auf der A3

Erneuter Unfall in der Baustelle auf der A3: Eine Tote

In anderen Autofahrer-Verbänden fordern Fachleute nun eine Reduzierung des Tempolimits in der „Problem-Baustelle“ der A3 auf 60 km/h. Auch gleich mehrere Blitzer müssten her, um Raser zu disziplinieren. Bei Hessen Mobil will man aber von einer Verringerung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nichts wissen. Auf die Frage „Ist Tempo 80 km/h nicht zu hoch für diesen Streckenabschnitt?“ heißt es klipp und klar: „Nein!“

Die Diskussionen nach dem Massen-Crash werden damit nicht beendet sein. Die Bilder vom „Schlachtfeld auf der A3“ haben zu viele Menschen schockiert. Reporter unserer Zeitung werden jetzt vor Ort zusammen mit einem Fachmann vom Automobilclub von Deutschland einen „analysierenden Blick“ auf die Baustelle werfen.

Rubriklistenbild: © Georg

Mehr zum Thema

Kommentare